Kaum noch Geld für Denkmalschutz

Der Bismarckturm und andere Denkmäler in Mülheim wollen gepflegt werden.
Der Bismarckturm und andere Denkmäler in Mülheim wollen gepflegt werden.
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim. Mit vereinten Kräften wollen die Vertreter der Einrichtungen in Mülheim den Tag des offenen Denkmals stemmen. Neun Institutionen öffnen am Sonntag, 8. September, ihre Pforten am bundesweiten Aktionstag. Dieser steht in diesem Jahr unter dem Motto „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“.

Ein solches kann eine Kirche sein, weiß Karl-Gerhard Kluitmann, der auch durch Kirche St. Theresia von Avila führt. „Und zwar dann, wenn sie an die gute Moral erinnert.“ Unbequem war auch der Bismarckturm, „ein ungeliebtes Kind der 70er-Jahre“, weiß Künstler Jochen Leyendecker, der den Turm als Atelier nutzt. „Es war in der Überlegung, ihn anzureißen.“ Eine unbequeme Geschichte hat das Polizeipräsidium: „In den Dreißiger Jahren ist es der Gleichschaltung zum Opfer gefallen“, sagt Dr. Jörg Schmitz von der Camera Obscura, der in Zusammenarbeit mit Schülern der Realschule Broich und Stadtmitte durch das ehemalige Polizeipräsidium an der Von-Bock-Straße führt. Wegen der hohen Kosten bei der Sanierung hat auch das Schloß Broich eine unbequeme Seite. „In einer Führung erläutern wir nicht nur die historische Bedeutung, sondern auch die Probleme bei der Sanierung“, sagt Kai Rawe, Leiter des Historischen Museums im Schloss.

Pflege der Denkmale kostet Geld

Ohnehin: Unbequem sind Denkmale vor allem, weil ihre Pflege viel Geld kostet. „Wenn die Landesförderung wegbricht, wird es herb“, sagt Erich Bocklenberg, Leiter der Unteren Denkmalbehörde. Die rot-grüne Landesregierung plant, die Mittel für die Denkmalpflege drastisch zu kürzen. Mit der Konsequenz, dass der Denkmalschutz in Zukunft immer mehr unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu sehen ist. „Daher ist es umso wichtiger, zu zeigen, was die Denkmalpflege bedeutet.“ Und wie diese vom Einsatz ehrenamtlicher Helfer abhängig ist. Denn: „Denkmale prägen das Stadtbild und sind Alleinstellungsmerkmal.“ Am Nachwuchs fehle es jedoch sehr, wissen alle Beteiligten. Daher geht der Appell aller besonders an junge Menschen, sich zu engagieren.

Am 8. September stehen die Türen offen: Bismarckturm, Schloß Broich, Camera Obscura, Alte Dreherei, Kloster Saarn, Kulturzentrum Fünte, Tersteegenhaus, Bismarckturm, St. Theresia von Avila und Leder- und Gerbermuseum.

Übrigens: Auch private Besitzer eines Denkmal-Objektes können sich beteiligen. „Wer im kommenden Jahr mitmachen möchte, kann sich gerne bei uns melden“, sagt Melanie Rimpel von der Unteren Denkmalbehörde. Und verrät schon das Motto des nächsten Aktionstages, der am 14. September 2014 stattfinden wird: „Farbe.“

 
 

EURE FAVORITEN