Kai Twilfer begeisterte Publikum im Mülheimer Medienhaus

Bestseller-Autor Kai Twilfer liest aus seiner Satire »Schantall, tu ma die Omma winken«.
Bestseller-Autor Kai Twilfer liest aus seiner Satire »Schantall, tu ma die Omma winken«.
Foto: STEPHAN GLAGLA PHOTO.DESIGN / WA

Mülheim.. „Wichtig ist, dass Sie nicht jemand neben sich sitzen haben, mit dem sie nicht gesehen werden wollen wie einem Bewährungshelfer oder den Bischof von Limburg“: Kai Twilfer, der saloppe Mann im braunen Sakko, hat schnell das Eis gebrochen und die Lacher auf seiner Seite.

Mit „Schantall, tu ma die Omma winken“ hat der Gelsenkirchener Autor einen Bestseller vorgelegt, der sich hartnäckig unter den Favoriten hält und aktuell auf Platz 2 der Spiegel-Bestsellerliste der Sachbücher steht. Eine Rubrik, die passt, denn Twilfer bringt den Kosmos des Ruhrpottclans Pröllmann als Paradestück einer Prollfamilie aus dem Revier fachkräftig und treffend auf den Punkt. Rappelvoll ist der Veranstaltungssaal bei der Lesung im Rahmen der „Herbstblätter“ in der Stadtbibliothek – mit knapp 200 Plätzen ausverkauft. Für eine DVD läuft die Kamera mit. Er sei das erste Mal im Mülheimer Medienhaus, gesteht Twilfer schmunzelnd: „Schön ist es geworden, in jeder Etage kann man ein WC anfahren – alles bestens.“

"Schantall der Prototyp des Kevinismus"

Kurzweilig und amüsant entführt der Autor ins Kaff Bochtrop-Rauxel voller Hochhaus-Klischees, wie wir sie alle irgendwie kennen: Im Pröllmannschen Panoptikum steigt zwischen Nussbaum-Furnier, terrakottafarbenen Wänden und 18-sitziger Wohnlandschaft quer durchs Wohnzimmer die Familienfeier auf himmelblauer Auslegware mit Kartoffelsalat auf Papptellern. Chaos pur. Sozialarbeiter Jochen soll Tochter Schantall, eine „leicht grenzdebile Twen-Tante“ wieder auf Kurs bringen. Obwohl sie voll an sich arbeitet – kosmetisch gesehen – findet sie keinen Job. Schon beim Praktikum im Frisörsalon „Die Dame von Welt“ scheiterte Schantall schon als Praktikantin am blutigen Kopfaufschlagen einer Kundin beim Haarewaschen, weil das Becken im falschen Winkel ist. Und überhaupt ist „Schantall der Prototyp des Kevinismus, der krankhaften Unfähigkeit von Eltern, Kinder sozialverträgliche Namen zu geben“, meint Twifler. Mit seiner überzogenen Revier-Satire trifft er auch die rührende Seite all jener Familienclans, ohne die das Ruhrgebiet nicht denkbar wäre.

 

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