Laden-Mieter an Schloßstraße fordert 50 Prozent Mieterlass

Das Rieken-Haus (links) im Jahr 1956.
Das Rieken-Haus (links) im Jahr 1956.
Foto: Stadt Mülheim

Mülheim.. Fachleute sprechen vom „Trading-Down-Effekt“, wenn sie die negativen Wirkungen des Kaufhof-Leerstands auf das Umfeld beschreiben. Hermann Friedrich Neuhaus ist 83 – und redet als Nachbar des Mammut-Leerstands Klartext: „Die Experimentierzone Kaufhof“, sagt der Verwalter des Rieken-Hauses, „kostet uns jeden Tag einen Haufen Geld!“

Das Rieken-Haus. 1955 gebaut von und benannt nach den Brüdern Wilhelm und Walter Rieken, als Händler zu jener Zeit ein Begriff. Mülheim ist stolz auf dieses Hochhaus, ein Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs jener Nachkriegsjahre. Neun Geschosse hoch ist es. 40 Mietwohnungen, zwischen 42 und 83 Quadratmeter groß, sind auch heute voll belegt.

Zufrieden ist Hermann Friedrich Neuhaus über die ausgeprägte Treue der Wohnungsmieter: „Fast die Hälfte von ihnen wohnt hier schon mehrere Jahrzehnte“, sagt er. Unten im Haus sind die Ladenlokale voll besetzt, Tengelmann als Hauptmieter.

Enormer Kundenrückgang bei einigen Läden

Und doch trägt Neuhaus als Vertreter der Erbengemeinschaft Sorge in sich. Er zitiert den Brief eines Mieters aus dem Parterre: Angesichts der Geschäftsentwicklung und des enormen Kundenrückgangs von circa 70 Prozent, heißt es im Schreiben kurz und knapp, „möchte ich Sie bitten zu prüfen, inwieweit eine Mietzinsanpassung ab 1. April möglich ist.“ Mietrabatt gefordert – satte 50 Prozent plus X. Kein Einzelfall, klagt Neuhaus. Mit einem anderem Ladenlokal-Mieter führe er bereits seit längerem eine gerichtliche Auseinandersetzung, ein Gang durch die In­stanzen.

Der Mieter akzeptiere nicht, dass er mit Verweis auf Umsatzrückgänge nicht mir nichts, dir nichts im Alleingang die Miete kürzen könne. Neuhaus studiert aufmerksam einschlägige Exposés zum Einzelhandelsstandort Mülheim. Der Abwärtstrend bereitet ihm Bauchschmerzen. Zumal das Rieken-Haus an der kleinen Schloßstraße liegt, vis-à-vis zum Kaufhof, dessen Erscheinungsbild ein Graus ist.

"Jeder neue Umbau ist ein Störfaktor"

Down-Trading. Die Innenstadt wirtschaftet sich herab. Neuhaus sieht, wie etliche Innenstadt-Akteure, die Ursache hierfür in der Baupolitik der Stadt. Über Jahre nun schon jage eine Baustelle die nächste. „Jeder Umbau ist ein Störfaktor, für die Geschäfte ringsum mit einem wirtschaftlichen Nachteil verbunden“, beklagt er, dass „jedes Mal Mieter die Reduzierung der Miete wünschen. Dieser dauernde Umbau kostet uns einen Haufen Geld, bringt aber rein gar nichts.“ Hier stehe die Entwertung des Hauses, dort die Erhöhung der Grundsteuer. „Wäre ich jünger“, sagt Neuhaus, „würde ich prozessieren.“

Der 83-Jährige beklagt die Verkehrssituation, die Aufgabe des Stadtbades samt seniorengerechtem Angebot, Ruhrbania: Man sehe ja nun schon im Rohbau, welch Klotz dort auf Baufeld 1 platziert werde. Neuhaus prophezeit den Investoren leerstehende Wohnungen. „Die kriegt man doch nicht los“, blickt er auf die Seite, wo der Ruhrbania-Bau von Kondor Wessels ans Rathaus anschließt: „Die armen Leute, die dort wohnen sollen, gucken den ganzen Tag den Beamten ins Büro.“ Aus der einst versprochenen offenen Bauweise sei doch nichts geworden. Ruhrbania – „ein Plattenbau“.

Von den Plänen für ein neues Einkaufszentrum hält Neuhaus nichts

Zum Kaufhof, zu den mindestens vorerst gescheiterten Plänen für ein Einkaufszen­trum namens Ruhrbanium hat Neuhaus ebenfalls eine kritische Einstellung. Kein Investor der Welt werde sich finden, der durch Teilung der Immobilie einen Zugang zum Hafenbecken schaffe. Und wenn doch? Dann, so Neuhaus, sei die Frage, wie Flaneure über die Schollenstraße zu Ruhrbania rüberkommen sollen, „ohne totgefahren zu werden“. Der Verkehrsinfarkt dort zeige doch die Fehler der Verkehrsplanung auf...

Im Stadtlabor, das nächste Woche an der Leineweberstraße 15-17 Verbesserungsvorschläge von Bürgern für die Innenstadt verarbeiten will, möchte Neuhaus vorbeischauen. Eine rechte Idee, was er als Vertreter der Eigentümergemeinschaft des Rieken-Hauses zusteuern könnte, hat er (noch) nicht. Er schlägt der Stadt aber vor, ein oder zwei der drei U-Bahn-Eingänge in Stadtmitte dichtzumachen. Das spare Geld. Außerdem sei die Verkehrsführung zu überdenken.

 
 

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