Kinderoper als gelungenes Gesamtkunstwerk

Der ehrliche Bauer landet zu Unrecht im Kerker und beklagt sich in höchsten Tönen: Szene aus der Kinderoper „Die kluge Bauerntochter“ mit Solist Timo Küppers (re.).
Der ehrliche Bauer landet zu Unrecht im Kerker und beklagt sich in höchsten Tönen: Szene aus der Kinderoper „Die kluge Bauerntochter“ mit Solist Timo Küppers (re.).
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Seit 20 Jahren finden die beliebten Novemberaufführungen der Singschule unter Leitung von Gijs Burger in der Mülheimer Petrikirche statt. Diesmal gibt es viel Beifall für „Die kluge Bauerntochter“.

Mülheim. Sie ist schon lieb gewordene Tradition: die Kinderoper in der Petrikirche, die Kantor Gijs Burger alljährlich im November mit seiner Singschule aufführt. In diesem Jahr feiert die Kinderoper ihr 20-Jähriges mit dem wenig bekannten Grimm-Märchen „Die kluge Bauerntochter“ in der Vertonung des Wiesbadener Kirchenmusikdirektors Klaus-Uwe Ludwig.

Aus dessen Feder stammen auch die Vertonungen von „Kalif Storch“ und „Der Kaiser und die Nachtigall“, die Sängerinnen und Sänger der A- und B-Chöre sowie der Jugendkantorei auch schon zur Aufführung gebracht haben. Am Samstag hatte die harmonisch und melodisch anspruchsvolle Kinderoper „Die kluge Bauerntochter“ Premiere in der voll besetzten Petrikirche: Vom Mülheimer Lehrer Mathias Kocks ideenreich in Szene gesetzt und liebevoll mit selbstgebautem Bühnenbild und Kulissen ausgestattet.

Professionelle Musiker

Klanglich eingebettet in die einfühlsame Begleitung durch professionelle Musiker an Klavier und Flöte, Klarinette, Trompete und Kontrabass, brachten rund 40 Sängerinnen und Sänger zwischen fünf und zwölf Jahren spielend und singend das 80-minütige Werk vor Augen und Ohren. Kleine, aber feine Ensembles, einstimmig oder auch zweistimmig, und zahlreiche Soli in hohen, kinderstimmgerechten Lagen aber teils mit großem Tonumfang, die die drei Hauptfiguren, Emmi Klatt als wirklich kluge und hübsche Bauerntochter und Königin, Timo Küppers als ihr Vater sowie Daniel Znajda als König Otto wunderbar meisterten – wenngleich hier und da die Probenstunden kleine Spuren in den sonst klaren Stimmen hinterließen.

Doch hier zählt die Gesamtleistung der Sänger, die in kreative Kostüme gehüllt, mit Schminke im Gesicht und mit Requisiten bestückt eine Glanzleistung erbrachten - trotz wackelnder Krone, rutschenden Mantels, des Tragens von Werkzeugen oder einer schweren Kiste beim Singen.

Großes Lob

Ein noch größeres Lob verdient das Gesamtkunstwerk, da es in einer Probenzeit von nur zwei Monaten entstand (am Sonntag und Montag gab bzw. gibt es noch weitere Aufführungen) und dem Zusammenwirken etlicher freiwilliger Helfer zu verdanken ist. Da sind ganze Familien im Einsatz, um zu kostümieren, zu schminken, die Logistik zu organisieren und - was die Kinderoper zu einem professionell anmutenden Erlebnis macht - Ton und Beleuchtung zu betreuen.

Die dunkle Jahreszeit eignet sich gut für eine raffinierte Ausleuchtung des Kirchenraums. Wenn alles gut geht, darf sich das begeisterte Publikum im nächsten November auf „Hänsel und Gretel“ freuen!

Mehrere vorweihnachtliche Konzerte

Die Singschule an der Petrikirche wird sich bis zu ihrem Umzug in das neue Petrikirchenhaus mit verbesserten Probenmöglichkeiten wohl noch ein gutes Jahr gedulden müssen.

Für Projekte vor Weihnachten proben die unterschiedlichen Singschul-Chöre aber auch jetzt: Am 1. Advent sind die Chöre beim Offenen Singen zu hören, am 14. Dezember geben die A-Chöre gemeinsam mit dem Kammerchor ein Weihnachtskonzert, am 21. Dezember singen Mädchenkantorei und Jungenchor einen englischen „Carol Service“, und am zweiten Weihnachtstag lädt die Singschule zur „Gesungenen Weihnachtsgeschichte“ mit Texten und Liedern ein.

 
 

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