Kölner Straße ist die Schlagader des Südens

n der Caravanmeile in Mülheims Süden machen die Händler nach Verbandsangaben jährlich 40 bis 50Millionen Euro Umsatz.. Foto: Lars Fröhlich/WAZ FotoPool
n der Caravanmeile in Mülheims Süden machen die Händler nach Verbandsangaben jährlich 40 bis 50Millionen Euro Umsatz.. Foto: Lars Fröhlich/WAZ FotoPool
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So viel ist klar: Auf der Kölner Straße gibt es von allem etwas, und davon meist eine ganze Menge. Die 7,4 Kilometer lange Straße, 5,5 Kilometer davon in Mülheim, wird am Tag von bis zu 26 000 Autos befahren.

Damit gehört das Stück der alten B1 zu den drei meist befahrenen Straßen der Stadt. Nur die Konrad-Adenauer-Brücke und die Mellinghofer Straße kommen in den Spitzen auf mehr.

Bei einer anderen Sache ist die Kölner Straße nicht nur Spitze in Mülheim, sondern in ganz Europa: Bei mehr als 15 verschiedenen Anbietern von fahrbaren Wohnungen findet der Caravan-Liebhaber zwischen der Straßburger Allee und dem Autobahn-Kreuz Breitscheid alles, was das sein Herz begehrt. Damit ist die Straße laut Aussage des Deutschen Caravan Handelsverbandes (DCHV) die längste Caravanmeile des Kontinents.

Laut einer Studie erziele die Branche allein an der Kölner Straße einen Umsatz zwischen 40 und 50 Millionen Euro jährlich, so Präsidiumsmitglied des DCHV und Eigentümer des Hymer-Zentrums B1, Kai Dhonau. Und die Geschäfte seien trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten recht stabil.

Da versteht es sich von selbst, dass auch andere ansässige Unternehmen von der Branche profitieren. Tobias Reimann, Geschäftsführer des Solarunternehmens „Soltec Solar“, bringt daher die Solarzellen nicht nur auf das Haus oder auf die Scheune, sondern auch aufs Wohnmobil. Immerhin sei die unabhängige Energiegewinnung gerade für den Caravan interessant, so Reimann.

Doch nicht nur sein Geschäft liegt direkt an der pulsierenden Schlagader des Südens. Er selbst wohnt unmittelbar neben dem Familienbetrieb. „Klar, fürs Gemüt ist die Straße nicht immer gut, für das Geschäft schon besser“, so Reimann. „Viele kennen uns nur, weil sie schon so oft hier vorbeigefahren sind.“

Steht die Solarenergie für die Zukunft, ist eines der bekanntesten Geschäfte an der Kölner Straße so gut wie zeitlos. Bereits in der sechsten Generation wird der Selbecker Laden „Plönes“ geführt. Die Produktpalette des Eisenwaren- und Haustechnik-Ladens ist dabei beinahe legendär. „Bei uns gibt es alles, vom Bleistift bis zum Rasenmäher“, erzählt Annette Plönes.

So existiert ein Satz, der in Selbeck und Umgebung keine Seltenheit ist. „Frag mal bei Plönes, die haben doch fast alles!“ Und das schon seit mehr als 100 Jahren. „Da hat sich schon einiges geändert. Ohne die Ampel, die es früher nicht gegeben hat, könnten hier Kinder ja heute nicht mehr über die Straße“, so Annette Plönes.

Endlich ohne Baustelle

Nicht alles, aber vieles gibt es ein paar hundert Meter weiter Richtung Norden, am Imbiss von Bertholdt und Ludwig Brach. Wer morgens einen Kaffee braucht oder mittags ein Mettbrötchen, der ist hier schon ab halb sieben an der richtigen Stelle. „Alles mache ich hier frisch“, erzählt Bertholdt Brach. Und das selbstverständlich für jeden Kunden. „Ob mit dem Schrotti-Laster oder mit eigenem Chauffeur“ – an ihrem Imbiss halte früher oder später jeder einmal.

Eine Freude hatten viele Geschäftsleute und Anwohner gemein: Dass die Baustelle endlich der Vergangenheit angehört. „Die Baustelle war wirklich eine Katastrophe. Ich kann mich erinnern, dass mich ein Stammkunde von McDonalds angerufen hat, um eine Bestellung aufzugeben. Bis er hier war, waren fast 90 Minuten rum“, erzählt Brach.

Apropos McDonalds. Schon seit 1989 ist die größte Mülheimer Filiale des weltbekannten Burgerrestaurants fester Bestandteil der heutigen Kölner Straße, die im Übrigen nach ihrem Bau im Jahr 1822 zunächst Kunststraße von Düsseldorf hieß. Ob morgens um 8 oder nachts um 2 Uhr: Wenn man auf der Straße Leben sucht, ist man dort an der richtigen Stelle.

Noch älter als die Straße selbst ist das fast 800 Jahre alte Saarner Kloster, welches zugleich einen der nördlichsten Punkte der Straße markiert.

Doch auch wahre Exoten haben an der Kölner Straße ihr Zuhause. Seit Mai wird das Reptilien-Fachgeschäft Terra Royal von Jennifer Baltes geführt. Seitdem arbeitet auch der 19-jährige Marwin Persy in dem etwas anderen Laden. Doch extreme Exoten wie Giftschlangen oder Affen, die es noch zu Zeiten des vormaligen Inhabers gegeben hatte, sucht man dort heute vergeblich. „Wir verkaufen hier so etwas nicht. Unsere Spezialität sind wirbellose Tiere“, erklärt Persy. Das sind in der Regel Vogelspinnen, Stabheuschrecken und Skorpione. „Wir haben zudem ausschließlich Tiere aus der Nachzucht, also keine Wildfänge.“

Wer bereits ein exotisches Tier sein Eigen nennt, kann dennoch auf das Team zurückgreifen. Sei es in Sachen Futter, Terrarien oder als eine Art exotische Pension. Denn wer Probleme hat, seine Freunde oder Verwandten als Skorpion- oder Spinnenhüter einzuspannen, kann das Tier für die Zeit des Urlaubs an der Kölner Straße lassen. Dennoch sollte jede Anschaffung gut überlegt sein. „Wir probieren jedem zu erklären, was es heißt, so ein Tier zu besitzen. Immerhin können Vogelspinnen bis zu 30 Jahre alt werden“, so Persy.

Wie man sieht, ist auf der Kölner Straße immer was los.

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