„Ihr sollt einander kennenlernen“

„Was wünschen Sie sich von unserer Generation?“ Diese Frage einer Schülerin beantwortete Yakov Hadas-Handelsman, seit März 2012 Israels Botschafter in Deutschland, am Montag im Berufskolleg an der Kluse mit einem einfachen Satz: „Ihr sollt einander kennenlernen.“ Wegen der schwierigen Vergangenheit gebe es noch heute eine besondere Sensibilität im deutsch-israelischen Verhältnis, so der 58-Jährige. „Tausende von jungen Leuten reisen jährlich nach Israel oder Deutschland.“ Für ihn sei das das Beste, was passieren könne: „Die Zukunft unserer Beziehungen basiert genau darauf. Je mehr Austausch, desto besser.“

Da passt es gut, dass die Deutsch-Israelische Gesellschaft Duisburg-Mülheim-Oberhausen für das kommende Jahr eine Fahrt mit mindestens 30 Schülern in die Partnerstadt Mülheims, Kfar Saba, plant. Anlass, so erklärt Vorsitzender Markus Püll, sei das 40-jährige Bestehen der Gesellschaft in 2017. Und es gibt noch andere Jubiläen, die er erwähnt: 2015 konnte man stolz auf ein halbes Jahrhundert diplomatischer Beziehungen zwischen den Staaten zurückschauen und in zwei Wochen feiert die Deutsch-Israelische Gesellschaft auf Bundesebene 50. Geburtstag.

Um die Daten zu würdigen, habe der Lions-Club Mülheim/Ruhr-Hellweg im Januar 2015 eine Anfrage bei der Botschaft Israels in Berlin gestellt – ob es denn nicht vielleicht möglich wäre, dass Hadas-Handelsman mal zu einem Besuch in die Ruhrstadt kommt. . .

Und wirklich, „nach rund 130 Mails“, so Püll, stand der Termin. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft und der Lions-Club hatten den Botschafter mit einem Mülheim-Bonbon gelockt: Mit einer Fahrt im Blimp „Theo“ begann gestern sein Tag. Hadas-Handelsman blickte von oben auf das Thema Strukturwandel im Ruhrgebiet. „Wir haben ihm in Duisburg die Stahlproduktion gezeigt, in Mülheim das Rhein-Ruhr-Zentrum, in Oberhausen das Centro und in Essen Zeche Zollverein.“

Wichtig war dem Botschafter aber auch die Begegnung mit den jungen Menschen. Er berichtete unter anderem davon, wie sich das Verhältnis der Israelis zu den Deutschen gewandelt habe: Dem ersten deutschen Botschafter habe noch ein „Nazi, go home“ entgegengeschallt; er sei mit Eiern und Tomaten beworfen worden. Mittlerweile aber sei das Image Deutschlands gut. „Auch, weil man nichts unter den Teppich gekehrt hat, bereit war, Schuld auf sich zu nehmen.“

Zum Abschluss ging es abends noch zu einer Festveranstaltung mit 150 Teilnehmern im Caruso in der Stadthalle. Seiner Frau, so verriet Püll schon nachmittags, konnte der Botschafter einen Bildband über das Ruhrgebiet mitbringen – und köstliche Pralinen mit Bildern Mülheimer Sehenswürdigkeiten.

 
 

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