Leerstand auf der Leineweberstraße in Mülheim wird immer mehr zum Problem

Auf der Leineweberstraße schließen immer mehr Geschäfte. Kunden beschweren sich über schlechte Parkmöglichkeiten und fehlende Attraktivität. Bild: Ilja Höpping
Auf der Leineweberstraße schließen immer mehr Geschäfte. Kunden beschweren sich über schlechte Parkmöglichkeiten und fehlende Attraktivität. Bild: Ilja Höpping
Foto: WAZ
Der Leerstand auf der Leineweberstraße wird immer mehr zum Problem. Schon wieder hat ein Geschäftsmann aufgegeben. Wegen mangelnder Attraktivität bleiben die Kunden aus. Ein Argument wird immer wieder genannt: Es fehlen Parkmöglichkeiten.

Mülheim. Die Leineweberstraße wird zum großen Sorgenkind. Wieder gibt ein Geschäftsmann auf. Der Leerstand erreicht einen traurigen Rekord. Kein Fisch, kein Steak, keine Möbel, sogar Mc Geiz und jetzt ein Makler warfen das Handtuch. „Es treibt einem die Tränen in die Augen“, sagt ein Mülheimer Ratsherr und fühlt nicht alleine so. Neun, vielleicht sind es schon zehn Geschäfte an der Leineweberstraße, deren Schaufenster verraten: Hier lohnte sich ein Verkauf nicht mehr. Ein trauriger Rekord bahnt sich an der Allee an, die an manchen Ecken wie am Café Intermezzo mit Blick auf die Altstadt durchaus Flair und Aufenthaltsqualität besitzt.

Als „bedrückend“ beschreiben jedoch inzwischen viele Bürger die Szenerie zwischen den großen, teils schäbigen Plakaten ,Zu vermieten’. Das jüngste Opfer: Michael Scheffler, ein Immobilienmakler, der ein vernichtendes Experiment an der Leineweber wagte. Er hängte ein Plakat ins Schaufenster, mit vermeintlichem Top-Angebot: Haus mit 130 Quadratmetern in Saarn, 64 900 Euro. „Ich habe es drei Monate hängen lassen zwischen den anderen Angeboten. Keiner kam rein, fragte nach, interessierte sich.“ Als hochgradig erschreckend habe er dies empfunden, wohl wissend, dass sich gerade sein Geschäft ins Internet verlagert hat. Seine Schlussfolgerung: „Es ist nutzlos für uns.“

Warum bleiben die Kunden aus?

Woran liegt es, dass immer mehr gerade hier aufgeben müssen? In einem Modehaus ist zu hören, dass die Kunden, die noch kämen, sich über fehlende Parkmöglichkeiten beklagten, andere immer noch über die Baustellenphase stöhnten, die es in der Massivität nicht mehr gibt.

Scheffler sieht das größte Manko der Leineweber in der Erreichbarkeit und in fehlenden Parkmöglichkeiten: „Auf der Kö sind 1000 Parkplätze. Schnell mal rein, mal gucken, kaufen, die Parkuhr füttern. Sehen und gesehen werden. Hier geht das nicht.“ Und für auswärtige Besucher sei die Innenstadt mit der Verkehrsführung hoch verwirrend.

Die Politik steht nahezu ratlos vor dem Problem. Die FDP würde am liebsten die Erreichbarkeit durch einen Zwei-Richtungsverkehr verbessern. „Wir dürfen auch nicht nur den Handel sehen“, sagt ihr planungspolitischer Sprecher Wolf Hausmann und denkt an die Ansiedlung von Dienstleistungen bis hin zu Wellness-Angeboten. Er sagt aber auch: Die Hausbesitzer sollten sich zusammensetzen und über ihre Mieten nachdenken.

Anziehungspunkte fehlen

Kurzzeit-Parkplätze müsste es mehr geben, um die Kundenfrequenz zu erhöhen, sagt Markus Püll (CDU). Mancher blickt nach Saarn. Warum klappt es dort? Es gebe halt Parkplätze dort, heißt es. Ein Ausbau der Parkplätze an der Leineweber ist derzeit Thema im Planungsdezernat.

Die Leineweberstraße befindet sich aus Sicht des Sprechers der Mülheimer Bürgerinitiativen, Lothar Reinhard, im „Würgegriff“ der gesamten Innenstadt. Das Hauptübel sieht er im Leerstand des Kaufhofes, „es fehlt ein Anziehungspunkt“. Und: Die Bautätigkeit rund um die Innenstadt halte Kunden ab oder vertreibe sie Richtung Essen und Duisburg.

Die Werbegemeinschaft Innenstadt kennt das Problem: „An der Lage der Leineweber ist nichts zu beschönigen“, sagt der neu gewählte Vorsitzende Hermann-Josef Pogge. Doch Lösungen, neue Konzepte gebe es noch nicht. Daran werde in den nächsten Wochen gearbeitet. Ein erstes Treffen der neu formierten Werbegemeinschaft mit der OB, Vertretern vom Stadtmarketing, der Wirtschaftsförderung und dem Baudezernat hat es in den vergangenen Tagen gegeben. Der Handlungsbedarf sei gewaltig, hieß es. Das wisse man seit 15 Jahren, kontert die Politik. Jedenfalls wurde ein „Neustart“ ausgerufen.

 
 

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