Künstler fühlen sich übergangen

Steffen Tost
Jan Ehlen, hier mit einem seiner Objekte, zählt zu den mit dem Preis des Kunstvereins prämierten Mülheimer Künstler.
Jan Ehlen, hier mit einem seiner Objekte, zählt zu den mit dem Preis des Kunstvereins prämierten Mülheimer Künstler.
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Die Jahresausstellung soll nur noch im Zwei-Jahres-Rhythmus präsentiert werden. Der Kunstverein möchte die Ausstellung und den Preis ein größeres Gewicht geben. Das darf nicht zum Nachteil der Mülheimer Künstler werden, fordern Imre Videk und Eberhard Ross.

Mülheim. Die Mülheimer Künstler sind empört, enttäuscht und verärgert. Die Jahresausstellung, einer der größten Publikumsmagneten im Ausstellungskalender des Kunstmuseums, soll künftig nur noch alle zwei Jahre gezeigt werden. Gleichzeitig sollen weitere Künstler aus den Städten der Ruhrkunstmuseen präsentiert und das Preisgeld für den prämierten Künstler von 2000 auf 5000 Euro erhöht werden.

„Wir wollen der Ausstellung und dem Preis mehr Gewicht verleihen“, erklärte auf NRZ-Anfrage Hans-Jürgen Bolz, stellvertretender Vorsitzender des Kunstvereins, der dies jüngst auf einer Vorstandssitzung beschlossen hatte. Näheres wolle er erst in der kommenden Woche mitteilen. Dem Vorstand gehört auch Museumschefin Beate Reese an. Der Beschluss sollte geheim bleiben, wurde dann aber doch öffentlich.

Qualität habe sich verbessert

Grundsätzlich begrüßen es die Künstler, dass der Kunstverein aus seinem Dornröschenschlaf erwacht ist, sich mit eigenen Ausstellungen engagieren und der Jahresausstellung mehr Gewicht verleihen möchte. „Aber das darf nicht zu unseren Lasten gehen“, sagen sie. An der Qualität der Jahresausstellung hat auch Eberhard Ross gearbeitet, der bis vor kurzem Sprecher der Mülheimer Künstler war.

Die Qualität der Ausstellung, die vor einigen Jahren nicht immer durchgängig befriedigte, „sei ohne Zweifel besser geworden“. Gerne würde er das Ausstellungsprofil noch weiter schärfen, damit es junge Künstler auch als Sprungbrett nutzen können. Jahresausstellungen gibt es inzwischen seit 85 Jahren. Das sei im Ruhrgebiet einzigartig.

Hinterzimmer-Mentalität

Was ihn vor allem stört, ist, dass nicht mit, sondern über die Künstler gesprochen wurde und dann auch noch in typischer Hinterzimmermentalität entschieden worden sei. „Schlechte Kinderstube“, sagt er. Offiziell sind die Künstler nach wie vor ahnungslos. Wenn man stärker Künstler aus den Städten der anderen Ruhrkunstmuseen nach Mülheim bringen möchte, sollte man auch im Gegenzug die Mülheimer Künstler in den anderen Städten präsentieren, aber daran sei nicht gedacht, so Imre Videk, der amtierende Sprecher. Er bedauert, dass schon in diesem Jahr weniger Platz für die Jahresausstellung zur Verfügung stand, weil parallel die Pankok-Ausstellung zu sehen war. Die Entscheidung wollen die Künstler nicht unwidersprochen hinnehmen und einen Protestbrief schreiben. „Wir müssen Beate Reese daran erinnern, dass es ohne den massiven Protest der Künstler in den 90er Jahren, heute kein Kunstmuseum gebe“, sagt Heiner Schmitz, denn vor dem Umzug in die Alte Post stand das Museum zur Disposition.

Ross ist an einer Konfrontation nicht gelegen, er will alle Seiten zu einem Gespräch an einen Tisch bringen, damit alle gemeinsam die positive Entwicklung des Museums unterstützen. Dazu zähle auch eine engere Kooperation von Förderkreis und Kunstverein, was aufgrund persönlicher Animositäten früher nicht möglich gewesen sei.