Hilferuf einer Schule

In der Städtischen Realschule Broich in Mülheim findet eine Gesprächsrunde zum Zustand der Schulestatt.
In der Städtischen Realschule Broich in Mülheim findet eine Gesprächsrunde zum Zustand der Schulestatt.
Foto: Funke Foto Services
Lehrer, Eltern und Schüler schildern, unter welchen extrem schwierigen Bedingungen in Broich Unterricht stattfindet. Die Politiker sind geschockt und wollen helfen.

Mülheim.. Gut eine Stunde lang schildern in einer abendlichen Runde Lehrer, Eltern und Schüler der Realschule Broich unter welchen extremen Bedingungen Unterricht seit Jahren stattfinden muss. „Die Bedingungen sind nicht mehr tragbar“, sagt Schulleiter Wolfgang Dahmen. Und: „Das haben Schüler einfach nicht verdient.“ Es mangelt an vielem in einer Schule, die sich allerdings großer Beliebtheit erfreut.

Geschockt hören Politiker aller Fraktionen, wie der Alltag in Broich gemeistert werden muss: 900 Schüler werden unterricht, fast 300 müssen sich in engen maroden Containern zurechtfinden, in einem schlechten Raumklima lernen. Ein Zustand, der seit fast zwölf Jahren nun anhält. Was einst ein Provisorium sein sollte, ist zur Normalität geworden. Schüler, Eltern, Lehrer – sie wollen das nicht mehr. Trotz der Container gibt es zu wenige Klassenräume. Eine Schülerin berichtet, dass im Schulkiosk jetzt Kunstunterricht stattfindet. Klassenarbeiten müssten schon mal auf dem Flur geschrieben werden. Rückzugsräume für Elterngespräche? Fehlanzeige. Ein Lernmittelraum fehlt, Textilraum, Werkraum, eine Bibliothek, Räume für den Ganztag – alles nötig, aber nicht vorhanden. Inklusion? Unter den Bedingungen sei das sehr schwierig, wie auch die Betreuung von problematischen Schülern, berichtet eine Lehrerin. Und das Lehrerzimmer! Heillos überfüllt. Längst nicht jeder hat dort einen Arbeitsplatz. Auch das ist Schulalltag.

Keine Versprechen von der Stadt

Ganz dramatisch sieht es in den Naturwissenschaften aus. Vier Räume für Biologie und Physik wären nötig, zwei gibt es.

„Wie lange sollen wir noch auf Besserung warten?“, fragen besorgte Eltern. Von allen Politikern hören sie an diesem Abend: Wir stehen auf Eurer Seite. So könne es nicht weiter gehen. Doch Versprechungen macht keiner. Jeder, der im Stadtrat sitzt, weiß, wie schwierig die Haushaltslage ist. „Sie sind vorne mit dabei“, sagt zumindest der Vorsitzende des Bildungsausschusses, Norbert Mölders. Mögliche Interimslösung, schlägt Annette Klövekorn von den MBI vor. Schülerzahl reduzieren, auch der Vorschlag wird gemacht. Doch davor warnt der Schulleiter: „Die Eltern denken sich etwas dabei, wenn sie ihr Kind hier anmelden.“ Und: Um all die Angebote an dieser „Europaschule“ zu halten, brauche man auch eine hohe Schülerzahl, so Dahmen.

In der städtischen Schulverwaltung sind die Sorgen bekannt. Dezernent Ulrich Ernst wie Amtsleiter Uwe Alex zeigen ausdrücklich Verständnis für Schüler, Lehrer und Eltern. Doch sie wissen auch, wie viele andere Problemfelder Schule es in der Stadt noch gibt, sie wissen, wie extrem ausgebucht der städtische Immobilienservice ist, der Sanierungen wie Um- und Neubauten planen und betreuen muss. Sie kennen die Zeiten, die erforderlich sind, um all die Defizite zu ermitteln, zu berechnen, die Schulentwicklungsplanung weiter fortzuschreiben, erforderliche Um- und Neubauten auszuschreiben. „Es wäre unseriös, jetzt einen Zeitpunkt zu nennen, an dem all die Probleme und Defizite behoben sind“, sagt Ernst. Und dann steht noch das große Fragezeichen hinter den Kosten. 2016 gibt es kein Geld mehr für die Schule. 2017? Möglich. Zwei, drei Jahre – bis Besserung eintritt, solange werden sie nach vorsichtigen Schätzungen sich in Broich alle noch gedulden müssen.

Franziska Krumwiede-Steiner, Sprecherin der Grünen, spürt den „höchst möglichen Druck“ auf den Stadtrat, hier tätig zu werden. Die aus Bayern stammende Politikerin berichtet aber auch aus ihrem Heimatland, wo nahezu intakte Schulen auch mal abgerissen würden, um neue, aktuellen Anforderungen entsprechende, zu bauen. Davon lässt sich in NRW träumen.

 
 

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