Loredana Bröhl hat viel für ihre Hauptschule getan

Loredana muss jetzt für die Abschlussprüfung lernen, denn sie möchte eine Ausbildung zur Altenpflegerin machen. Hoffnung, dass die Hauptschule in Eppinghofen bleibt, hat sie „eher wenig“. Foto
Loredana muss jetzt für die Abschlussprüfung lernen, denn sie möchte eine Ausbildung zur Altenpflegerin machen. Hoffnung, dass die Hauptschule in Eppinghofen bleibt, hat sie „eher wenig“. Foto
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim.. Loredana Bröhl war im ausklingenden Jahr mehr und anders als sonst mit der Schule beschäftigt. Die 15-Jährige hat mit für den Erhalt der Hauptschule Bruchstraße gekämpft. Mitte November war sie noch, demonstrierend, im Fernsehen zu sehen. Ende Dezember ist nicht mehr viel Hoffnung geblieben.

Jetzt sind Weihnachtsferien. Die Hauptschule Bruchstraße, deren zehnte Klasse Loredana Bröhl besucht, ist geschlossen, wird aber sicher am 9. Januar wieder öffnen. Alle fragen sich nur: Wie oft, wie lange noch?

Loredana wohnt mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder ganz oben an der Aktienstraße, wo diese geräuschvoll von Mülheim nach Essen zieht. Wir sitzen in ihrem Zimmer und schauen eine Fernsehaufzeichnung an, in der das schmale blonde Mädchen eine wichtige Rolle spielt: Am 19. November drehte sich „Neuneinhalb“, ein vielfach ausgezeichnetes Kinder-Nachrichtenmagazin, das samstags in der ARD läuft, um den Schulkonflikt in Mülheim. Ein Reporterteam war an zwei entscheidenden Tagen vor Ort: Als bei einer Demo während der Sitzung des Bildungsausschusses 94 Luftballons in den Himmel über der Müga stiegen (für 94 Nationen, die in Eppinghofen leben) und als die Unterschriftenlisten der Oberbürgermeisterin übergeben wurden.

"Hier sind viele Nationalitäten, die sich gut verstehen"

In dem Beitrag wird der Zustand des Schulgebäudes per Kamera dokumentiert: löchrige Wände, Wasserschäden, kaputte Türen. Die Leiterin der Hauptschule kommt zu Wort, Gabriele Klar. Aber auch Loredana wird interviewt, die man stetig in der ersten Reihe sieht, an vorderster Front. Warum die Hauptschule Bruchstraße unbedingt erhalten bleiben muss, sagt sie den Fernsehleuten ins Mikrophon: „Hier sind viele Nationalitäten, die sich gut verstehen.“ Zudem seien die Lehrer nett, und 60 Prozent der Jugendlichen bekämen einen Ausbildungsplatz.

Zu unserer Zeitung sagt Loredana: „Ich möchte, dass noch viele Kinder die Chance haben, auf diese Schule zu gehen.“ Dafür hat sie Unterschriften gesammelt: in der Fußgängerzone, in Geschäften, bei ehemaligen Schülern. Manchen Passanten musste sie erst erklären, worum es geht, „ihnen verständlich machen, dass sie jetzt keine Reklamepost bekommen“. Oft gelang es: Drei Seiten voller Unterschriften hat allein Loredana zusammenbekommen. Spezial

"Geschlagen geben wir uns noch nicht"

In ihrer Klasse hätten alle mitgezogen. Auch die, die anfangs gefeixt hätten, als von Schließung die Rede war: „Wie Schüler so sind, die keinen Bock haben . . .“ Am Ende freute sich keiner mehr. Und jetzt? Bekanntlich erklärte der Stadtrat das Bürgerbegehren für unzulässig. „Weil nicht dabei stand, woher wir das Geld nehmen wollen“, sagt Loredana, „ob von anderen Schulen oder kaputten Straßen. Aber das haben wir absichtlich weggelassen.“ Die Schule werde nun vor Gericht gehen, vermutet sie. „Geschlagen geben wir uns noch nicht.“ Doch Hoffnung hätten sie „eher wenig, nach all den Rückschlägen“.

Loredana ist überzeugt von ihrer Schule: „Die Lehrer setzen sich richtig ein, auch bei privaten Problemen oder wenn es um Bewerbungen geht.“ Dabei wechselte sie selber, früher Gesamtschülerin, erst vor anderthalb Jahren an die Bruchstraße. „Freiwillig.“ Den Hauptschulabschluss will sie 2012 unbedingt schaffen. Sonst kann sie die Ausbildung nicht beginnen, die sie sich wünscht: Altenpflegerin. Derzeit erlebt sie als Praktikantin im Wohnstift Dichterviertel, was das bedeutet.

Ein Lehrer hat sich dort für sie erkundigt und bei der Bewerbung geholfen. Zunächst für das Praktikum und ein Freiwilliges Soziales Jahr. Der Schulstreit steht bei Loredana jetzt nicht mehr an erster Stelle: „Zu sehr möchte ich mich nicht in die Sache reinsteigern. Schließlich schreibe ich in fünf Monaten die zentrale Abschlussprüfung.“

 
 

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