Kirchen setzen aus Angst vor Vandalismus auf Wachpersonal

Bettina Kutzner
Horst Frostmann ist einer der Ehrenamtlichen aus der Gemeinde, der in St. Mariä Geburt auf dem Kirchenhügel nach dem Rechten sieht.
Horst Frostmann ist einer der Ehrenamtlichen aus der Gemeinde, der in St. Mariä Geburt auf dem Kirchenhügel nach dem Rechten sieht.
Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ
Schlechte Erfahrungen mit Vandalismus und Diebstahl haben die Mülheimer Gemeinden vorsichtig werden lassen. Immer wieder hatten unbeobachtete Besucher Gegenstände entwendet und die Wände mit Graffiti beschmiert. Jetzt gibt es feste Öffnungszeiten für die Gotteshäuser und ehrenamtliches Wachpersonal.

Mülheim. Wer eine Kirche außerhalb der Gottesdienstzeiten besuchen möchte, für ein stilles Gebet oder aus architektonischem Interesse, der muss sich an die Öffnungszeiten halten. Das war, vor vielen Jahren, mal anders, doch bittere Erfahrungen mit Vandalismus und Diebstahl haben die Gemeinden vorsichtig werden lassen. Die liturgischen Gegenstände sind nicht immer verschlossen – das nutzten Diebe vor einiger Zeit in Mintard, nahmen Kreuz und Kerzenständer aus der Dorfkirche mit.

In Kirchen brennen Kerzen, vieles ist aus Holz, da kommen manche auf dumme Gedanken. So gibt es in der Pfarrei Himmelfahrt in St. Michael (Speldorf) eine „Kirchenwache“, seit dem dort vor einigen Jahren eine Bank brannte: Ehrenamtliche schauen dort montags bis freitags von 15 bis 17 Uhr nach dem Rechten. Ebenso ist es in St. Mariae Geburt auf dem Kirchenhügel, wo Helfer aus der Gemeinde nach dem Gottesdienst um 9 Uhr bis etwa 16 Uhr am Nachmittag aufpassen.

Nur noch zu den Gottesdiensten geöffnet

Die Filialkirche Heilig Geist in Holthausen ist nur noch zu den Gottesdiensten geöffnet. Dort wurde gar schon einmal campiert und gekocht. Pastor Markus Kerner in St. Joseph in Heißen bedauert, dass man Kirchen nicht mehr durchgehend geöffnet lassen kann, „weil die Gefahr besteht, dass Unfug getrieben wird.“ Graffitischmierer machen, so Kerners Erfahrung, auch vor Gotteshäusern nicht halt. Da möchte keiner riskieren, dass auch in unverschlossenen Gebäuden gesprayt wird.

Die Kirche Herz Jesu in Broich (Pfarrei Himmelfahrt) wird kurz vor dem morgendlichen Gottesdienst um 9 Uhr geöffnet und gegen 12 Uhr schließt der Küster wieder ab. Manche Kirchen stellen auch einen Andachtsplatz mit Blick in die Kirche zur Verfügung, ins eigentliche Gebäude kann man außerhalb der Messen nicht. Nur wo tagsüber genug Betrieb ist, etwa an der Klosterkirche in Saarn (St. Mariä Himmelfahrt), ist das Gebäude durchgehend von 8 bis 18 Uhr zu besuchen.

Ehrenamtliche passen in evangelischen Kirchen auf

In vielen evangelischen Gemeinden gibt es Teams von Ehrenamtlichen, die zu den Öffnungszeiten in der Kirche aufpassen und auch Ansprechpartner sind. Waren evangelische Gotteshäuser in der Vergangenheit außerhalb der Gottesdienste oft verschlossen, so gehe die Entwicklung heute eher dahin, feste Öffnungszeiten anzubieten, erklärt Annika Lante, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis An der Ruhr.

Welche evangelischen Kirchen wann geöffnet haben, erfährt man in den Gemeinden und im Internet. Das Signet „Verlässlich geöffnete Kirche“ der Landeskirche, wie es zum Beispiel für die Petrikirche auf dem Kirchenhügel in der Altstadt gilt (di. - fr., 11 - 13 und 16 - 18, sa. 10 - 14 Uhr) zeigt an, dass eine Kirche regelmäßig als Rückzugsort zur Besinnung oder für ein Gebet zur Verfügung steht.