Junge Augen blicken auf die Mülheimer Stücke

Margitta Ulbricht
Das Team der Stücke-Blogger hat sein Quartier in einem leeren Ladenlokal an der Schloßstraße aufgeschlagen.
Das Team der Stücke-Blogger hat sein Quartier in einem leeren Ladenlokal an der Schloßstraße aufgeschlagen.
Foto: Foto:Sarah Heppekausen
Erstmals gestalten Studenten von fünf Unis aus der Region einen Festival-Blog. Folkwang-Studenten spielen Szenen aus Preisträger-Stücken.

Mülheim. „Szenentaucher“ – das sind Schauspielstudenten der Folkwang Uni, die vor den Aufführungen der Stücke kleine Ausschnitte aus bisherigen Preisträgerproduktionen zeigen. „Szenentaucher“ sind die jungen Leute bei den Mülheimer Theatertagen irgendwie alle. Denn weitere elf Studenten von fünf Unis aus dem Ruhrgebiet bis nach Köln, tauchen ebenfalls tief in die Stücke ein. Im Kollektiv füttern sie den Festival-Blog mit Autoren-Interviews, Videos, Kritiken, schreiben über Publikumsgespräche, Kurzweiliges und Amüsantes rund ums Festival und hinter den Kulissen oder reden einfach nur übers Wetter: Ein frischer Auftritt abseits der eingetretenen Pfade. Durch die Zusammenarbeit mit Folkwang und den anderen Unis haben sich die traditionsreichen Mülheimer Theatertage verjüngt.

In einem leeren Ladenlokal an der Schloßstraße hat die Gruppe einen Konferenzraum. Dort rauchen die Köpfe. Mit wachen Augen und einem kritischen Blick schauen die Studenten auf Texte und Inszenierungen. Das ist auch nicht anders zu erwarten von einem wie Helge Kreisköther, der das Nietzsche-Zitat „Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zu Grunde gehen“ auf dem Laptop trägt. In der Auseinandersetzung mit den sieben Wettbewerbsbeiträgen geht’s wortreich in die Tiefe.

Wer räumt den Preis ab?

Was alle brennend umtreibt: Wer von den sieben Autoren den Dramatikerpreis abräumt. Was den Text der Stücke betrifft, hat jeder von ihnen einen Favoriten – alle unterschiedlich. Was immer wieder für Zündstoff sorgt, sagt Sebastian Bös, „ist, dass der Lese- und Seheindruck der Inszenierungen immer ein anderer ist“. Sophia Steneberg meint: „Man kann Texte nicht ohne Bühne denken.“ Bös würde gern mal die Preisjury fragen, „ob sie den besten Text oder die beste Inszenierung auswählt“. Und darauf, so der Student, „möchte ich eine ehrliche Antwort“.

Was sie im Kollektiv an ihrem Einsatz für die Theatertage schätzen, ist, „dass es ein gutes Forum ist, wo man über Theater nachdenken kann“. Das Tolle daran, sagt Sebastian Bös, „dass wir nicht so festgelegt, sondern frei sind und uns hier ausprobieren dürfen“.

„Wir sind glücklich, wie reibungslos das alles funktioniert“, sagt Sarah Heppekausen. Die freie Kulturjournalistin begleitet und unterstützt die Gruppe. Was nicht vergessen werden dürfe: Die meisten von ihnen jobben parallel zum Studium und für ihren Einsatz bei den Stücken müssen sie mitunter Nachtschichten schieben. 20 Bewerbungen habe es von Studenten für den Festival-Blog gegeben, erläutert Sarah Heppekausen. Elf haben es geschafft. Und wie eine Fußballmannschaft sehen die Elf ihren Einsatz für die Stücke sportlich.

Kommentare vom Publikum erwünscht

In diesem Jahr wird der Festival-Blog erstmals von Studenten der Hochschulen Bochum, Dortmund, Duisburg-Essen und Köln gestaltet. Mit Unterstützung von Kulturjournalistin Sarah Heppekausen, der Theaterwissenschaftlerin Laura Strack und dem Videojournalisten Alexander Viktorin zeigen die Studenten ihren persönlichen Blick aufs Festival. Ihr Wunsch: Mehr Kommentare vom Publikum (blog.stuecke.de).


Auch die Zusammenarbeit mit dem Studiengang Schauspiel an der Folkwang Uni soll in Zukunft fortgeführt und erweitert werden. Die „Szenentaucher“ zeigen Ausschnitte aus Preisträgerstücken.