Heiße Anlage?

Jeder kann sich nun ein Stück Mülheimer Feuerwache kaufen.  Bild: Stephan Glagla
Jeder kann sich nun ein Stück Mülheimer Feuerwache kaufen. Bild: Stephan Glagla
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool

Mülheim. Sie haben Geld, wollen es gut anlegen, vielleicht eines Tages zweistellige Renditen damit machen, aber nicht irgendwo in Südeuropa, sondern am liebsten vor Ort: Wie wäre es mit einem Stückchen Mülheimer Feuerwehr? Ab 10 000 Euro zu haben.

Die neue Feuerwache, erst vor zehn Monaten feierlich eingeweiht und als eine der modernsten auf der Welt angepriesen, wurde von der Mülheimer Projektentwicklungsgesellschaft SMW an die Hannover Leasing verkauft, die nun Fondsanteile von der Feuerwehr verkauft und bis zu sechs Prozent Rendite verspricht. Die Politik zeigt sich nicht nur überrascht, sondern auch besorgt.

„Wir sind den neuen Besitzern und Fondseigentümern ausgeliefert“, stellt Lothar Reinhard von den Mülheimer Bürgerinitiativen fest und mag gar nicht daran denken, wenn „die eines Tages ihre Renditen weiter steigern möchten.“ Die MBI fürchten deutliche Nachteile für die Feuerwehr, letztlich wieder einmal finanzielle Nachteile für die Stadt.

Geschäftemacherei

„Merkwürdig und ärgerlich“, nennt der CDU-Fraktionschef Wolfgang Michels die Geschäftemacherei um die Feuerwehr. Ungute Gefühle beschleichen viele Politiker, und Dieter Wiechering, der in über drei Jahrzehnten Kommunalpolitik derartiges noch nie erlebt hat, meint nachdenklich: „Uns mag das skeptisch stimmen, in der Bankenwelt ist das wohl Alltag.“ Doch auch er sagt deutlich: „Ich hätte die Feuerwehr als eine der wichtigsten kommunalen Einrichtungen lieber in örtlicher Hand gesehen.“Related content

Doch der Wunsch war schnell ausgeträumt. Die Mülheimer Feuerwache an der Aktienstraße befand sich seit langem in einem miesen Zustand, kaum zumutbar. Eine neue muss her, darin war sich der Rat schnell einig. Doch 40 Millionen Euro konnte man nicht mehr aufbringen. Ein Grundstück hatte man aber auf dem ehemaligen Bahngelände an der Duisburger Straße. Das verkaufte die Stadt an das Konsortium aus Sparkasse, und Mülheimer Wohnungsbau, kurz SMW. Diese Projektentwicklungsgesellschaft finanzierte den Bau, und alle in der Stadt waren froh über den Investor in den eigenen Reihen. Man war teils per Du, an der Spitze des Mülheimer Wohnungsbaus steht immerhin auch der damalige SPD-Unterbezirksvorsitzende, der mit der OB ein enges Gespann bildete. Die Stadt mietete von SMW die Feuerwache für 20 Jahre an, natürlich mit der Option zu verlängern. Der jährliche Mietpreis wurde öffentlich nie genannt, die Rede ist von etwa 3,8 Millionen Euro im Jahr. Related content

Doch SMW wollte schneller Geld verdienen, und noch bevor der erste richtige Alarm bei der Feuerwache einging, wurden schon Verkaufsgespräche geführt, von denen selbst Politiker, die gewöhnlich überall sehr nah dran sind, erst kurz vor der Unterschrift erfuhren. Völlig legal alles. Aber wie, fragt sich jetzt die Politik, kann der Immobilienfonds so hohe Gewinne ausschütten, die MBI wollen gar von zehn Prozent gehört haben. „Zahlen wir zu viel Miete?“ lautet die Frage. „In der Miete steckt doch die Rendite drin“, sagt Michels. Und auch Tim Giesbert, Fraktionschef der Grünen, schaut skeptisch auf die Gewinne, fragt sich aber auch: „Welche Alternative hätten wir zu dem Geschäft mit SMW gehabt?“

Umwegfinanzierungen

Und der Hausherr, der Feuerwehrchef? Burkhard Klein freut sich über das technische Meisterwerk und hofft, dass es auch in 20 Jahren noch so in Schuss ist wie am ersten Tag. Das sollen Verträge regeln, auch das ist im Mietpreis enthalten. Dass seine Feuerwache nun an den Finanzmärkten gehandelt wird, bereite ihm emotional etwas Unruhe, aber mehr auch nicht.

Die Mülheimer Bürgerinitiativen wollen derartigen „Umwegfinanzierungen“ am liebsten einen Riegel vorschieben, um „Herr im eigenen Haus zu bleiben“, wie sie sagen. Und für den aktuellen Feuerwehr-Fonds schlägt Reinhardt vor: Die Stadt sollte schnell noch einen günstigen Millionen-Kredit aufnehmen und sich davon Feuerwehr-Anteile ins Depot legen. „Bei den versprochenen Renditen wäre das mal ein gutes Geschäft für die Stadt.“ Doch das ist nur politische Theorie. Related content