Kultur-Haltestelle „Eichbaumgold“

Kurator Markus Ambach, Martin Pfeifle und Wanda Sebastian (v.l.).
Kurator Markus Ambach, Martin Pfeifle und Wanda Sebastian (v.l.).
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim.. Die noch fehlenden Buchstaben A und U bei „Eichbaum“ sehen aus, als wären Zacken aus der Krone gebrochen, weil die Architektur aus Übersee-Containern jetzt gülden wie ein kleiner Tempel daherkommt. Von der A 40 aus könnte man auch einen Goldbarren ausmachen.

Der Schriftzug soll in diesen Tagen nicht nur ergänzt, sondern erweitert werden in „Eichbaumgold“. So ist das weit sichtbare kommunikative Kunstwerk an der Haltestelle der U 18 jetzt an das Projekt der Ruhr.2010 „B1/A40 – die Schönheit der großen Straße“ angedockt. Die erfolgreiche Ausstellung des Kulturhauptstadtjahres wird von „Urbane Künste Ruhr“ als Forschungsprojekt von Duisburg bis Dortmund ab Herbst 2014 fortgesetzt. Dafür ist die Haltestelle „Eichbaum“ quasi ein Vorläufer.

"Ich finde es spannend, die Frage der Nachhaltigkeit zu stellen"

Dafür steigen die Bildhauerin Wanda Sebastian und ihr Kollege Martin Pfeifle dem heruntergekommenen Container aufs Dach und verleihen ihm rundum mit etwa 50 Dosen Goldspray und einem sanften Schimmer eine neue Wertigkeit, die bis auf die Haltestelle ausstrahlen soll. Einen großen Bahnhof wird es am Samstag, 10. August, 18.30 Uhr, geben, wenn das Kunstwerk mit einer Soundinstallation der beiden Musiker Stefan Schneider und Sven Kacirek im Rahmen von zwei Aktionstagen eröffnet und vorgestellt wird.

Damit nimmt die Haltestelle Eichbaum mit der bereits bestehenden Architektur von „Raumlabor Berlin“ nach der spektakulären Eichbaum-Oper in 2009 und weiteren künstlerischen Aktionen einen zweiten Anlauf, um sich durchzusetzen. Diesmal stellt sich Kurator Markus Ambach der Herausforderung, die Vielfalt des Lebensraumes entlang der A 40 erlebbar zu machen. „Ich finde es spannend, die Frage der Nachhaltigkeit zu stellen“, sagt Ambach. Gerade deshalb wolle man ja die Forschungs- und Recherchephase einleiten. Kunst- und Kulturprojekte an der Schnittstelle zur Stadt- und Verkehrsplanung: „Werden Sie tatsächlich von den Menschen vor Ort weitergetragen oder brauchen sie dauerhaft Input aus der Kunstszene“, fragt sich Ambach, dem aber auch klar ist: „Wenn sie von Anwohnern später nicht übernommen werden, dann kann man sie auch nicht halten.“

Mit dem „Eichbaumgold“ nimmt die Haltestelle nun einen neuen hoffnungsvollen Aufschwung als ein kreativer Pol und Treffpunkt im Stadtgebiet. Keine aufgestülpte Hochkultur von außen verfolgt Markus Ambach, sondern „Kultur an unkultivierten Orten“. So soll die Musikszene des Ruhrgebietes ein weiteres Forschungsfeld werden. Wenngleich die Eichbaum-Oper ein reizvolles Projekt war, so klingt es an der U-Bahn-Haltestelle jedoch eher etwas rauer nach Independence, Metal und elektronischer Musik – besonders für junge Bands soll der Ort künftig Treffpunkt werden. Punk im goldenen Container.

Vom Angstraum zum angesagten Ort

Das Team um Matthias Rick von „Raumlabor Berlin“ hat die Eichbaum-Architektur realisiert. 2007 lief dort das erste Projekt der (U)topie 18 mit Fahrten durch das Ruhrgebiet. Es folgt 2009 die temporäre Eichbaum-Oper und deren überregionale Wahrnehmung in Magazinen und Kultursendungen. Mit all dem Rückenwind hatte sich der Ort zum Treffpunkt im Stadtteil entwickelt. Bewohner engagierten sich.

Es gab Kino, Kurse mit Anwohnern, Konzerte,Graffiti-Workshops, Grillabende, Boxen im Ring, Rap-Battle und vieles mehr. Architekt Matthias Rick hatte gerade seine Umbau-Idee zum Eichbaum-Park präsentiert, als er plötzlich und unerwartet starb.

Mit dem umtriebigen und kreativen Planer ging auch ein Motor verloren. Der Ringlokschuppen hatte das Projekt mit Raumlabor Berlin einst angeschoben und ist auch diesmal wieder bei den Urbanen Künsten mit im Boot, wie auch die Stadt. „Es ist nur zu begrüßen, dass die Haltestelle Eichbaum im Rahmen des Straßenprojektes B1/A40 wieder eine künstlerische Rolle spielt“, freut sich Holger Bergmann, Künstlerischer Leiter des Ringlokschuppens. Damit bleibe auch die Arbeit von Matthias Rick und Raumlabor Berlin weiterhin präsent. Zwischendurch gab es auch Stimmen, die den Abbruch der Container forderten. „Es ist gut, nicht so schnell aufzustecken“, so Bergmann: „Veränderungen brauchen ihre Zeit.“

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