Kinder erleben die Natur mit allen Sinnen

Bettina Kutzner
„Natur trifft Kunst“ heißt ein Projekt der Biologischen Station. Die Kombination aus Naturerleben und künstlerischer Gestaltung kommt bei den Schülern gut an

Mülheim. Steine, Blätter, Samen, Schneckenhäuser – welche Vielfalt, welcher Formenreichtum, wenn man nur mal ganz genau hinsieht! Dass die Natur der größte Künstler überhaupt ist, haben die Kleinsten an der Wilhelm-Busch-Schule in dieser Woche ganz praktisch erfahren.

14 Kinder von acht bis elf Jahren nahmen an der Projektwoche „Natur trifft Kunst“ teil, die die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet gemeinsam mit Künstlern extra für Förderschulen und Inklusive Klassen in Mülheim anbietet. Und die Kids sind auch am Tag fünf der Projektwoche ganz bei der Sache, wie etwa David, der sich seltene Wörter wie Tigernacktschnecke, Erdkröte, Schwebfliege gut gemerkt hat – schließlich hat er alle diese Tiere hautnah betrachtet.

Natur für die Kinder greifbar machen

Katrin Unseld von der Biologische Station führte die Kinder durch den Witthausbusch, das Horbachtal oder durch den eigenen Schulgarten am Springweg, ließ sie Zweige sammeln, im Wasser nach Kleinlebewesen fischen und die Blätter der Bäume bestimmen. „Wir wollen“, sagt sie, „die Natur für die Kinder greifbar machen.“ Auch mit Mitteln der Kunst.

Das „Camp“ für die kleinen Forscher haben die Lehrerinnen Nina Zirnstein und Kordula Sonntag auf die Schulwiese verlegt, wo die Kinder mit Detlef Kelbassa und Corinna Kuhn die Fundstücke verarbeiten. Die Oberhausener Künstler nennen sich „Kelbassa’s Panoptikum“ und arbeiten vor allem mit dem Verhältnis von Natur, Kunst und Mensch. Natur-Strukturen und natürliche Phänomene finden sich in den Plastiken und Grafiken des Künstlerduos wieder, die regelmäßig bei der Mülheimer Eggxpo mitmachen, bei der am Osterwochenende Künstler Einblicke in ihr kreatives Schaffen geben. Die Arbeitsweise von Kelbassa und Kuhn kommt bei den Mülheimer Förderschülern gut an. Denn „das Basteln“ hat etwa Manuel an der ganze Woche am besten gefallen.

Eine kreative Woche in der Natur

Sammeln, forschen, bestimmen ist das eine, aus dem Material etwas Neues zu gestalten, das andere. „Wir verwenden das, was wir im Wald gefunden haben“, zeigt Corinna Kuhn auf die „Tausendfüßler“ aus bemalten Holzstückchen.

Natur mit allen Sinnen erleben und entdecken: Die Kinder zeigen stolz das selbst gebaute Regal für ihre Fundstücke und die Bodenplatten aus Beton, die sie aus den Abdrücken von Zweigen, Samen, Steinen mit Hilfe der Erwachsenen selbst gestaltet haben. Die (witterungsbeständigen) Kunstwerke werden bemalt später ihren Platz im Schulgarten finden – auch Nachhaltigkeit ist ein Thema, wenn Natur und Kunst sich treffen.

Dass eine kreative Woche in der Natur dem Lernen gut tut, merken die Pädagoginnen. „Die Kinder kommen so richtig runter“, sagt Nina Zirnstein „das ist was anderes als bei einem Arbeitsblatt“. Für einige Förderschüler ist das „freie“ Lernen allerdings auch eine große Herausforderung. Gemeistert haben sie es alle, und sind damit vielen Kindern einen Schritt voraus. Das ist auch eine neue Erfahrung.

Angebot der Biologischen Station

Die Wilhelm-Busch-Schule ist eine Förderschule mit den Schwerpunkten Sprache, Lernen, Emotionale und soziale Entwicklung: Kinder werden unterstützt, die wieder Freude am Lernen entwickeln wollen.

Der LVR fördert das Projekt „Natur trifft Kunst“, das ein Angebot der Biologischen Station ist. Info: www.bswr.de