Kulturaustausch mit Kfar Saba

Partnerstädte dürfen nicht nur reine Formalität sein, es muss auch einen lebendigen Austausch geben. Einen Kontakt zwischen den lokalen Künstlern und israelischen Künstlern in der Partnerstadt Kfar Saba hat es bislang noch nicht gegeben. Das möchte Heiner Schmitz ändern. Er stellt sich dabei aber auch mehr als nur eine Ausstellung von Künstlern aus der israelischen Partnerstadt vor.

Seit einigen Jahren schon hat der 75-jährige Fotograf diese Idee und mit Amnon Tishler auch einen Mitstreiter in Israel gefunden, der diese Idee unterstützt. Bei einer Israel-Reise vor drei Jahren haben sich die beiden kennen gelernt und stehen seitdem im intensiven Kontakt. In der vergangenen Woche ist der 66-Jährige Grafiker nach Mülheim gekommen. Schmitz hat mit ihm in einigen Musseen der Region die laufende Großausstellung China8 besucht, aber ihm auch einige Kollegen in ihren Ateliers vorgestellt, unter anderem seine AnDer-Kollegen Ursula Vehar, Dore O. und Uwe-Dieter Bleil, aber auch Imre Videk. Gemeinsam haben sie auch den Galeristen Gerold Hamé besucht, um mit ihm Details für eine Mitte Oktober geplante Ausstellung zu besprechen. Dafür bieten sich die Räume an der Schloßstraße an, die mit 380 Quadratmetern auf unterschiedlichen Ebenen auch reichlich Platz bieten. Das Interesse der israelischen Künstler, sich in Mülheim zu präsentieren, ist groß. Es gibt dort einen Künstlerverein, der etwa so groß ist wie die Mülheimer Arbeitsgemeinschaft. Die Mitglieder sind zwischen 34 und 80 Jahre alt. Von denen haben bereits 22 signalisiert, mitzumachen. Davon sollen dann vielleicht sechs bis sieben ausgewählt und eingeladen werden. Tishler hat elektronisch gespeicherte Arbeitsproben seiner Kollegen mitgebracht. Gemeinsam mit Hamé, der sich auf Judaistik und Exilkunst spezialisiert hat, werden die Werke gesichtet und ausgewählt. Schmitz rechnet damit, dass auch drei, vier Künstler nach Mülheim zur Ausstellungseröffnung kommen. Sie sollen nicht nur aus Kostengründen bei anderen Künstlern untergebracht werden. Es soll auch ein persönlicher und künstlerischer Austausch entstehen, so wie zwischen Schmitz und Tishler. Einige Mülheimer Künstler haben schon ihre Bereitschaft dazu signalisiert.

Gezeigt werden sollen im Wesentlichen Arbeiten auf Papier und möglichst auch ein Künstler, der skulptural arbeitet. Das hat Kostengründe. Der Aufwand für Transport und Versicherung ist immens. Und um diesen kulturellen Austausch realisieren zu können, ist auch dringend die Unterstützung durch Sponsoren notwendig. Schmitz will deshalb bei Institutionen und Gruppen wie den Rotariern vorsprechen.

Die Ausstellung soll die gegenwärtige Kunstströmung in Israel repräsentieren. Da Kfar Saba so nah an der Mauer und der Westbank liegt, könnte man politische Arbeiten vermuten. Das sind sie aber nicht, zumindest nicht auf den ersten Blick. Viele reflektieren darin ihr eigenes Leben. Wenn es politisch werde, dann subtil und ausgedrückt durch Metaphern, wie etwa bei dem jüngst verstorbenen israelischen Maler Menashe Kadishman, für den das Schaf ein wichtiges Symbol war.

Parallel laufen auch Planungen, die Ausstellung Stille Post nach Israel zu bringen. An diesem Arbeitskonzept hat sich ein gutes Dutzend Mülheimer Künstler beteiligt – unter anderem auch Barbara Schöttle, Peter Flach, Eberhard Ross und Max Schulz. Aber das ist dann schon der nächste Schritt.

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