Kulturloge ermöglicht Kultur für alle

Steffen Tost

Kultur muss man sich leisten können, denn Karten zu Veranstaltungen kosten meist viel, zumal, wenn Kultureinrichtungen zunehmend gezwungen sind, kostendeckend zu kalkulieren und Subventionen knapp bemessen sind. Bei vielen Veranstaltungen, ob im Theater, im Kino, bei Konzerten oder Kabarett bleiben aber immer wieder Plätze frei und es gibt viele Menschen, die diese Plätze gerne einnehmen würden, ihnen aber das Geld für die Eintrittskarte fehlt. Gut, dass es die Kulturloge gibt.

In Mülheim, inzwischen über zwei Jahre in diesem Netzwerk dabei, scheint es mit dem Teufel zuzugehen: In den vergangenen zwölf Monaten wurden genau 666 Eintrittskarten von den Kultureinrichtungen vermittelt. Dabei macht die MST ebenso mit wie der Ringlokschuppen und das Kunstmuseum.

Stadtgrenzen kennt die Kulturloge nicht, hat vom ersten Tag das Ruhrgebiet als Kulturraum begriffen und überregional vermittelt. So können alle von den kulturellen Highlights profitieren, Kartenkontingente gibt es von den Ruhrfestspielen ebenso wie vom Klavierfestival Ruhr, den Mülheimer Stücken und der Ruhrtriennale. „Aber unsere Gäste müssen sich die Fahrt zum Veranstaltungsort auch leisten können“, sagt Renate Vetter, die das nur dreiköpfige Mülheimer Team leitet.

Oft hören sie dann auch, wie begeistert die Kulturgäste von den Veranstaltungen sind. „Das Schöne ist, dass man sich kennenlernt und genau weiß, was die Menschen mögen.“ 100 Menschen sind derzeit registriert. Viele von ihnen sind Senioren mit einer schmalen Rente. Vetter ist davon überzeugt, dass es mehr Kulturgäste sein könnten, das Angebot nur noch nicht ausreichend bekannt sei. Sie weiß auch von vielen Gesprächen, dass es Befürchtungen und Hemmungen gibt. Die Gäste seien unsicher, ob sie die richtige Garderobe haben oder denken, dass sie als Sozialhilfeempfänger erkannt werden. An der Kasse funktioniert es aber ganz diskret. Dort muss sich niemand ausweisen.

Auch über eine Verstärkung ihres Teams würde sie sich freuen. „Telefonieren und Veranstaltungen vermitteln ist unsere Hauptaufgabe“, erzählt sie, deshalb sollte man sich auch etwas in der Kulturlandschaft auskennen.

Was Vetter besonders freut: Zum Geburtstag macht das Theater an der Ruhr der Kulturloge ein besonderes Geschenk. Es schenkt ihr eine Märchenaufführung mit Maria Neumann, die in den nächsten Tagen für die Gäste der Kulturloge „Schneewittchen“ spielt. 80 Plätze sind schon vergeben.

Das Angebot in Mülheim ist bereits vielfältig. Wer bislang allerdings noch nicht mitmacht, sind ausgerechnet die beiden Kirchen mit ihren Konzertprogrammen.