Hausärztemangel in Mülheim verschärft sich

Andreas Heinrich
In Mülheim wird die Zahl der niedergelassenen Hausärzte immer kleiner. Die örtliche Ärztekammer warnt vor einem Engpass, da 20 Prozent der Mediziner in dieser Zeit in den Ruhestand gehen. In ganz Nordrhein müssten jährlich an die 200 Hausärzte nachrücken, die es nicht gibt.

Mülheim. Wird in fünf Jahren noch jeder in Mülheim ohne Probleme einen Hausarzt finden? Der Engpass, warnt der Vorsitzende der örtlichen Ärztekammer, Uwe Brock, verschärft sich in mehrfacher Hinsicht: 20 Prozent der Mediziner mit hausärztlicher Versorgung gehen in dieser Zeit in den Ruhestand.

Nachfolger? Fraglich. In ganz Nordrhein, so Brock, müssten jährlich an die 200 Hausärzte nachrücken, die es nicht gibt. Und die, die praktizieren, werden älter, immer mehr arbeiten über das 65. Lebensjahr hinaus, damit die Patienten noch versorgt würden, und immer mehr Ärzte, so Brock, machten in einer anderen Stadt eine Zweitpraxis auf – nur für Private.

20 Arztpraxen nur für Privatpatienten

Allein in Mülheim gebe es inzwischen an die 20 Arztpraxen nur für Privatpatienten. Der Ärztenachwuchs, fürchtet Brock, werde das Problem nicht lösen: „Auf 14 neue Fachärzte in Nordrhein kommt nur ein Hausarzt.“

Die Mediziner hadern seit längerem schon mit dem System. Die Arbeitslast wächst mit der Patientenzahl, die bei manchen Hausärzten die 1000 deutlich überschreitet. Spezialisierungen nehmen zu und damit die Anforderungen, und mit dem Zeitdruck, so Brock, steige das Risiko, Fehler zu machen. Ungelöst aus Sicht der Ärztekammer ist die Finanzierung: Zwölf Euro pro Monat für einen Patienten reichten unterm Strich nicht. Wie groß der Unmut ist, versucht zurzeit die Kassenärztliche Bundesvereinigung herauszufinden.

150.000 niedergelassene Mediziner bekamen in diesen Tagen Post von ihrer Bundesvereinigung. Sie sollen Stellung beziehen: Es geht um kostendeckende Preise für ärztliche Leistungen, um therapeutische Freiheit im Alltag, um den Umgang mit möglichen Regressansprüchen, um die Frage, ob die Leistung eines Arztes, der sehr viele Patienten versorgt, am Ende immer schlechter honoriert werden darf. Es geht aber auch um Belastungen in Arztpraxen, die Zeit für den einzelnen Patienten und um die schlichte Frage: Macht Ihnen die Arbeit noch Freude?

Wer wird die ärztliche Versorgung sicherstellen?

Noch nie, sagt Brock, habe es so eine Befragung gegeben, hinter der, je nach Ergebnis die Frage stehe: Wer wird die ärztliche Versorgung von morgen in den Städten und auf dem Land sicherstellen? Und wie wird sie aussehen? Durchaus möglich sei es, dass sich das System ändere, dass Ärzte aus dem System sogar aussteigen und die Krankenkassen die wohnortnahe Versorgung ganz neu verhandeln müssen.

Eine Art Erpressung? Nein, sagt Brock, eher gehe es darum, ein belegbares realistisches Meinungsbild aus der Ärzteschaft zu bekommen.