Konflikt um Lärmbelästigung durch Helikopter-Flüge dauert an

Ein Hubschrauber im Anflug: Zuletzt ging die Zahl der Starts und Landungen in Mülheim zurück.
Ein Hubschrauber im Anflug: Zuletzt ging die Zahl der Starts und Landungen in Mülheim zurück.
Foto: Oliver Müller NRZ
Beschwerden über Dauerbeschallung am Wochenende. Flughafen hat keine Möglichkeit, Flüge zu verbieten. Der Unternehmer hält die Klagen für übertrieben.

Mülheim. Der Winter geht, und bei den Anwohnern am Flugplatz wächst die Angst vor starkem Lärm durch Hubschrauber-Rundflüge, gerade an den Wochenenden. „Am letzten Wochenende“, beklagt ein Anwohner, „gab es von 10 bis 17 Uhr nahezu non-stop Helikopterverkehr.“ Rund 200 Flüge hat er dabei errechnet und urteilt wie seine Nachbarn: unzumutbar am Wochenende! „Nervtötendes Geräusch. Wenn das so weitergeht, wird der Sommer wieder zum Alptraum“, heißt es in einer anderen Beschwerde.

Das Netzwerk Mülheimer Bürger gegen Fluglärm fordert die Politik auf, ein eindeutiges politisches Signal zum Verbot dieser Flüge zu setzen. „Die Hubschrauberfirmen haben von ihrer freiwilligen Verpflichtung, an Sonn- und Feiertagen in der Mittagszeit keine Flüge zu absolvieren, Abstand genommen“, kritisiert der Sprecher des Netzwerkes, Waldemar Nowack.

„Wir halten uns nach wie vor an die Mittagszeiten"

Der größte Anbieter von Hubschrauber-Rundflügen ist das Flugunternehmen Aveo. Deren Geschäftsführer Dietmar Rieß widerspricht den Beschwerden: „Wir halten uns nach wie vor an die Mittagszeiten, es sei denn, im dunklen Winter gibt es geschäftliche Verpflichtungen, die die Einschränkung nicht zulassen.“ Auch die geänderten Flugrouten, die Anwohner vor zu großem Lärm schützen sollen, halte man ein. Rieß ist davon überzeugt, dass das Problem längst nicht so groß ist, wie in der Öffentlichkeit diskutiert: „Es sind bei der Bezirksregierung in 18 Monaten nur 20 Beschwerden über Fluglärm eingegangen.“ Angesichts von fast 75 000 Flugbewegungen insgesamt in der Zeit sei das lächerlich wenig.

Das Netzwerk sieht das völlig anders: Längst nicht jeder beschwere sich direkt bei der Bezirksregierung. Außerdem, so Nowack, würden Beschwerdeführer dort häufig auch wiederholt „abgeblockt“.

Zahl der Hubschrauber-Flüge im vergangenen Jahr leicht rückläufig

Wie aus der jüngsten Sitzung der Lärmschutz-Kommission zu erfahren war, ist die Zahl der Hubschrauber-Flüge im vergangenen Jahr von rund 5800 auf 5000 zurückgegangen, die reinen Rundflüge von 2400 auf 2200. Ein Grund sei die Nachfrage an anderen Flugplätzen, so Rieß. Die Flüge zu verbieten, sagt Wolfgang Sauerland von der Flugplatz-Verwaltung, sei nicht möglich. „Wir sind ein öffentlicher Platz und dürfen gar nicht eingreifen.“ Was die Störungen in der Mittagszeit angehe, könne er immer wieder nur an die Firmen appellieren – was er tue.

In der Bürgerschaft verstehen viele nicht, warum die Sonntagsruhe und die Lärmschutzverordnung für Hubschrauber nicht gelten. Der Grund: Sie sind in der Landeplatz-Lärmschutzverordnung aus den 90er Jahren nicht drin: Da diese Maschinen keine Möglichkeiten haben, ihren Lärm zu reduzieren, nahm der Bund sie von den Einschränkungen aus. Die Schutzgemeinschaft Fluglärm aus Essen hat beim Verwaltungsgericht Klage dagegen eingereicht. Mit der Verhandlung wird im Herbst gerechnet. Danach könnte es ruhiger werden.

 
 

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