Lesestunde als Geschenk

Dümpten..  Für den ehemaligen Jugendrichter Benno Braun und den pensionierten Industrie-Kaufmann Karlheinz List ist es eine große Freude, einmal wöchentlich mit Schülern zu lesen. Die Fünft- und Sechstklässler dürfen in der gemütlichen Schulbibliothek der Städtischen Realschule Mellinghofer Straße aus ihren Lieblingsbüchern vorlesen.

„Ich lasse sie auch gerne kurze Zeitungsartikel lesen und spreche über den Inhalt. Haben sie verstanden, worum es geht? Gerade haben wir einen Artikel über die „Nemo“-Fische gelesen, da konnte ich erklären, dass es nur noch wenige dieser Art gibt, weil die Tropenfische für Aquarienliebhaber gefangen werden“, erklärt Karlheinz List und fügt hinzu: „Ich bekomme für die zwei Stunden, die ich in der Woche hier bin, viel zurück.“

Alina, Larissa, Aybike und Mina, die auch zu Hause viel lesen, freuen sich auf die Lesestunde mit ihrem Paten. Alina strahlt: „Das ist schön, wenn andere Unterricht haben, lesen wir einfach nur.“ Larissa gefällt das abwechselnde Lesen besonders gut. Benno Braun sitzt mit „seinen“ Fünftklässlern zusammen, gelesen wird „Die Welt steht Kopf in der Elternschule“ von Amina Paul. Die Jungs tasten sich langsam im Text vor, wissen manchmal nicht genau, wie das eine oder andere Wort ausgesprochen wird. Aber das ist nicht schlimm, denn der 71-Jährige hilft geduldig. Rektorin Judith Koch erklärt: „Die Kinder empfinden die Stunde als Geschenk, gehen mit viel Freude hin. Es ist eine besondere Form der Zuwendung. Da kommt jemand extra für sie!“

Fördern an der Realschule

Projektleiterin Marlies Rustemeyer vom Centrum für Bürgerschaftliches Engagement, kurz CBE, organisiert schon im achten Jahr für Schulen und Ehrenamtler maßgeschneiderte Lösungen. An der Realschule sei das Lesebüro in das Lernbüro eingegliedert, erklärt der zweite Konrektor Frank Michels. Da werde der Klassenverband einmal wöchentlich aufgebrochen, um Schüler in kleinen Gruppen zu fördern und zu fordern. Sie dürfen wählen, was sie mögen oder wo sie sich verbessern möchten.

Für einen bestimmten Zeitraum müssen sich die jungen Menschen festlegen, ihre Termine einhalten. Manche gehen in Englischklassen, einige machen lieber Mathe, wieder andere besuchen die Lesegruppe. „Manchmal kann man das direkt im Notenspiegel ablesen“, freut sich die Rektorin. Ein Schüler habe vom englischen Förderunterricht des 75-jährigen pensionierten Englischlehrers Jochen Claus profitiert, nicht zuletzt wegen seiner verbesserten Noten nun eine Lehrstelle bekommen. In Planung ist gerade eine Mofa-AG, die der ehemalige TÜV-Sachverständige Rudolf Koppitz leiten möchte.

 
 

EURE FAVORITEN