Kämmerer vor der Wiederwahl

Andrreas Heinrich
Kämmerer Uwe Bonan kann im Rat mit einer Mehrheit rechnen, muss aber auch deutliche Kritik einstecken.
Kämmerer Uwe Bonan kann im Rat mit einer Mehrheit rechnen, muss aber auch deutliche Kritik einstecken.
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim. Uwe Bonan (49) hat beste Chancen, Anfang Oktober im Rat erneut für acht Jahre zum Kämmerer gewählt zu werden. Er will es, die OB als seine Chefin will ihn, die SPD hält den Mann an der städtischen Kasse für einen der besten seiner Art, und die CDU wird ihn wohl auch wählen: „Er hat sich nichts zu Schulden kommen lassen“, sagt Fraktionschef Wolfgang Michels. Das reicht. Die Grünen überlegen noch, von den anderen Fraktionen kommt ein klares Nein – und bissige Kritik.

Dieser Kämmerer, kritisiert der Fraktionschef der Mülheimer Bürgerinitiativen, Lothar Reinhard, ­habe die Stadt „vor die Wand gefahren“. In seine Zeit fielen Millionenverluste durch Währungsspekulationen, das krampfhafte Festhalten an vielen Millionen RWE-Aktien, was sich nun bitter räche, hinzu kämen jahrelang arg geschönte Bilanzen. „Mit Bonan explodierten die kurzfristigen Kassenkredite von 148 auf über 700 Mio. Euro.“ Reinhard spricht gerne von „Bonanopolis“, womit er gerne auf die griechischen Verhältnisse hinweist, die er inzwischen in Mülheim sieht.

FDP hält ihn für nicht tauglich

Die FDP lehnt ihn auch ab, hält ihn für nicht tauglich auf dem Posten: „Jeder Konzernlenker würde sich so einen Finanzchef nicht leisten“, sagt Peter Beitz und wirft Bonan vor, sich immer wieder drastisch zu verkalkulieren. „Der sollte in Mülheim einen vernünftigen Job machen und nicht als Repräsentant irgendwelcher Gremien ständig gegen Land und Bund schießen.“

Bonan ist einer der führenden Köpfe des Städte-Aktionsbündnisses „Raus aus den Schulden“ und greift in der Funktion auch die SPD-geführte Landesregierung an, die Mülheim beim Stärkungspakt links liegen lässt. Er tritt dort mutig auf, fordernd und mahnend – bislang noch ohne Erfolg für die Stadt. Die SPD hätte Bonan am liebsten vorzeitig weiter unter Vertrag genommen, weil „gute Kämmerer im Land gefragt sind.“ Dass Mülheim mit über einer Milliarde Miese dasteht habe nicht Bonan zu verantworten, heißt es. Der Kämmerer selbst hat in den vergangenen Jahren immer wieder den Politikern vorgerechnet, dass es vor allem die Soziallasten sind, die Mülheim kaputt machen, auch wenn die Stadt deutlich weniger Arbeitslose hat als andere Kommunen im Ruhrgebiet.

SPD-Kämmerer beliebt bei CDU

Den Linken reicht das nicht. „Wir bräuchten einen Kämmerer, der für ein Schuldenmoratorium eintritt und mit anderen Städten gegenüber Bund und Land einen „zivilen Ungehorsam“ zeigt, sagt Achim Fänger.

Die CDU sieht es mit Genugtuung, dass der Kämmerer mehr Sparwillen zeigt als die SPD, der er selbst angehört, oder so manch anderer in der Verwaltung. Auch sein energisches Eintreten für drastische Kürzungen beim ÖPNV – mehr Bus statt teure Bahn – gefällt der CDU.

CDU und SPD könnten aber auch gar nicht anders, als ihn wiederzuwählen. Sie setzten die Baudezernentin als Sparmaßnahme vor die Tür und versicherten sich gegenseitig, „ihre“ Dezernenten Bonan (SPD) und Vermeulen (CDU) in die Verlängerung zu schicken. „Deal“, sagen die einen, „Weitsicht“ andere.