In der Lehrküche der Mülheimer Realschule Stadtmitte

Cäcilia Tiemann
Die Schüler der Realschule Stadtmitte gehen gerne zur Koch AG.
Die Schüler der Realschule Stadtmitte gehen gerne zur Koch AG.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo

Mülheim. „Früher lernte man in der Schule ja noch praktische Dinge wie Kochen, Stricken oder Handwerken“, lamentiert die ältere Generation häufig. Was viele nicht wissen: Auch heute wird in Schulen gekocht.

Vielleicht nicht immer im Rahmen des regulären Unterrichts, dafür aber in Arbeitsgemeinschaften, den sogenannten AG’s, oder hin und wieder im Rahmen des Fachunterrichts mit kochwilligen Lehrern. Die riesige, helle und moderne Lehrküche der Realschule Stadtmitte mit fünf Herden, Backofen, Spülen und einer Spülmaschine eignet sich dafür auf alle Fälle hervorragend und wird intensiv genutzt.

Schulleiter Gebhard Lürig bekennt sich zur großen Bedeutung gehaltvollen Essens für Kinder und deckt das Thema an seiner Schule quasi doppelt ab. Er erklärt: „Zum einen versorgen wir unsere Schüler mit gesundem und schmackhaften Essen über unseren Mittagstisch, zum anderen dürfen die Fünf- und Sechstklässler an den beliebten Koch AG’s teilnehmen, in denen sie erste Grundlagen des Kochens und Backens erlernen“. Außerdem kocht der Sonderpädagoge Martin Strunk mit seinen Schülern im Rahmen seines integrativen Hauswirtschaftsunterrichtes.

Kochen macht Spaß

Jeden Dienstag um 13.30 Uhr ist es also so weit: Ruth von Eicken nimmt ihre Freiwilligen vor der Küche in Empfang und verkündet den begeisterten Jungköchen, dass sie gleich eine Pizza machen dürfen. Aber zuerst wird die Anwesenheit geprüft, dann waschen sich alle die Hände, bevor sie sich in die Arbeit stürzen. Die vier Jungen und vier Mädchen holen sich eine Schüssel. Mehl, Hefe und lauwarmes Wasser kommt in die Mitte, und schon geht’s los mit der Kneterei des eigenen Pizzateigs.

SpezialDas sorgt für viel Erheiterung, denn der elende Teig klebt an den Fingern. Ruth von Eicken, Industriekauffrau und Mutter von vier Kindern, von denen ein Sohn auch Schüler der Realschule ist, hat Spaß und bleibt entspannt. Sie behält alle acht Schüler im Blick, gibt hier noch etwas Mehl zu und dort einen Rat. Sie kontert gelassen jeden witzigen Spruch und verteilt schon mal erste Komplimente für geschmeidige Teigkugeln.

Wissen über gesunde Ernährung

„Als ich vor eineinhalb Jahren begonnen habe, waren die eineinhalb Stunden für mich so stressig wie ein Kindergeburtstag, mittlerweile haben wir alle Freude daran“, gibt sie zu. Sie hat ihre ersten Ansprüche etwas zurückgeschraubt und vermittelt ganz nebenbei praktische Tipps, Tricks und auch etwas Wissen über gesunde Ernährung.

Ein Anfang sei damit gemacht und sie lege, wenn möglich, Wert auf frische Zutaten. Sie bringt die Zutaten mit und bekommt ihre Ausgaben erstattet. In diesem Fall sind das Mehl, Hefe, Öl, Pizzatomaten in der Dose, Gouda, Thunfisch, türkische Salami, Ananas, Champignons und Oliven. Jeder kreiert den Hefefladen nach seinem Geschmack - nicht alle Zutaten landen auf der Pizza. Manches verschwindet beim Belegen auch im Mund.

Gleiches Interesse bei Jungen und Mädchen

Mädchen und Jungen scheinen gleichermaßen interessiert zu sein. Ali macht das Teigkneten „voll Spaß“, Maurice outet sich als Profi und fragt: „Muss der Teig nicht aufgehen?“. Steven hilft seinem Vater beim Bratkartoffelbraten und Annabelle kocht zu Hause schon mal Nudeln. Noah ist sehr entspannt bei der Arbeit und gesteht: „Die Koch-AG ist am coolsten, die fällt nicht so oft aus!“. Die Schüler helfen sich gegenseitig und geben sich Tipps. Die Ergebnisse sehen klasse aus (– und schmecken ebenso, denn ich habe selbstverständlich ein Stück abbekommen!). Auch das Aufräumen und Spülen zum Schluss tut der Stimmung keinen Abbruch.

Die Kochlehrerin bereitet mit den Jugendlichen Gerichte zu, die sie mögen – manchmal darf es auch Fastfood sein. „Einer der ersten Wünsche waren Chicken Wings und Pommes“, erzählt sie, „und die haben wir dann auch im Backofen gebacken“. Ansonsten sind bewährte Gerichte, die man in der kurzen Zeit zubereiten und verspeisen kann, Nudelsuppe mit Klößen, Pfannkuchen, das arabische Gericht „Kefta“, Salat, Rührkuchen (genauer: bunter Papageienkuchen!), Plätzchen und alle Arten von Desserts. Nur von Chili con Carne war niemand so recht begeistert, erinnert sich „Frau Ruth“, wie die Elf-und Zwölfjährigen sie nennen.

Rezepte zum mitnehmen

Kuchen oder Pizza werden gerne hinterher verpackt und mit nach Hause genommen, andere Gerichte gemeinsam gegessen. Zum Schluss bekommen die Schülerinnen und Schüler die einfach formulierten Rezepte mit nach Hause, um sie für die Familie nachkochen zu können. Vielleicht wurde der Kochunterricht an Schulen ja als reguläres Unterrichtsfach gestrichen, weil er einfach zu viel Spaß macht!?