Hannelore Kraft besucht Schach-Ausstellung im Museum Alte Post in Mülheim

Bei der Ausstellung "Schach" im Museum Alte Post in Mülheim sind Schach-Kunstwerke zu sehen. Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war schon zu Gast. Bild: Stephan Glagla
Bei der Ausstellung "Schach" im Museum Alte Post in Mülheim sind Schach-Kunstwerke zu sehen. Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war schon zu Gast. Bild: Stephan Glagla
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Mit politischen Schachzügen kennt sie sich aus: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft besuchte die Ausstellung "Schach" im Kunstmuseum Alte Post. Nebenan wurde auf Profi-Niveau gespielt - für die Schach-Bundesliga.

Mülheim.. Rote Dame schlägt schwarzen Läufer – dieser Schachzug dürfte Hannelore Kraft angesichts der Debatte um Neuwahlen in NRW und mit Blick auf ihren Gegenspieler und CDU-Landeschef Norbert Röttgen gefallen. Pech nur für sie, dass es beim Schachspiel ausschließlich schwarze oder weiße Brettfiguren gibt. Das hielt die Ministerpräsidentin nicht ab, am Samstag die Ausstellung „Schach“ im Kunstmuseum Alte Post zu besuchen – während zeitgleich Partien der Schach-Bundesliga in einem Raum stattfanden.

„Politik und Schach haben ein besonderes Verhältnis“, flüstert Hannelore Kraft Museumsleiterin Beate Reese während des Rundgangs entlang der Ausstellungsexponate zu. Gefolgt von Personenschützern, einigen wenigen Bürgern und Besuchern sowie einer Hand voll Fotografen, erläutert Reese der Landesmutter Stationen in der sehr sehenswerten musealen Verbindung von Bildern, Schach und der intellektuellen Meta-Ebene, die sich in der Kunstgeschichte anhand verschiedenster Künstlerbiografien aufzeigen lässt. „Das Schöne bei meinem Amt ist, dass man alles erklärt kriegt“, scherzt Kraft.

Jedes Geräusch stört die Konzentration

Ob die Akteure an den Wettkampftischen dies auch so sehen? Eher nicht, sie könnte man als erstes „Bauernopfer“ an diesem Tag bezeichnen: Denn selbst der leise Gang der Ministerpräsidentin zieht Blicke auf sich, während die ausschließlich männlichen Kontrahenten der OSG Baden-Baden und des SV Mülheim Nord 1931 über den Brettern brüten. Letzterer organisiert das Quasi-Heimspiel in Kooperation mit dem Kunstmuseum und hätte am Eingang eben nicht nur „Bitte still sein“, sondern auch „Anstarren verboten“ als Schild aufhängen sollen. Wie sehr die Konzentration im Ausstellungsraum litt, konnte die WAZ bei den Spielern nicht ermitteln. Sie erinnern sich vielleicht: „Bitte still sein!“

Spaß beiseite, ohne Frage ist dem Museum mit „Schach“ ein Glücksgriff gelungen, um vielleicht auch (über-)regional Anerkennung für das Konzept zu bekommen. In Zeiten, wo Kultur und ihr Wert nur noch betriebswirtschaftlich unter die Lupe genommen wird, bedarf es interdisziplinärer Ideen zur Begeisterung breiterer Schichten, wie dieses Zusammenspiel von Sport und Kunst nun zeigt.

Kunst und Brettspiel

Gegenwartskünstler, die sich in ihren Arbeiten mit dem Brettspiel auseinandersetzen, wie etwa der Würzburger Hans-Peter Porzner, treffen auf die Moderne: zum Beispiel auf Kandinskys „Gegengewichte“ aus dem Fundus des Kunstmuseums oder Dalís „Don Quichotte“ und den dadaistischen Kurzfilm „Entr’acte“ („Zwischenakt“) von René Clair aus der Sammlung Werner Nekes. In letzterem aus dem Jahr 1924 tauchen zwei bedeutende Protagonisten, was die Beziehung von Künstlern und Schach angeht, auf: Man Ray und Marcel Duchamp.

Dabei ins Hintertreffen zu geraten, befürchtet Heinz Schmitz, Vorsitzender des SV Mülheim-Nord, nicht. Er verweist auf den Bildungscharakter seiner Sportart im Ruhrgebiet: „Früher war es ein Spiel der Fürstenhäuser, andere waren ausgeklammert. Es ist dann aus höchsten Kreisen abgestiegen, bis zu den Arbeiterhäusern.“ Einen Einwand lässt sich Hannelore Kraft in dem Moment nicht nehmen: „Zu der Zeit kam auch die Sozialdemokratie auf.“ Die Anwesenden lachen – ein perfekter Schachzug der Ministerpräsidentin.

 
 

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