Kein Factory Outlet im Kaufhof

Mirco Stodollick
Zu wenig Parkplätze für den erwarteten Besucheranstrom auf ein Factory Outlet Center: Mc Arthur Glen prüfte und befand den Standort für nicht geeignet. Foto: Kerstin Bögeholz / WAZ FotoPool
Zu wenig Parkplätze für den erwarteten Besucheranstrom auf ein Factory Outlet Center: Mc Arthur Glen prüfte und befand den Standort für nicht geeignet. Foto: Kerstin Bögeholz / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim. Die Idee, die leerstehende Kaufhof-Immobilie in der Innenstadt mit einem großen Factory Outlet Center zu beleben, in dem Überproduktionen und Saisonwaren bekannter Marken zu deutlich reduzierten Preisen angeboten werden, ist vom Tisch. Gleichwohl zeigt sich die Wirtschaftsförderung Mülheim & Business nicht resigniert. Es gebe eine wachsende Zahl interessierter Projektentwickler für das an exponierter Stelle der City liegende Grundstück.

Duisburg, das ist seit der dortigen Ratssitzung am Montag klar, wird sein Outlet Center bekommen. In Hamborn soll in direkter Nähe zur A 59 ein solches entstehen – mit 26 000 m2 Handelsfläche, bei einer Investition von 125 Mio Euro. Betreiber Freeport rechnet ab Weihnachten 2013 mit bis zu 2,7 Millionen Kunden jährlich im „Duisburg Outlet Village“. Sie sollen Geld für Markenware ausgeben, auf die Preisnachlässe zwischen 30 und 70 % gewährt werden.

Zu wenig Parkplätze
am Haus

Was bisher ein Geheimnis war: Auch für Mülheim ist ein Factory Outlet Center als Nachfolgelösung für den Kaufhof geprüft worden. Keine geringere als die in der Entwicklung und im Betrieb solcher Center in Europa führende Unternehmensgruppe Mc Arthur Glen hatte vor Ort vorgefühlt, Gespräche mit der Wirtschaftsförderung und dem Immobilieneigentümer Jochen Hoffmeister geführt, geprüft. Immerhin verfügt der Kaufhof über 25 000 m2 genehmigte Einzelhandelsfläche.

Da das Landesentwicklungsprogramm in NRW die Ansiedlung von Factory Outlet Centern auf grüner Wiese untersagt, haben Entwickler, so die Beobachtung von M&B-Chef Jürgen Schnitzmeier, eben die Innenstädte oder sonstige innerstädtische Handelszentren wie in Hamborn ins Visier genommen.

Mc Arthur Glen prüfte, aber verwarf seine Überlegungen für Mülheim. Laut Schnitzmeier und Hoffmeister sprachen mehrere Gründe gegen ein solches Vorhaben, insbesondere Probleme mit der Verkehrsanbindung. Man sah keine Möglichkeit, die An- und Abreise von Kunden auf engem Terrain reibungslos zu organisieren. Zudem, so Hoffmeister, seien die im Parkhaus vorgehaltenen 350 Parkplätze einfach zu wenig für einen derartigen Publikumsmagneten. Zum Vergleich: In ­Roermond, wo Mc Arthur Glen in 100 Shops 170 Designermarken bietet, stehen tausende Parkplätze zur Verfügung.

Ein weiteres Problem ist laut Schnitzmeier die Abgrenzung zum bestehenden Einzelhandel gewesen. Der Betreiber eines Outlet Centers kann natürlich nicht ohne die Zustimmung entsprechender Marken agieren. Die geben nur Überproduktionen und Saisonware für den reduzierten Verkauf frei, wenn ihre etablierten Handelspartner am Ort nicht auf die Barrikaden gehen. Hier soll Mc Arthur Glen für Mülheim Probleme gesehen haben. Außerdem soll die Kaufhof-Immobilie dem Interessenten zu viele Etagen gehabt haben. Mc Arthur Glen will nun bis zum Jahr 2015/16 ein Projekt auf 15- bis 20 000 m2 und mit 100 bis 130 Shops in Remscheid stemmen.

Und was wird nun aus dem Kaufhof in Mülheim? Sowohl Haus-Eigentümer Hoffmeister als auch M&B-Chef Schnitzmeier mögen sich nach dem Aus für die frühzeitig im Kommunalwahlkampf 2009 von der OB verkündeten Ruhrbanium-Pläne nicht all zu weit aus dem Fenster lehnen. Schnitzmeier spricht allerdings von mehreren Interessenten neben den Ruhrbanium-Entwicklern Kölbl Kruse. So seien weitere hinzugekommen auf der Immobilienmesse Expo Real jüngst in München. Die Tendenz gehe hin zu gemischter Gebäudenutzung, so Schnitzmeier. Mit Handel, Sport/Freizeit, Wohnen.

Die große Lösung mit einem Factory Outlet Center sei vom Tisch, sagt M&B-Geschäftsführer Schnitzmeier. „In einer kleinen Version kann ich es mir aber schon vorstellen.“ Schnitzmeier sieht hierfür den Esprit-Outlet in Ratingen-Tiefenbroich als Vorbild. Wenn ein Interessent mit ähnlichem Konzept an die Stadt herantrete, werde man ihm offen gegenüberstehen.