Letzte Lederfabrik bleibt

Der Blick von oben auf das Gebiet der Lederfabrik. Die Zukunft heißt dort jedoch wohnen in Spitzenlage.
Der Blick von oben auf das Gebiet der Lederfabrik. Die Zukunft heißt dort jedoch wohnen in Spitzenlage.
Foto: Walter Schernstein - PR Fotograf NRZ

Mülheim. Hat Mülheim noch bessere Lagen? Selbst Planungspolitiker, die sich seit Jahrzehnten mit dem Wandel der Stadt befassen, sehen am Kassenberg eines der ganz großen Filetstücke. Dort, wo mit Seton noch die letzte von einst 52 Lederfabriken ansässig ist, beginnen die Planungen für die Zeit nach der Gerber-Ära.

Die SMW, jenes Konsortium aus Sparkasse, Mülheimer Wohnungsbau und dem Unternehmen Hoffmeister, weiß, was es da für eine Perle erworben hat. „Wir werden in Abstimmung mit der Politik mit einem städtebaulichen Wettbewerb starten“, sagt SMW-Geschäftsführer Jürgen Steinmetz.

Fest steht inzwischen auch, dass sich SMW mit Seton geeinigt hat: Die Leder-Firma, die einen weiteren Sitz an der Lahnstraße im Hafen hat, kann das Areal am Ruhrufer noch länger nutzen – bis Mitte 2016. „Wir werden uns 2015 erneut zusammensetzen und den Zeitplan erörtern“, sagt Seton-Geschäftsführer Thomas Bee. Sollte SMW mit Planungen und Baurecht soweit sein, dass man 2016 mit dem gigantischen Wohnprojekt starten möchte, hätte Seton noch ausreichend Zeit, um sich auf die Situation einzustellen.

Suche nach neuem Standort

Den Zeitdruck ist Seton jedenfalls los. Ursprünglich hieß es, dass die Lederfabrik schon in Kürze das Feld am Fluss räumen müsste. Die Geschäftsführung hatte bereits jenseits von Mülheim nach einem neuen Standort gesucht, die Gewerkschaft hatte zum Protest aufgerufen. Doch „die Suche nach einem Standort in anderen Bundesländern haben wir eingestellt“, sagt Bee. Seton will am Ort bleiben, sich im Hafen eines Tages konzentrieren und den Produktionsschritt, der jetzt am Kassenberg erfolgt, möglicherweise später mal einkaufen, weil in der Stadt ein Ersatzgelände, das alle Auflagen erfüllt, einfach nicht zu finden sei.

Etwa 350 Beschäftigte arbeiten für Seton, 70 davon am Kassenberg. Sie produzieren rund 2000 Häute am Tag, Leder ausschließlich für die Auto-Industrie und hier für die Premium-Marken. Für die Beschäftigten hat Bee das klare Signal, dass sich keiner sorgen muss. Ziel sei es, das Geschäft so auszubauen, dass alle gehalten werden und dann an der Lahnstraße im Hafen arbeiten können.

Gewerbe und hochwertiges Wohnen

Für das Areal am Ruhrufer, das Vorbesitzer Lindgens vor drei Jahren als möglichen Hochschul-Standort anpries, sieht SMW drei Bereiche vor. Steinmetz hält die Altbauten der Lederfabrik an der Düsseldorfer Straße für denkmalwürdig. Darin schwebt ihm ein nicht-störendes Gewerbe oder Dienstleistung vor, dahinter könnte sich in einem zweiten Abschnitt ein Geschoss-Wohnungsbau anschließen und zur Ruhr hin sind hochwertige Einfamilienhäuser angedacht.

Ähnliches hatte schon der Baukonzern Hochtief, der sich vor geraumer Zeit mit dem Gelände befasst hatte, geäußert und dem Gebiet weit über Mülheim hinaus ein großes Potenzial eingeräumt.

Auch für den Vorsitzenden des städtischen Planungsausschusses, Dieter Wiechering, ist der Kassenberg mit das Beste, was Mülheim an Grundstücken zu bieten hat. Unter Berücksichtigung aller ökologischen Belange könnte sich dort Mülheim erneut als sehr attraktive Wohnstadt darstellen, meint er. „Diese Lage wäre schnell verkauft“.

Die verkehrstechnische Erschließung ließe sich aus Sicht von Wiechering lösen. Er sieht in der Entwicklung des Kassenbergs zum Wohngebiet auch die große Chance, das Gelände der benachbarten Brauerei, wo nur noch eine Ruine steht, als Wohngebiet zu entwickeln. Wegen der Nähe zur Lederfabrik war dies bislang nicht machbar. Mehr noch: Ein paar Meter weiter bei Rauen läge die nächste Chance auf schönes Wohnen.

 
 

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