Immer wieder mittwochs

Über 600 Zuhörer kamen, um Don Ross und Brooke Miller in der Freilichtbühne zu hören und zu sehen.
Über 600 Zuhörer kamen, um Don Ross und Brooke Miller in der Freilichtbühne zu hören und zu sehen.
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Ein Wohlfühltreff im Freien, diesmal mit Don Ross und Brooke Miller.

Mülheim.. Sie sind schon ein interessantes Paar: der bärig wirkende, 51-jährige Gitarren-Virtuose Don Ross und die junge zierliche Saitenkünstlerin Brooke Miller. Musikalisch harmonieren sie allerdings außerordentlich. Und wie sie sich beim Musizieren die Blicke zuwerfen und immer wieder freuen, sieht man, dass es keine Routine ist, die sie da auf der Bühne abspulen.

Don Ross ist für das Mülheimer Publikum schon so etwas wie ein alter Bekannter. Zum vierten Mal trat er jetzt in der Mittwochsreihe der Freilichtbühne auf und jedes Mal in einem anderen musikalischen Zusammenhang. Der Kontakt zu dem kanadischen Gitarristen ist der Freundschaft mit dem Mülheimer Musiker Peter Kroll-Ploeger zu verdanken, mit dem er schon oft auf der Bühne stand. So profitiert die Regler-Produktion immer wieder von einem musikalsichen Netzwerk, wie es Hans-Uwe Koch nennt. Koch war es auch, der Brooke Miller als eine Sängerin ankündigte, deren warme Stimme, wenn man sie im Autoradio hört, sofort neugierig aufhorchen und nach mehr Musik begehren lässt. Und da hatte er nicht zu viel versprochen. Nur schade, dass man solche Stimmen viel zu selten im Radio hört und wenn, dann auf entlegenen Sendern.

Für Jung und Alt

Da muss man schon zur Freilichtbühne kommen. Über 600 schätzt Koch waren es an diesem Mittwochabend. Und ein Blick in die Runde zeigte: die Altersspanne war groß. Einige rollten auf der Wiese eine Decke oder Isomatte aus, andere suchten Stühle. Alle dagegen konnten sich über einige Neuerungen freuen. Zwei neue Hütten, die für gastronomische Zwecke umgebaut wurden, sind dazugekommen, betrieben von Isi Omari, der die Reglers schon von Beginn an unterstützt. Neben Bratwurst vom Grill, gab es einen mediterranen Vorspeisenteller oder Chili con carne. Wer exotische Getränke bevorzugte, fand nebenan einen passenden Cocktail. Und als müssten die beiden neuen Großschirme an diesem Abend ihren Dienst unter Beweis stellen, fing es leicht zu regnen an, kaum, dass das Musiker-Paar die ersten Akkorde gespielt hatte.

Regenschirme wurden aufgespannt, Kapuzen hochgeklappt, doch nach einigen Minuten war alles vorbei. Beim Saisonauftakt vergangene Woche war das anders, bei kräftigem Regen scharten sich an die 200 Besucher zu den Klängen der Essener Band Royal Populace unter die Schirme. Auch beim Auftakt der Kurkonzerte herrschte das sprichwörtlich „Stalleicken-Wetter“ wie Koch mit einem Augenzwinkern erzählt. Britta Stalleicken ist ja ansonsten Klimawächterin, organisiert aber hier eine Reihe für die ältere Generation, bei der in der ersten Saison nahezu komplett schlechtes Wetter herrschte. So wie am Sonntag. Statt der sonst 50 üblichen Kuchen backte das Team, das sich Artistes de la Farine nennt, nur zehn, die dann aber auch bis auf den letzten Krümmel verspeist wurden. Und die Oldies kamen sowieso blendend an.

„Jede Menge Spaß“

Die Musik steht aber an diesem Mittwoch bei vielen gar nicht so im Mittelpunkt. Klar, vorne sitzen die Fans, die sich von Dons stupender Technik begeistern lassen. Weiter hinten stehen eher die, die sich von der einzigartigen Atmosphäre verzaubern lassen. Sie kommen, weil sie wissen, dass sie hier Bekannte treffen und sie stehen dann auch noch länger zusammen.

Wobei anzumerken wäre, dass Don Ross an diesem Abend gar nicht so tief in die Trickkiste gegriffen hat, sondern sich meist dem Spiel seiner Frau unterordnete und dies effektvoll begleitete. Nur zwischendurch spielte er doch ein „kleines Stückchen“ Solo, wie er ankündigte. Die Anregung für eines, „Any Colour but blue“, habe er auf einer Fahrt im tiefsten kanadischen Winter erhalten. Bei minus 30 Grad habe er für eine Strecke neun statt fünf Stunden gebraucht. „Aber wir hatten eine Menge Spaß.“ Man muss eben aus jeder Situation das Beste machen.

Das trifft auch auf die Regler-Produktion zu.

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