Kaum Interesse an Bau neuer Sozialwohnungen

Andreas Heinrichund Ludger Böhne
Sanierung (hier in der Saliersiedlung) statt Neubauten prägen in Mülheim den Markt für geförderte Wohnungen.
Sanierung (hier in der Saliersiedlung) statt Neubauten prägen in Mülheim den Markt für geförderte Wohnungen.
Foto: STEPHAN GLAGLA PHOTOGRAPHIE / WA
Der Miet-Markt gilt als ausgeglichen. Trotz verbesserter Förderung durch das Land werden kaum neue Sozialwohnungen gebaut. Eine Lücke gibt’s im Mülheimer Angebot allerdings: Es fehlen bezahlbare barrierefreie Räume für Rentner

Mülheim. Das Land fördert auch 2014 Bau und Renovierung von Wohnungen mit begrenzten Mieten mit 800 Mio Euro. Mülheim stehen aus diesem Topf voraussichtlich knapp 6,3 Mio Euro zur Verfügung (das Budget ist nur eine Rechengröße, es kann mehr abgerufen werden). Allerdings gibt es bei Investoren und Mietern kaum Bedarf für Neubauten. Ausnahme: Es fehlen bezahlbare Wohnungen für Senioren.

Weil der Neubau von Wohnungen mit Mietbindungen angesichts teurer Grundstücke, steigender Mieten und ohnehin niedriger Zinsen auf Darlehen zuletzt für Investoren kaum rentabel war, lockt Bauminister Michael Groschek jetzt mit neuen Vergaberegeln für das billige Baugeld (0 bis 0,5 % Zins, teilweiser Erlass der Schulden bei bestimmten Investitionen).

Allein den Zahlen nach gäbe es wohl Nachholbedarf: Von 6,3 Mio Euro im letzten Jahr wurden nur 3,4 Mio abgerufen. 2,2 Mio davon flossen in den Bau von 44 neuen Wohnungen mit Mietobergrenze. Zwölf Mülheimer wurden mit 205.000 Euro beim Kauf einer eigenen Immobilie unterstützt. Das Budget für Bestandsförderung von 1,5 Mio Euro blieb fast komplett liegen: 70.000 Euro wurden abgerufen. Nur die Fördersumme für Quartiersentwicklung und studentischen Wohnraum (950.000 Euro) wurde ausgeschöpft.

„Der Markt ist ausgeglichen“

Dass die Förderung wenig genutzt wird, hat Gründe im Markt. Der sei ausgeglichen, berichtet Stadtsprecher Volker Wiebels aus dem Mülheimer Wohnungsamt. Wer eine Bleibe suche, finde im Mülheimer Bestand (88 163 Wohnungen in 30 469 Gebäuden) auch eine im gewünschten Preisniveau. Wiebels: „Darum investieren die großen Wohnungsgesellschaften eher in den Bestand als in Neubauten.“

SWB-Prokurist Andreas Timmerkamp berichtet, dass die Gesellschaft eher in die Zusammenlegung von Wohnungen investiere, gefragt seinen große Wohnungen, 100 m², vier Zimmer. Oder schicke: In Dümpten hat die Gesellschaft Maisonette-Wohnungen geschaffen. Ohne Förderung und mit einem Mietpreis von sieben Euro.

„Das Förderprogramm bietet tolle Möglichkeiten“

Die Genossenschaft MWB errichtet gerade Wohnungen mit Fördergeldern aus 2013, will in diesem Jahr Darlehen für zwölf weitere Wohnungen in Heißen beantragen. Vorstandsvorsitzender Frank Esser: „Das Förderprogramm bietet tolle Möglichkeiten.“

Harald Bartnik, Geschäftsführer des Mieterschutzbundes, plädiert für Sanierungen: „Wir haben viele Wohnungen aus den 1950er und ‘60er Jahren. Wenn die mit Fördergeldern kernsaniert werden, ist das ein guter Ersatz für Neubauten.“ Bartnik weist zugleich auf eine Lücke im Wohnungsmarkt hin: Rentner bräuchten bezahlbare, altengerechte Bleiben. Die Mieten in frei finanzierten Objekten von elf, zwölf, selten bis 20 Euro pro Quadratmeter, könne kaum jemand bezahlen. „Der normale Rentner wird vier bis sechs Euro aufbringen können. Das geht nur mit geförderten Wohnungen und davon haben wir viel zu wenig.“