Ikone oder Abrissobjekt?

Jochen Hoffmeister, Besitzer der Kaufhof-Immobilie, neben einem Modell zur Stadtentwicklung.
Jochen Hoffmeister, Besitzer der Kaufhof-Immobilie, neben einem Modell zur Stadtentwicklung.
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim.. „Wertstadt“ – die Planungswerkstatt der Bürger, dritter Tag. An die 40 Leute haben sich am Morgen im ehemaligen Matratzengeschäft an der Leineweberstraße eingefunden. Es wird zwischen Plänen, Skizzen und Montagen eifrig diskutiert über Fassaden, Wohnen, über Hässlichkeit und Schönheit, über Potenziale der Stadt.

Mittendrin steht der Professor aus Weimar und versucht immer wieder einen roten Faden in die Debatte zu bringen, bei der es um die Frage geht: Was soll nun aus dem Kaufhof werden, nachdem sich der Wahlkampf-Flop vom prachtvollen „Ruhrbanium“ lediglich als versuchter politischer Schachzug erwies.

Mittendrin sitzt auch der Eigentümer der Immobilie, Jochen Hoffmeister, der zwei Dinge gesteht: Er hatte gedacht, dass die Investoren wie Lemminge auf ihn zuströmen würden. Nichts da. Hoffmeister sagt aber auch: „Ich bin nach wie vor von dem Standort überzeugt.“ Wie denn seine Wünsche, seine Träume für den Standort aussehen würden, wollen die Bürger von ihm wissen. „Was wäre ihr Ding, Herr Hoffmeister?“

Am Ende zählt die Wirtschaftlichkeit

Zarter Abbruch, Erhalt der Fassade, innen alles neu. Hoffmeister sagt aber auch: „Sporthalle, Markthalle – ich bin skeptisch, ob sich solche Dinge tragen.“ Er fühle sich schon mit dem Objekt gegenüber der Stadt verpflichtet, aber eben auch seiner Bank. Heißt: Am Ende zählt die Wirtschaftlichkeit.

Und so geht die Ideensuche weiter und auch die Debatte darüber: Abriss oder Ikone? Nicht wenige halten das Gebäude aus den 50er-Jahren für ein Stück Mülheimer Identität und damit für allemal erhaltenswert. Alles andere wäre eine „Sünde“. Aber auch diese Stimme eines Bürgers gibt es: „Ich empfehle Abriss und dann etwas Neues zu schaffen, etwas Modernes als Eingang in die Stadt.“ 50er-Jahre-Bauten gebe es genug.

Aber was ist schon schön, modern und was nicht? Die Halbwertzeit der Empfindungen darüber werde immer kürzer, meint Alt-OB Georg Specht. „Schönheit ändert sich.“ Und der Hotelier Karl-Heinz Noy warnt davor, gerade auf der Schloßstraße alles als hässlich einzustufen. Das sei es einfach nicht. Kein Widerspruch, Nicken. Es fällt der Satz von den Perlen, die halt nur mal poliert werden müssten.

Bike City Mülheim

Was ist schön? Mittendrin steht auch der Designer Hermann Rokitta, der zuletzt mit der „Geilen Meile“ und dem ausrangierten IC auf der Bahntrasse zumindest für Aufmerksamkeit sorgte. Daraus wird nichts, was mancher kritisiert, weil gute Ideen in Mülheim zuweilen mit einem Federstrich weggefegt würden. Rokittas jüngstes Kind: Düsseldorf hat einen Rhein-Ruhr-Airport, Mülheim einen Rhein-Ruhr-Radport. Dieser soll auf Höhe des Rathausmarktes entstehen, ein Bauwerk bestehend aus vier Pylonen, die über der Bahntrasse in die Höhe ragen: Bike City Mülheim.

Ach, Mülheim habe so viele Chancen, eine Menge an Innovationen könnten in die Stadt geholt werden, die von außen ganz anders wahrgenommen werde als von innen, berichtet ein Schulleiter, der in Sachen Erfindungen weit gereist ist. Er denkt an eine Art „Unperfekthaus“, wie es in Essen gleich neben dem Center am Limbecker Platz steht und ein Ort der Kultur, der Begegnung, des Kreativ-Seins ist. Etwas Nachahmenswertes?,

Kein roter Faden

Perfekt, unperfekt – das Stichwort für jene, die den Verkehr in der Innenstadt als das Unperfekte schlechthin ansehen, den Quell allen Übels. Beim Urteil „katastrophal“ gibt es Beifall in der Runde. Wie kommt der Fußgänger bequem zu Wasser?, ruft einer in den Raum, und ein anderer erzählt von jener Scheu, in die Innenstadt zu fahren.

Es gibt keinen roten Faden, und doch ist die Debatte anregend. Der Professor aus Weimar, Harald Kegler, versucht ein Fazit: Es gebe nicht die Lösung für das Kaufhof-Areal. Der Eigentümer sei offen für Möglichkeiten jenseits des Handels, und statt Abriss gehe es um Erhalt. Kegler ist angetan von den Mülheimer Tagen, an vielen Orten der Republik habe er Vergleichbares durchgeführt und doch falle Mülheim aus der Reihe, sagt er: „Die Menschen sind sehr an ihrer Stadt interessiert, gut vorbereitet, stark um Lösungen bemüht.“ Es geht weiter.

 
 

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