Kleinkunst vor zauberhafter Mülheimer Kulisse

Zauberer Mika demonstrierte mit einigen Kinder, dass die Kunst der Illusion gar nicht so schwer ist.
Zauberer Mika demonstrierte mit einigen Kinder, dass die Kunst der Illusion gar nicht so schwer ist.
Foto: Oliver Müller
  • Arbeit der Regler kommt an.
  • Passe-Pieds begeisterten, indem sie Akrobatik mit Comedy paarten.
  • Handwerkermarkt der Kreativen wird wiederholt.

Mülheim.. Der Ort ist einfach eine Wucht, vor allem seitdem die Regler das wuchernde Grün erneut zurückgeschnitten haben. Wenn der bloße, kantige Stein noch so imposant ins Licht gesetzt wird, dann möchte man am liebsten keinen Termin auf der großen Bühne der Freilichtbühne vermissen. Aber auch die andere Perspektive scheint bestechend: „It’s amazing“, schwärmte Gitarrist Roy, nachdem er mit seinem Partner, dem biederen Berufsberater Bert an den Drums, die über tausend Zuschauer zuerst zur Welle und später zum verträumten Tanzen mit dem Nachbarn animiert hatte. La Signora zieht eben. Aber auch der Samstag, der dritte Tag des Stage Festivals, war nicht viel schwächer besucht. Die Freilichtbühne lockt also eine Masse, die vor einige Jahren so noch nicht für möglich gehalten wurde, so dass man sich über die Früchte der Jahre währenden Aufbauarbeit der Regler freuen und ihnen dazu gratulieren kann.

Familiäre Atmosphäre

Es ist nicht nur das Programm, das das Publikum lockt, sondern auch die Gewissheit, hier in familiärer Atmosphäre eine schöne Zeit zu verbringen. Der erste Handwerkermarkt der 17 Mülheimer Kreativen, von Töpferarbeiten von Ernst-Gerd Klucken bis zu Fotos von Oliver Hilterhaus, war da eine gelungene Zurückhaltung. Die Waren stießen auf Interesse, einige Händler hätten sich wohl gewünscht, dass auch noch mehr gekauft worden wäre, aber der Markt wird sich wohl auch erst in der Wiederholung bewähren. Und dass es zu weiteren Märkten kommt, ist für die Kreativen schon entschieden, wie Uta Siemer versichert.

Absoluter Höhepunkt der Tage war das internationale Akrobaten-Trio Passe-Pieds; sie arbeiteten am Trapez. Yolaine Dooms ist zwar ein Fliegengewicht und Eva Schubach ein Kraftpaket. Bei dem, was die beiden in schwindelerregender Höhe tun, stockt einem aber regelmäßig der Atem und man bangt, ob beim Salto die Akrobatin den Fuß ihrer Kollegin zu fassen bekommt, was dann nie ein Problem ist. Wenn die Kleine dann zum Verdruss ihrer Partnerinnen mit einem älteren Herrn aus dem Publikum anzubandeln versucht und Küsse verteilt, deren Spuren dann rasch mit Spucke zu entfernen sind, zeigt sich das Trio von seiner komödiantischen Seite. Kurz, unbedingt empfehlenswert.

„Mein Internet sagt einen trockenen Abend voraus.“

Wenn Programmmacher Gert Rudolph mit der Glocke zwischen Markt, Imbiss und Theke zum nächsten Akt bittet, erinnert das in sympathischer Weise an Theater. Als am Samstag finstere Wolken drohten, sollte sich seine Prognose, von ein paar Tropfen abgesehen, als richtig erweisen: „Mein Internet sagt einen trockenen Abend voraus.“ Es gelang ihm auch, für einen kurzfristig erkrankten Künstler mit Matthias Reuter mindestens ebenbürtigen Ersatz zu verpflichten.

Reuter erklärt uns gelungene Integration am Beispiel des Bottroper Chinesen Gerd und bewährt sich als Versicherungsvertreter. Was tun, wenn der rasende Autofahrer, der einen Radfahrer zu Fall gebracht hat, mit seiner Rechtsschutzversicherung droht? Man schließt seinerseits zuvor besser eine Zahnzusatzversicherung ab, dann könne die Auseinandersetzung auch schon nonverbal eskalieren.

La Signora lockt vor allem reifere Frauen, erweist sich wie erwartet als ebenso schlagfertig wie energiegeladen, aktualisiert als gebürtige Alstadenerin die alte Rivalität mit Mülheim und findet in ihrem steifen Gouvernanten-Kleid mit der Pasta das passende Bild zur ersehnten Liebe. Das Publikum tobt.

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