Land registriert in Mülheim besonders viele Infektionen mit Krankenhauskeimen

Vor einem Jahr präsentierte das Marien-Hospital, wie man eine lückenlose Desinfektion (rechts) überwacht. Bild: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Vor einem Jahr präsentierte das Marien-Hospital, wie man eine lückenlose Desinfektion (rechts) überwacht. Bild: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool

Mülheim. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens wird nach WAZ-Informationen am Mittwoch Zahlen präsentieren, nach denen 2010 in Mülheim besonders viele Infektionen mit gefährlichen multiresistenten MRSA-Erregern registriert worden sind. Besagte regionale Rangliste führt Mülheim an erster Stelle. So seien in Mülheim im Vorjahr 17,3 besagter Infektionen auf 100.000 Einwohner gekommen. Landesweit liegt der Durchschnitt bei 6 zu 100.000.

Laut Ministerium ist die Zahl der Infektionen weiter steigend. So seien im ersten Halbjahr 2011 landesweit 572 Fälle gemeldet worden, im Vorjahreszeitraum seien es noch 435 gewesen. Seit Mitte 2009 erst besteht für Krankenhäuser die Pflicht, MRSA-Fälle dem örtlichen Gesundheitsamt zu melden. Schlagzeilen hatte Mülheim im Februar diesen Jahres gemacht, als das Gesundheitsamt bekannt gemacht hatte, dass innerhalb von 18 Monaten elf Patienten an Infekten mit multiresistenten Keimen gestorben seien.

Hohe Quote sei nicht gleichzusetzen mit schlechter Hygiene

Eine hohe Infektionsquote mit multiresistenten MRSA-, sogenannten Krankenhauskeimen in Mülheim wollen hiesige Fachleute nicht fehlinterpretiert wissen. Die hohe Quote sei nicht zwingend gleichzusetzen mit einer schlechten Qualität in Sachen Hygiene.

Auf 100 000 Einwohner gerechnet wurden in Mülheim für das Jahr 2010 17,3 Fälle registriert, in denen gefährliche MRSA-Keime im Blut von Krankenhaus-Patienten nachgewiesen worden sind – landesweit negative Spitze. „Aber das muss nicht heißen, dass wir eine besonders schlechte Situation haben“, sagt der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Dieter Weber. Man sei in Mülheim auf gutem Weg, den Keimen vorbeugend den Kampf anzusagen. Weber verwies darauf, dass beide Krankenhäuser dabei seien, ein Qualitätssiegel zum Schutz vor MRSA zu erlangen. Ferner hatte sich Ende 2010 ein Netzwerk aus Vertretern von ambulanter und stationärer Medizin, von Pflege und Rettungsdiensten gegründet, um Standards zur Bekämpfung multiresistenter Erreger zu verabreden.

Krankenhäuser untersuchen alle neue Patienten auf Erreger

Wie das Ev. Krankenhaus zuvor schon hat das Marien-Hospital aktuell in einem Test alle neuen Patienten auf Erreger untersucht. Das Ergebnis, so Dr. Christian Zinn vom Zentrum für Krankenhaus-Hygiene der Contilia-Gruppe, habe das Haus bestätigt, weiter nicht alle Patienten auf besagte Erreger zu untersuchen, sondern nur die vom Robert-Koch-Institut genannten Risikogruppen, etwa Patienten mit chronischen Wunden, mit Katheter, mit häufigen Hospital-Aufenthalten oder welche, die häufig mit Antibiotika behandelt worden sind.

Im Übrigen, so Zinn, habe der Test ergeben, dass nur 1,5 % der neu aufgenommenen Patienten mit MRSA-Erregern ins Krankenhaus gekommen seien. Bundesweit liege der Schnitt bei 3 %. Im Kampf gegen die Ausbreitung gefährlicher Keime setze das Hospital weiter auf regelmäßige Aufklärung und Schulung des eigenen Personals; so heute und morgen wieder zum „Tag der Händehygiene“.

Das Marien-Hospital sei „auf dem richtigen Weg“. Unterstützend wirke das neue Infektionsschutzgesetz, das nun auch Test-Abstriche bei niedergelassenen Ärzten berücksichtige. Wenn auch die Finanzierung dessen geklärt sei, werde dies im Kampf gegen Keime ein Fortschritt sein. Die Untersuchung vor der Einweisung ins Krankenhaus sei wichtig, um schon frühzeitig eine Entkolonisierung in Angriff nehmen zu können.

Zu den vom Land präsentierten Zahlen sagte Zinn: „Eine hohe Quote bedeutet nicht eine schlechte Hygiene, sondern dass die Institutionen hier genau hinschauen."

 
 

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