Holländer holten sich Tipps zur Kulturhauptstadt

Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
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Mülheim.. Die Niederländer haben große Pläne, soviel steht fest. Deshalb standen am Donnerstag rund 90 Politiker aus Brabant vor der Tür des Mülheimer SWB-Hochhauses. Denn Brabant will 2018 Kulturhauptstadt werden – und Mülheim gab Tipps.

So viele Holländer auf einmal haben die Bewohner am Hans-Böckler-Platz 7 noch nie gesehen. Obwohl das Kulturhauptstadt-Projekt 2-3 Straßen häufig von Gruppen besucht wird. Am Donnerstag klingelten rund 90 Politiker und Vertreter aus der niederländischen Region Brabant an den Türen der Teilnehmer. Sie wollen 2018 Kulturhauptstadt werden und holen sich für ihre Bewerbung Anreize im SWB-Hochhaus.

In Zehner-Gruppen geht es in die Aufzüge. Schon die sind eine kleine Attraktion: In einem hängen Franz Marcs Pferde, in einem anderen dudelt Musik aus dem Radio. Es geht hoch in die achte Etage zu Jannie Schmitz: Die Designerin aus den Niederlanden lebt und schreibt hier seit Januar für das Projekt. Die Besucher lassen sich erzählen, wie Leben und Arbeit in Mülheim laufen – und sind erstaunt: „Die Kunst hat das Haus und seine Bewohner wohl sehr verändert“, meint Besucherin Inge Sebregts. Sie arbeitet als Projektmanagerin an der Bewerbung zur Kulturhauptstadt und glaubt, sich vom Mülheimer Projekt einiges abschauen zu können. „Auch bei uns gibt es soziale Problem-Bezirke, in denen es nicht so schön ist zu leben. Durch die Menschen und ihre Kunst können diese Plätze - wie man hier sieht - aufgewertet werden.“

Den Niederländern gefällt’s

Begeistert sind die Besucher vor allem über die Nachbarschaft. „Hier leben Künstler neben normalen Bewohnern, die so einen ganz anderen Zugang zu Kunst bekommen“, meint Ruth Giebels. „Eben nicht nur durchs Museum, sondern vom Menschen nebenan.“ Sie findet: „Das baut Barrieren in den Köpfen ab.“ Ein gutes Beispiel dafür sind Beate Gottwald, Tom Klockhaus und Künstler Charles Kaltenbacher, die sich in der hauseigenen Sauna kennen gelernt haben. „Seitdem machen wir viel gemeinsam“, sagt Beate Gottwald, die in Essen einen Kultur-Friseursalon betreibt, mit Bücher-Ausleihe und Lesungen Nun hört sie zu, während ihr Nachbar, der Wiener Künstler Charles Kaltenbacher, erklärt, mit welchen Themen er sich in seiner Kunst beschäftigt. Den Niederländern gefällt’s.

Als Gäste sind sie natürlich auch Teil des Kunstwerks und dürfen an den Schreibtischen mit Laptops Platz nehmen, um ihre Eindrücke aufzuschreiben. „Diese Aufzeichnungen werden eins zu eins ins Buch übertragen“, erklärt Projekt-Mitarbeiterin Elisabeth Giers. „Und zwar ohne Absätze und in der Landessprache Holländisch.“ Schließlich sind die Besucher nun Teil der Ausstellung geworden.

 
 

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