Kampf gegen die Demografie

Caroline Uschmann
100 Häuser-Programm an der  Hagenauer Straße aus der Zeit der Bauphase.- Foto Angélique Wemmer
100 Häuser-Programm an der Hagenauer Straße aus der Zeit der Bauphase.- Foto Angélique Wemmer
Foto: NRZ

Mülheims Einwohnerzahl schrumpft, die Menschen werden immer älter – soweit keine überraschende Nachricht. Dennoch sieht die Bilanz besser aus als in vielen anderen Kommunen.

Vertreter von Stadt und Wirtschaftsförderung versuchen, diese Entwicklung soweit wie möglich zu beeinflussen.

„Wir haben immer noch mehr Zu- als Wegzüge – das unterscheidet uns von anderen Städten“, stellt zunächst Hans-Joachim Libera von der Stelle für Stadtforschung und Statistik fest. So zogen 2009 6604 Menschen nach Mülheim, 6255 verließen die Stadt – ein Plus von 349. 2008 fiel die Bilanz positiv mit 114 aus, 2007 mit 250. Dennoch ging die Gesamtbevölkerung von 171 160 Mülheimern im Jahr 2006 auf aktuell 169 025 (Stand Ende Juni) zurück – langsam, aber kontinuierlich.

„Das liegt daran, dass es weiterhin deutlich mehr Sterbefälle als Geburten gibt“, erklärt der Zahlenexperte. 2009 standen 2150 Todesfällen 1249 Geburten gegenüber. Gleichzeitig steigt der Anteil der Mülheimer über 65 Jahre – im Juni lang er bei 23,7 Prozent, der Teil der unter Sechsjährigen bei 4,6 Prozent. In den Vorjahren sah es ganz ähnlich aus. Eine Zahl, die ebenfalls steigt, ist die der Migranten. Im Juni standen 16,8 Prozent gegenüber 83,1 Prozent der Bürger ohne Migrationshintergrund. Vielleicht liegt auch hier ein Grund für den vergleichsweise geringen Rückgang der Gesamtbevölkerung – vor allem macht Libera dafür aber eins verantwortlich: „Mülheim hat immer noch viel Wohnqualität.“

Als unterstützende Maßnahme nennt er hier vor allem das Programm „100 Häuser“, bei dem jungen Familien Wohnraum zu günstigen Bedingungen zur Verfügung gestellt wird. Vor vier Jahren begann das Projekt in Saarn, heute gibt es neue Bauflächen und Pläne an den Straßen Auf dem Bruch und Von-Carnall-Weg. „Wir müssen einerseits der Tatsache entsprechen, dass 30 Prozent unserer Einwohner über 60 Jahre alt sind und gleichzeitig verstärkt auf junge Familien zugehen“, sagt Stadtsprecher Volker Wiebels.

Auf der einen Seite nennt er etwa haushaltsnahe Dienstleistungen, auf der anderen etwa die regelmäßige Auszeichnung von familienfreundlichen Betrieben. „Ganz wichtig ist auch das Thema Bildung“, ergänzt Claudia Roos, Expertin für kommunales Familienmanagement bei der Stadt. Schlagworte seien hier Ausbau der OGS-Plätze, die Kita-Programme „Early Excellende“ zur frühen Förderung oder „Prima Leben“ zur Unterstützung von gesunder Ernährung und Bewegung, zeitnahe Vermittlung von Tagesmüttern oder Familienforen, die sich mit speziellen Bedürfnissen in den Stadtteilen beschäftigen.

Daniela Städter von Mülheim und Business weist auf die Bedeutung der Stadt als Wirtschafts- und Investitionsstandort hin. „In einer Studie unter 50 Großstädten haben wir 2009 Platz 11 belegt.“ Für junge Ansiedler sei besonders die Förderung von Geschäftsideen interessant – die nächste Existenzgründerinnen-Werkstatt beginnt im September.