Hobby mit Hilfe verbinden

Am Rande einer Rallye: Christian Windfeder entspannt im Wüstencamp beim El-Borma (Tunesien). Rennen bestreitet der Mülheimer in einem Landrover Defender. Foto: privat
Am Rande einer Rallye: Christian Windfeder entspannt im Wüstencamp beim El-Borma (Tunesien). Rennen bestreitet der Mülheimer in einem Landrover Defender. Foto: privat
Foto: Fremdbild
Rallyefahrer Christian Windfeder möchte nicht als "Gutmensch" auftreten, aber in Tunesien und Libyen etwas gutmachen in einem Sport, der mit Menschen und Umwelt nicht selten schonungslos umgeht.

Mülheim.. Rallyes fährt Christian Windfeder „schon immer“. Bevorzugt auf tunesischen Wüstenpisten. Mehr und mehr aber versucht der 45-jährige Werbeunternehmer aus Saarn, dieses luxuriöse Privatvergnügen mit Hilfsaktionen zu verbinden. Er möchte etwas gutmachen in einem Sport, der mit Menschen und Umwelt nicht selten schonungslos umgeht.

Herr Windfeder, am Sonntag endet die diesjährige Rallye Dakar - verfolgen Sie sie?

Christian Windfeder: Ja klar. Als Rallyefahrer ist unsere Quelle vor allem Facebook. Dort bekommen wir über die Teams alle möglichen Infos. Was sie zu Abend gegessen haben, was mit den Fahrzeugen los ist, ob sie übermorgen überhaupt in Lima ankommen können.

Bei insgesamt fast 450 Teilnehmern: Wer interessiert Sie besonders?

Windfeder: Die Privatfahrer. Es gibt ja zwei Dakars: Die eine, mit den Spitzenteams, läuft im Fernsehen. Aber für 90 Prozent der Teilnehmer spielt die Zeit keine Rolle, da geht es nur ums Ankommen. Die schrauben bis nachts um vier an ihren Fahrzeugen und fahren um sechs Uhr weiter. Das ist die wahre Dakar. In der Berichterstattung wird sie aber hochstilisiert zum Sportspektakel.

... oder kritisiert als rücksichtsloser Irrsinn. Die Dakar 2012 startete gleich mit einem tödlichen Unfall.

Windfeder: Ein Motorradfahrer starb, aber der Großteil der Opfer waren bisher Journalisten und Zuschauer. Jetzt in Südamerika werden 30 Millionen Leute live an der Strecke erwartet, 28 000 Sicherheitskräfte sind insgesamt im Einsatz.

Nicht allzu viel, bei einer Gesamtstrecke von rund 9000 km durch drei Länder.

Windfeder: Genau. Ich frage mich auch jedes Mal, wenn ich die Leute so dicht an der Strecke sehe: Warum stehen die da? Das ist völlig inakzeptabel! Die Spitzenteams fahren mit 140 bis 160 km/h durchs Gelände, wenn da ein Fahrer das Steuer verreißt, wird es lebensgefährlich. Die Rallyes, die wir machen, sind dagegen reine Adventure-Touren. Da kann keiner 160 fahren, und es gibt auch keine Zuschauer. Da kommt kein Kind um.

Waren Sie im Herbst, wie geplant, wieder in Tunesien?

Windfeder: Nein. Wir wollten im November die „El Chott“ fahren, die älteste deutschsprachige Wüstenrallye, haben aber abgesagt.

Warum das?

Windfeder: Weil wir dachten, dass wir dem Land Tunesien nichts Gutes tun, wenn wir mit Lkw durch die Wüste fahren. Wenn man die Demokratie dort unterstützen will, muss man den Tourismus fördern. Wenn aber nur ein einziger Fahrer verunglückt, liefern wir den Medien Futter für negative Berichterstattung.

Sie haben im Sommer 2011 mit mehreren Rallyefahrzeugen erstmals einen Hilfstransport in das tunesisch-libysche Grenzgebiet organisiert. Eine einmalige Aktion?

Windfeder: Ich selber habe bislang nur einen Konvoi begleitet, aber es gab schon fünf, alle von Leuten aus der Rallyeszene. Mit der Initiative „Racing-Aid“ sammeln wir Spenden und Hilfsgüter für libysche Flüchtlinge. Wir haben im Dezember auch einen Container mit medizinischer Ausrüstung direkt nach Tripolis verschifft. Gerade starten wir eine neue Kampagne: „miles4Kids“.

Wie funktioniert das?

Windfeder: Rallyesportler, aber auch Abenteuer-Touristen, die nach Tunesien reisen, sollen für jeden Kilometer, den sie fahren, einen Sponsor suchen. Dieses Geld bleibt als Spende bei unseren Partnern im Land.

Um das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen?

Windfeder: Sicher auch. Es ist eine Doppelmoral, in der wir da leben. Wenn ich es unter Umweltaspekten sehe, mit Lkw durch die Wüste zu rasen, ist das nicht schönzureden. Wir verbinden unser Hobby aber mit notwendiger Hilfe.

Sie würden nicht widersprechen, dass so ein Hilfstransport zugleich eine reizvolle Wüstentour ist?

Windfeder: Ja, ich möchte mich nicht als Gutmensch darstellen. Das ist nicht zu vergleichen mit Leuten, die sich wirklich aufgeben.

Haben die Erfahrungen des letzten Jahres Sie persönlich verändert?

Windfeder: Vielleicht ein bisschen. Ich versuche meinen drei Kindern zu vermitteln, dass die Welt weit größer ist als Mülheim. Wir leben hier ja unter einer Glasglocke.

 
 

EURE FAVORITEN

Känguru-Baby Lizzy verzückt den Zoo Duisburg

Do, 19.07.2018, 13.49 Uhr
Beschreibung anzeigen