Im Labor der Klänge und Bilder

Können Roboter singen? Ja sie können: Zumindest wenn Moritz Simon Geist Hand anlegt. Zusammen mit dem Drumroboter MR-808 spielt der Soundkünstler live auf dem Shiny Toys Festival. Dieses führt Besucher auf ein Experimentierfeld der Kunst, in dem aus toten Maschinen lebendige Töne entstehen, Alltagsgegenstände zu faszinierender Kunst mutieren. Vom 30. bis 31. August laden etwa 100 Bild- und Klangkünstler zu Ausstellungen, Installationen, Konzerten und Vorstellungen zum Mitmachen an den Ringlokschuppen.

Lange Tradition

Jan Ehlen, Yochanan Rauert und Jerome Krüger sind Mitglieder des internationalen Netzwerks Shiny Toys; das Trio hat das gleichnamige Festival auf die Beine gestellt. „Das Filmemachen hat in Mülheim lange Tradition“, weiß Jan Ehlen. Christoph Schlingensief, Werner Nekes, Rainer Komers oder Dore O. sind Namen, die eng verknüpft sind mit audiovisueller Kunst in Mülheim. „Daher passt ein solches Projekt perfekt hierhin“, finden sie.

Klang in Verbindung mit bewegten Bildern stehen wieder im Mittelpunkt dieses dritten Shiny Toys Festivals. „Der Fokus liegt dabei auf der Entstehungsgeschichte“, sagt Kurator Jan Ehlen. So lernen die Besucher etwa die Historie und die Funktion einer Laterna Magica kennen. „Objekte aus der Sammlung Werner Nekes’ sind zu sehen.“ Der Mülheimer Filmemacher besitzt eine der weltweit wichtigsten Privatsammlungen zur Vor- und Frühgeschichte der audiovisuellen Medienkunst. Bei Shiny Toys geht’s vor allem ums Ausprobieren, Tüfteln, Scheitern – und „Von vorn versuchen“. In spielerischen Experimenten bekommen Alltagsgegenstände neue Funktionen, so wird der Bandschleifer zum Antriebsmotor eines Kaleidoskops oder der Kontroller einer Spielkonsole zur Soundsteuerung. Besucher dürfen in diesem Kunst-Labor zusehen, -hören und teilweise selbst ausprobieren. Ein Highlight des Festivals ist der Auftritt des brasilianischen Duos Vj Suave – sie fahren durch die Straßen der Stadt, um digitale Graffiti aufzunehmen. „Mit einem Projektor auf dem Autodach projizieren sie bewegte Comicfiguren auf Wandflächen“, erklärt Ehlen. Das Ganze wird aufgenommen und als visueller Stadtrundgang auf dem Festival zu sehen sein. Die Gruppe Skribble bespielt einen Konzertsaal im Ringlokschuppen, der zugleich Atelier und Lounge ist. Dort können Besucher die Atmosphäre selbst mitgestalten, bewegte Bilder malen und als Projektionen an die Wand werfen. Das Projekt „Lichtgestalten“ zeigt, wie man die Zeichenspielzeuge benutzt. Der experimentelle Solo-Pianist Hauschka gibt Samstag ein Konzert – „ein weiterer Höhepunkt“, meint Ehlen. Denn der Pianist arbeitet völlig analog, indem er die Saiten seines Klaviers mit Kronkorken oder Plastikfolie präpariert, entlockt er dem Instrument neue Klänge.

 
 

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