Kunstaktion in Mülheim widmet sich dem Thema Asyl

Eine Installation - „Kategorie der Unwahrhaftigkeit" - der Künstlergruppe „Ruhrorter". Die Kunstaktion findet in einem Ladenlokal an der Schloßstraße , ehemals Woolworth, statt.
Eine Installation - „Kategorie der Unwahrhaftigkeit" - der Künstlergruppe „Ruhrorter". Die Kunstaktion findet in einem Ladenlokal an der Schloßstraße , ehemals Woolworth, statt.
Foto: Marcel Sroka
  • Projekt läuft im ehemaligen Woolworth-Gebäude an der Schloßstraße
  • Es geht darum, wie Flüchtlinge die deutsche Bürokratie erleben
  • Die Künstlergruppe „Ruhrorter“ lässt Flüchtlinge dabei zu Wort kommen

Mülheim.. Hinter einem großen weißen Leinenvorhang, der wie eine unpassierbare Mauer wirkt, sieht man Licht. Dazu hört man Stimmen: auf Englisch, Arabisch und Französisch. Die Stimmen stammen von Geflüchteten. Leise, aber bestimmt erzählen sie von ihrer Flucht und den Ursachen. Auch ein Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist zu hören. Er spricht über das Prozedere in Asylverfahren und dass jeder Antrag auf „Plausibilität“ geprüft wird. Nach wenigen Minuten wird der Vorhang dann vollends eingesaugt und verschwindet hinter einer Mauer. Der Weg scheint nun frei zu sein für die Geflüchteten in ihrer neuen Heimat und für die etwa 30 Gäste des Theaterprojektes „Ruhrorter“ im ehemaligen Woolworth-Gebäude an der Schloßstraße 35 in der Innenstadt.

Junge Theatermacher und geflüchtete Künstler

„Kategorien der Unwahrhaftigkeit“ des Theaterprojektes „Ruhrorter“ – 2012 im Geiste des Theater an der Ruhr gegründet und maßgeblich von jungen Theatermachern und geflüchteten Künstlern aus der ganzen Welt getragen – beschäftigt sich auf drei Etagen mit dem Thema Flucht, Vertreibung und geht dabei der Frage der Verwaltung in Asylverfahren auf den Grund. Das poetisch rekonstruierte Zusammenspiel von Bürokratie auf der einen Seite und den Erlebnissen der Geflüchteten auf der anderen Seite wird durch zahlreiche entfremdende Installationen, spannende Dokumente sowie authentische Ton- und Bildaufnahmen von Geflüchteten plastisch dargestellt. Die jungen Theatermacher und Künstler aus dem Iran, Irak, Syrien und Nigeria schaffen eindrucksvoll das Leben der Geflüchteten und die starre Verwaltung künstlerisch aufzuarbeiten und dem Ganzen eine persönlich künstlerische Note zu verleihen.

„Der Besucher soll einen ganz individuellen Zugang zu dem Themenkomplex Biografie und Bürokratie bekommen und sich informieren. Im besten Fall soll er nachdenklich nach Hause gehen“, erklärt „Ruhrorter“ Wanja van Suntum.

Alltag in einer deutschen Behörde

Immer wieder sieht man leblos und karg anmutende Räume, alte, grässliche „Verwaltungsgegenstände“ wie Möbel, Schreibmaschinen und Tische, die vom Alltag in einer deutschen Behörde zeugen. In einer Etage riecht es gar nach verbranntem Müll, und in einem Raum steht eine verdreckte Badewanne und ein defektes Klo. Und stetig sind die Stimmen der Protagonisten, der Geflüchteten zu hören. Es herrscht eine kalte, befremdliche Atmosphäre. Ein wenig unwahr für den Normalbürger, der mit dem Thema oft nicht in Berührung kommt.

Da berichtet ein über den größten Friedhof zwischen Europa und Afrika geflüchteter Somali, wie er in Paris ankam und dann nach Deutschland kam. Und darüber, wie er mit den deutschen Behörden zu kämpfen hatte und dass sein Asylantrag abgelehnt wurde. Ein ganz normaler Alltag in Deutschland.

Die Installation – noch bis Oktober übrigens zu sehen – nimmt keine Stellung. Sie zeigt aber deutlich, wie schwer es für Geflüchtete ist, sich mit der Behördenwelt samt einem „Bürokratiemonster“ namens Verwaltungsapparat auseinanderzusetzen. Aber auch, dass es in Deutschland noch vergleichsweise gut funktioniert und die Menschen eben nicht, wie vielfach kritisiert, wie bloße Fälle behandelt werden. Eine arabische Frauenstimme lobt gar die deutschen Behörden.

 

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