In dieser Mülheimer Kita schlägt keiner mehr Purzelbaum

Die Kita Purzelbaum an der Kreuzstraße wurde wegen Brandschutzmängeln geschlossen.
Die Kita Purzelbaum an der Kreuzstraße wurde wegen Brandschutzmängeln geschlossen.
Foto: WAZ FotoPool
Die Stadt hat den Betrieb der Einrichtung an der Kreuzstraße untersagt. Es sei nie ein Brandschutzkonzept vorgelegt worden. Jetzt sucht man Lösungen.

Mülheim an der Ruhr.. Seit einer Woche ist die Kita Purzelbaum dicht. Die Stadt hat die von einer Elterninitiative an der Kreuzstraße betriebene Einrichtung wegen gravierender Brandschutzmängel geschlossen. Von einem Tag auf den anderen standen die Eltern somit vor der Frage: Wohin mit dem Kind? Nur 15 der 40 Kinder kamen vorübergehend anderweitig unter.

„Dass man sich mit so einer Entscheidung nicht beliebt macht, ist klar“, sagt Jürgen Liebich, Leiter des Amts für Stadtplanung, Bauaufsicht und Stadtentwicklung. Doch er habe keine andere Wahl gehabt. Ein Rundgang von Feuerwehr und Bauaufsicht durch die Kita, die im Erdgeschoss und der ersten Etage betrieben wird, habe gezeigt: So kann es nicht weitergehen. Im Notfall nämlich sei weder eine Evakuierung der Zwei- bis Sechsjährigen über den Flur möglich – „es fehlen feuerhemmende Türen und es ist Glas verbaut, das aufplatzen kann“ –, noch mittels Drehleiterfahrzeug von außen. Auch das Treppenhaus sei nicht ausreichend abgeschottet gegen Rauch. „Die Feuerwehrleute könnten die Rettung nicht innerhalb der vorgeschriebenen zehn Minuten schaffen“, so Jürgen Liebich.

Im März war der Bauantrag gestellt worden

Im März, so schildert er die Entwicklung, habe die Elterninitiative, die damals noch an der Wilhelmstraße untergebracht war, einen Bauantrag gestellt: Man wolle mit der Kita in das – zuvor als Jugendheim betriebene – Haus der evangelischen Lukaskirchengemeinde in Eppinghofen umziehen, hieß es, und begehre folglich eine Nutzungsänderung. Ein Brandschutzkonzept aber, das dafür erforderlich ist, wurde laut Liebich niemals vorgelegt. Der Sachbearbeiter habe die Architektin deshalb zweimal angerufen und sie auch angeschrieben, geschehen sei trotzdem nichts.

Mitte November sei der Antrag der Elterninitiative deshalb abgelehnt worden. „Dann aber hat mit einem Mal der Vorstand angerufen, und verwundert gefragt, warum es keine Baugenehmigung gebe.“ Bei diesem Anlass habe er auch mitgeteilt, dass die Kita schon im Juli an die Kreuzstraße umgezogen sei – „ganz ohne Betriebsgenehmigung“.

„Wir wollen alle, dass die Kita möglichst schnell wieder aufmacht“

Der einzige Ausweg aus der vertrackten Situation besteht für Liebich jetzt in einer schnellen Prüfung des mittlerweile eingegangenen Gutachtens sowie der raschen Umsetzung der Brandschutzauflagen. „Wir wollen ja alle, dass die Kita möglichst schnell wieder aufmacht.“ Vor Ende Januar aber, schätzt er, werde das eher schwierig.

Ende Januar? Diese Info macht Reinhard Miotk, Vorstandsmitglied der Initiative, nervös. „Wenn es so lange dauert, laufen uns die Eltern weg“, glaubt er. Die sieben pädagogischen Mitarbeiter, die zwei Putzfrauen und die Küchenkraft hätten Angst, bald arbeitslos zu sein. „Die Stadt aber ist einfach nicht bereit, mit uns zu reden“, so der 55-Jährige, dessen Frau als Erzieherin im Purzelbaum arbeitet. Er könne also seine Ideen nicht vortragen, wie sich der Fall möglicherweise unkompliziert lösen ließe. Generell gelte auch für ihn: „Sicherheit hat die höchste Priorität.“ Man habe sich im Laufe des Jahres wohl zu wenig selbst um die Bürokratie gekümmert, zu sehr auf die Architektin verlassen – „sie hat uns gesagt, die Stadt habe das Brandschutzgutachten erhalten“.

Initiative hat bereits viel Geld investiert

80.000 € hat die Initiative seit Frühjahr in die Kita gesteckt: für einen Teppich, eine Turnhalle, einen Sandkasten, kleine Toiletten. . . Der Umzug aus den mit rund 270 qm deutlich kleineren Räumen an der Wilhelmstraße in die 400 qm-Einrichtung an der Kreuzstraße sei nur erfolgt, „weil wir andernfalls keine U 3-Kinder mehr hätten aufnehmen können“. Man sei davon ausgegangen, so Reinhard Miotk, dass die Betriebserlaubnis der vorherigen Kita weitergelte, da sich ja an Konzept und Personal nichts geändert habe. Zudem sei man doch in ein Jugendheim eingezogen.

Die vorherige Nutzung eines Gebäudes spielt aber keine Rolle, so Jürgen Liebich: „Für das Jugendheim war die Genehmigung erteilt worden; und eine solche gilt bis zum St. Nimmerleinstag. In dem Moment aber, in dem sich eine Nutzung ändert, bedarf es einer neuen Genehmigung.“

 
 

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