Hartz IV erreicht Rekordwert in Mülheim

70 Prozent der Hartz IV-Empfänger sind inzwischen über 24 Monate ohne Job. So ist auch oft wenig Geld in der Börse.
70 Prozent der Hartz IV-Empfänger sind inzwischen über 24 Monate ohne Job. So ist auch oft wenig Geld in der Börse.
Foto: WAZ FotoPool
Fast 20.000 Betroffene – und Amtsleiter Klaus Konietzka erwartet durch die Flüchtlinge noch einen weiteren Anstieg um 1000 Personen in 2016.

Mülheim. Die Zahl der Haushalte, die in Mülheim von Hartz IV leben, ist auf einen neuen Rekordwert gestiegen. 9579 Haushalte mit 19.255 Leistungsberechtigten zählt die Sozialagentur in diesen Tagen. Doch die Zahl, so Amtsleiter Klaus Konietzka, sei für die Stadt nicht besorgniserregend.

Zum einen stehe Mülheim damit im Vergleich zu vielen anderen Kommunen im Ruhrgebiet immer noch besser da, zum anderen sei der Anstieg erklärbar und zu erwarten gewesen. Eine sich verfestigende Langzeitarbeitslosigkeit und die Zunahme an Flüchtlingen macht Konietzka für den Spitzenwert verantwortlich. Die Tendenz sei steigend: „Wir erwarten in diesem Jahr weitere rund 1000 Flüchtlinge, die Hartz IV bekommen werden.“

Je länger sie keine Arbeit haben, desto schwieriger werde es

70 Prozent der Hartz IV-Empfänger sind inzwischen über 24 Monate ohne Job. Je länger sie keine Arbeit haben, so Konietzka, desto schwieriger werde es. Ohnehin hätten die meisten von ihnen deutliche Defizite in der Qualifikation. Erneut plädiert der Chef der Sozialagentur daher für einen öffentlich geförderten sozialen Arbeitsmarkt, um den Menschen auch soziale Teilhabe zu ermöglichen.

Viel Zeit, so Konietzka, werde die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen erfordern. Derzeit sind 650 Flüchtlinge unter den Hartz IV-Beziehern. Gut 80 Prozent der Asylbewerber sind in einem erwerbsfähigen Alter, der Großteil ist noch unter 25 Jahren. Doch die meisten haben bisher keine Berufsausbildung. Bildungschecks der Stadt ergaben, dass von 100 Flüchtlingen rund 30 so etwas wie eine Schulausbildung haben. „Dabei liegt die Schulzeit zwischen zwei und acht Jahren“, so Konietzka.

Nur knapp die Hälfte der Flüchtlinge nach fünf Jahren integriert

Für den Amtsleiter stellt die Arbeitsmarktintegration der bleibenden Flüchtlinge die große Herausforderung in den nächsten 15 Jahren da. Dabei verweist er auf Berechnungen des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Danach ist etwa nur knapp die Hälfte der Flüchtlinge nach fünf Jahren integriert.

Hoffnung macht dagegen die Motivation. „Gerade bei Asylbewerbern aus Syrien ist diese sehr hoch“, so Konietzka. Die Investitionen lohnten sich daher erst recht, finanziell wie zeitlich. Gerade zeitlich soll die Sozialagentur künftig durch neue Gesetze bessere Arbeitsbedingungen haben: Weniger Bürokratismus, mehr Zeit für Beratungen ist das Ziel.

 
 

EURE FAVORITEN