Kunstdiebe transportierten in Mülheim tonnenschwere Lickfeld-Skulptur ab

Die Bronze-Skulptur „Der Bogenschütz“ von Hermann Lickfeld wurde Mittwochnacht offenbar von Metalldieben abtransportiert. Die Stadt Mülheim und die Polizei hoffen auf Hinweise von Zeugen. Foto: Stadt Mülheim
Die Bronze-Skulptur „Der Bogenschütz“ von Hermann Lickfeld wurde Mittwochnacht offenbar von Metalldieben abtransportiert. Die Stadt Mülheim und die Polizei hoffen auf Hinweise von Zeugen. Foto: Stadt Mülheim
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Mülheim. Die Stadt Mülheim meldet einen herben Verlust: Eine Bronze-Skulptur des Künstlers Hermann Lickfeld - Gewicht: eine Tonne - ist verschwunden. In Mülheim bauten Metalldiebe zuletzt sogar Klettergerüste ab und brachen Buchstaben aus Grabsteinen.

Fassungslos reagierte Rolf Schmidt, der wie jeden Morgen mit seinem Hund im Luisental spazieren ging und dort ins Leere blickte, wo seit Jahrzehnten eines der berühmtesten Kunstwerke Mülheims stand: Die Bronzestatue des Mülheimer Künstlers Hermann Lickfeld ist weg. Wieder ist ein Kunstwerk aus Metall gestohlen worden. „Der Verlust ist für uns enorm“, sagt Stadtsprecher Volker Wiebels. Auch im Rathaus reagierte man fassungslos auf die Tat.

Sie muss sich in der Nacht zum Mittwoch ereignet haben, und es müssen mehrere Täter gewesen sein. Die Statue wiegt über eine Tonne. Mit Hilfe eines Kranes müssen die Diebe sie auf einen Laster gehievt haben. Zurück blieb auf der Wiese gegenüber dem Wasserbahnhof nur der Steinsockel. „Wir hoffen, dass einer der Anwohner im Luisental etwas beobachtet hat und uns Hinweise geben kann“, sagt der Stadtsprecher. Und weil die Bronzestatue so mächtig ist, hofft man in der Stadtverwaltung auch, dass sich ein möglicher Käufer meldet – weil er vor dem Einschmelzen doch Bedenken bekommen könnte.

Die Stadt hat bei der Polizei Anzeige erstattet. Dort häufen sich Meldungen über derartige Diebstähle, seit Metalle zu immer höheren Preisen gehandelt werden. Rohre, Schienen, Abfallbehälter, Schilder, Kunstwerke – die Städte erleiden hohe Schäden. Allein in den vergangenen Wochen wurde die Stadt Mülheim mehrfach von Metalldieben heimgesucht:

Mit großer krimineller Energie und schwerem Gerät stahlen Unbekannte am Osterwochenende auf dem Kirchenhügel drei der vier Bronzeplatten, die neben dem Kortumbrunnen an der Petrikirche in den Boden eingelassen waren. Die Platten erinnerten an die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs sowie an jene Spender, die den Nachbau des Kortumbrunnens ermöglichten. Etwa 60 Kilo wiegt jede der Bronzeplatten. Bisher fehlt von den Tätern jede Spur.

Buchstaben aus Namen Verstorbener als Beute

Ebenfalls nachts kamen die Metalldiebe auf den Spielplatz am Stadthallengarten und bauten dort mehrere große Spielgeräte aus Edelmetall ab: eine Wasserwippe, ein Spieltisch und eine Regendusche. Sie galten weit und breit als Besonderheit. Auf rund 7500 Euro schätzt die Stadt dort den Materialschaden. Der ideelle Wert liegt auch hier weitaus höher. Die Spielgeräte waren zur Landesgartenschau vor 20 Jahren angefertigt worden.

Zum Problem entwickeln sich auch die Diebstähle auf Friedhöfen. Kam es in der Vergangenheit immer wieder mal zu Vandalismus, so wurden vor kurzem in Broich 77 Grabstätten nicht nur beschädigt, sondern von vielen Gräbern wurde alles, was aus Metall war, gestohlen. Sogar die Metallbuchstaben der Namen der Verstorbenen wurden bei einigen Grabsteinen herausgebrochen. Auf mindestens 10.000 Euro wird der Schaden in Broich beziffert.

Wie „gefragt“ Metallschrott ist, erfahren die Mülheimer Entsorgungsbetriebe inzwischen jede Woche auf ihren Touren. Fast 90 Prozent der Waschmaschinen und Herde, die von den Bürgern zum Recyceln abgegeben werden, verschwinden vom Straßenrand. Durch diesen Schrottklau gehen der Stadt wiederum Einnahmen verloren, was sich später bei der Müllgebühren-Berechnung zu Lasten der Bürger auswirken kann.

Kirchen mit Videoüberwachung

Auch die Kirchen sind zu Tatorten geworden. Ein goldenes Altarkreuz und zwei goldene Kerzenständer verschwanden in Saarn, wurden Tage später aber in einer Plastiktüte anonym wieder vor die Kirche gelegt. Dennoch haben viele Kirchen längst auf Diebstähle dieser Art reagiert, Videoanlagen eingebaut oder einen „Wachdienst“ mit Ehrenamtlichen eingerichtet.

Ein Vorbild für die Stadt? Wird sie ihre Kunstwerke nun bewachen lassen, wird die Polizei die Friedhöfe in den Blick nehmen? Nein. Man baut auf soziale Kontrolle. „Zum Glück“, so Wiebels, „liegen die meisten unserer öffentlichen Kunstwerke nicht so abseits.“ Mithilfe erhofft sich die Stadt auch deshalb von den Bürgern, weil es letztlich deren Werte sind, die gestohlen werden.

Zuletzt ließ in der Nachbarstadt Duisburg das Lehmbruck-Museum ein Dutzend seiner Skulpturen aus dem Stadtgebiet entfernen, weil Metalldiebe in der Stadt zuvor mehrere wertvolle Kunstwerke abgebaut hatten. Zuletzt entfernten Unbekannte vier Skulpturen im Businesspark Niederrhein. In Mülheim hatten Metall-Diebe am Oster-Wochenende drei schwere Bronzeplatten an der Petrikirche gestohlen.

 
 

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