Kaufen wir Obst bald online?

Der Lebensmittel-Onlineshop „Froodies“ von Geschäftsführer Lutz Preußners hat rund 1500 Kunden, die über das Internet Lebensmittel bestellen.
Der Lebensmittel-Onlineshop „Froodies“ von Geschäftsführer Lutz Preußners hat rund 1500 Kunden, die über das Internet Lebensmittel bestellen.
Foto: WR/Franz Luthe
Shoppen ist ein Spaß, Einkaufen oft ermüdend. Wenn man mit der Drahtkarre durch überfüllte Supermarkt-Gänge drängeln, in der Kassenschlange ausharren, schwere Taschen schleppen muss. Auf die Idee, das Lebensmittelgeschäft ins Internet zu verlagern, sind schon mehrere Anbieter gekommen.

Mülheim.. Shoppen ist ein Spaß, Einkaufen oft ermüdend. Wenn man mit der Drahtkarre durch überfüllte Supermarkt-Gänge drängeln, in der Kassenschlange ausharren, schwere Taschen schleppen muss. Auf die Idee, das Lebensmittelgeschäft ins Internet zu verlagern, sind schon mehrere Anbieter gekommen. Im Alltag durchgesetzt hat es sich aber noch nicht. Und als Versuchsstadt ist Mülheim zu klein.

Etwas bewegt sich, im Online-Handel mit Brot und Butter. So erregte vor wenigen Tagen die Deutsche Post Aufmerksamkeit, die sich an einem neu gegründeten Internet-Supermarkt beteiligt hat und die Waren bundesweit per DHL ins Haus liefern will. In England würden bereits rund fünf Prozent der Lebensmittel im Netz gekauft, hieß es in dem Zusammenhang, in Deutschland erst 0,1 Prozent. Vor allem Familien, stark eingespannte Berufstätige und Senioren werden als Zielgruppe anvisiert.

Unterschiedliche Strategien

Bereits seit Frühjahr 2009 ist der Online-Supermarkt „froodies“ im Geschäft. Am selben Werktag persönlich angesteuert werden Kunden in Köln, Dortmund, Düsseldorf, Münster und Wuppertal. Bestellen kann man bundesweit, geliefert wird per DHL. Rund 10.000 Artikel liegen in den virtuellen Regalen, von der Fleischwurst über den Joghurt bis zum Blumenkohl.

Aber auch von Lebensmittelketten mit Hauptsitz in Mülheim gehen Impulse aus, um weniger mobilen Kunden entgegenzukommen. In der Praxis verfolgen die Märkte oder Discounter unterschiedliche Strategien. Drei Beispiele:

Zu den Pionieren gehört Kaiser’s Tengelmann, wo man bereits 1997 einen Lieferservice per Telefon, Fax oder Internet aufbaute, bis zur Wohnungstür, allerdings nur in den Großstädten Berlin und München. Und das ist bis heute so geblieben. Hier kann man mehrere tausend Produkte ordern, auch Lebensmittel wie Obst und Gemüse, Milchprodukte, Fleisch. „Wir decken einen Großteil des Sortiments eines durchschnittlichen Kaiser’s-Supermarktes ab“, erklärt Pressesprecherin Justine Zagalak. Der Service werde „sehr gerne“ von Familien mit Kindern, älteren Leuten, aber auch kleinen Firmen oder Kitas genutzt. Vor allem schwere Artikel, etwa Getränke, würden häufig bestellt.

„Die Nachfrage wächst zunehmend“, so die Sprecherin. Man sei grundsätzlich interessiert, den Service auch in anderen Gebieten anzubieten, aber Mülheim steht offensichtlich nicht auf der Liste. „Tendenziell sind Ballungszentren aufgrund der hohen Einwohnerdichte für uns von Vorteil.“

Lieferservice für Lebensmittel

Was es bei Aldi Süd gibt, kann man jederzeit im Internet studieren (www.aldi-sued.de), ohne Prospekte durchzublättern oder zum Laden laufen zu müssen. Auch die Vorschau auf den nächsten Montag und Donnerstag kommt frei Haus. Man kann einen virtuellen Einkaufszettel zusammenstellen, Warenkorb und Kasse findet man auf der Website aber nicht. Es sei denn, man möchte eine Reise buchen, Blumen oder Fotos bestellen.

Einen Onlineshop oder wenigstens Lieferservice für Lebensmittel wird es bei Aldi Süd wohl auch künftig nicht geben, „da wir uns konsequent dem Discount-Prinzip verschrieben haben und dieses auch weiterhin kontinuierlich umsetzen möchten“, wie eine Sprecherin des Unternehmens nun auf Anfrage erklärte.

"Der Service muss ja auch noch bezahlbar sein"

Bei den Edeka-Märkten Paschmann, die neun Filialen in vier Städten betreiben, verzichtet man bislang komplett auf einen Online-Shop, bedient aber hiesige Kunden mit einem Heimlieferdienst. „Shop & Go!“ wurde vor etwa sechs Jahren mit der Paritätischen Initiative für Arbeit (PIA) auf die Beine gestellt und kann in den fünf Mülheimer Paschmann-Märkten spontan genutzt werden. Man lässt die Waren einfach hinter der Kasse stehen und zu einer gewünschten Zeit bringen.

Viele Stammkunden nehmen dies nach Angaben der PIA in Anspruch, im Schnitt führen sie gut 100 Lieferungen pro Monat durch. Gebühr: vier Euro für das Nachhausebringen von zwei großen Lebensmitteltüten (weitere Infos unter 848 57 23). Bislang sei Paschmann aber der einzige Mülheimer Händler, mit dem sie zusammenarbeiten, erklärt PIA-Mitarbeiter Edwin Eder. Andere zögern. Denn: „Der Händler muss bereit sein, den vollen Einkaufswagen so lange ins Kühlhaus zu schieben. Viele sagen, dafür hätten sie kein Personal.“

Ein Online-Angebot für Lebensmittel plant Paschmann nicht. „Frisches kriegen wir nicht transportiert“, meint ein Sprecher des Mülheimer Familienunternehmens, „der Service muss ja auch noch bezahlbar sein.“

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