Hier gibt’s die „Körriwurst“

Ulrich Dörner
Gerd Neuhaus betreibt den "Imbiss im Hof" in Selbeck.
Gerd Neuhaus betreibt den "Imbiss im Hof" in Selbeck.
Foto: WAZ FotoPool

Selbeck. Sieht so eine typische Pommesbude aus? Bestimmt nicht. Gerd Neuhaus hat sich und seinen Kunden an der Ecke Kölner Straße 382/Ecke Markscheider Hof ein echtes Kleinod geschaffen. Einen Imbiss, den man in dieser besonderen Art sicherlich kaum ein zweites Mal antrifft und der doch irgendwie typisch Ruhrgebiet ist. Hier, am „Imbiss im Hof“ in Selbeck, isst man nicht nur seine Currywurst, hier trifft und kennt man sich, hält man gerne einen Plausch.

Allein die bauliche Gestaltung und Anordnung ist gleichermaßen ungewöhnlich wie einladend, denn in den kleinen Verkaufsraum gelangt man nur durch einen lichtdurchfluteten Vorbau mit milchglasiger Plastikdecke, der an das kleine Ladenlokal drangebaut ist wie ein Wintergarten. Mehrere Biertische sowie ein paar Stehtische mit Hockern laden zum Verweilen beziehungsweise direkten Verzehr ein. Draußen gibt’s auch noch einen Mini-Biergarten mit großem Sonnenschirm.

Das Fleisch kommt nicht aus dem Großhandel

So gemütlich es für die Gäste ist, so viel Arbeit steckt für Pächter Gerd Neuhaus dahinter. Täglich hat er von 12 bis 21 Uhr geöffnet. „Das bedeutet aber, dass es für mich bereits um 9 Uhr morgens los geht, zumal ich in Gladbeck wohne“, sagt Neuhaus, ohne zu klagen. Denn der 60-Jährige hat mit der Selbstständigkeit fast auf den Tag genau vor drei Jahren sein spätes Glück gefunden. 20 Jahre lang hatte er vorher als Vertreter eines Großhandels Fleisch und Fisch an gehobene gastronomische Betriebe verkauft - bis er arbeitslos wurde. Ein Kollege gab ihm den Tipp mit der damals leerstehenden Frittenbude. „Als ich den Laden hier sah, wusste ich sofort: Datt isset!“

Seitdem verkauft er Pommes und Co. auf höchstem Niveau - Neuhaus beweist, dass dies auch bei Imbissbuden möglich ist. Zum einen kommt ihm seine langjährige Erfahrung mit besten Lebensmitteln zu Gute, zum anderen hat er recht hohe Ansprüche: „Ich habe von Anfang an das Geld lieber in Lebensmittel aus der Region als zum Beispiel in Spielautomaten an der Wand gesteckt. Das Fleisch für die Würste, die Frikadellen, Schaschlik und die Schnitzel kaufe ich ausschließlich bei guten Metzgern und nicht im Großhandel.“

Mayonnaisen aus eigener Herstellung

Auch seine Soßen stellt er selber nach speziellen Rezepten her, ebenso die Frikadellen, „die bei mir niemals in die Fritteuse kommen.“ Zudem bietet er Mayonnaisen aus eigener Herstellung („nur 25 Prozent Fett“) an, darunter Besonderheiten wie Trüffelmayo und scharfe Mayo. Die Fritten werden ausschließlich in feinem Pflanzenöl zubereitet - in exakt vier Minuten und zehn Sekunden. Dafür hat er zwei digitale Warnton-Wecker an der Fritteuse stehen. „Pommes“, erklärt Neuhaus, „sind nicht nur einfach Sättigungsbeilagen. Man muss sie genauso gepflegt behandeln wie ein Rinderfilet.“

Und dann ist da noch die Currywurst, die bei Neuhaus „Körriwurst“ heißt. „Wir sind hier schließlich im Ruhrpott.“