Haben Kunden keine Lobby?

Im September wird der Dickswall zwischen Tourainer Ring und Kuhlendahl für zwei Wochen zum Nadelöhr.
Im September wird der Dickswall zwischen Tourainer Ring und Kuhlendahl für zwei Wochen zum Nadelöhr.
Foto: WAZ FotoPool
In wenigen Wochen wird die Innenstadt zur Großbaustelle. Die Probleme für Handel und Kundschaft sind seit Monaten bekannt. Es gibt den Vorschlag eines Einkauf-Shuttles. Passiert ist trotzdem: nichts

Mülheim. Wie es dem Handel geht, hat wohl keine hohe Dringlichkeit in der Stadt.“

Der das gestern in der Zeitung sagte, war Wolfgang Pins, Center-Manager des Forums. Wie berichtet, hatten er und andere Innenstadthändler sich am 13. Juni schriftlich mit einer Idee an die Stadt gewandt. Um den Kunden die Einfahrt in die auf Jahre absehbare Dauerbaustelle Innenstadt zu erleichtern, sollen sie am Stadtrand parken und für kleines Geld mit der MVG zum Einkaufen fahren können. Passiert ist seitdem nichts.

Jetzt sind es noch wenige Wochen, bis im September der Dickswall zwischen Tourainer Ring und Kuhlendahl durch eine Großbaustelle für zwei Jahre zum Nadelöhr wird. Das Tiefbauamt hatte die Politik bereits im März über diese und zahlreiche weitere Baustellen informiert. Bei den Händlern löste diese Information Sorgen, bei einigen sogar Existenzsorgen aus, denn die Umsätze sind vielfach nicht üppig. Bei einem Innenstadt-Forum Anfang April wurden die Händler informiert.

"Die Idee hat eine Chance verdient"

Bei diesem Termin wurde auch die Idee eines Einkaufs-Shuttles durch Forum-Geschäftsführer Wolfgang Pins erstmals öffentlich. Planungsdezernent Peter Vermeulen versprach damals eine wohlwollende Prüfung. Die Händler hatten den Eindruck gewonnen, wie es eine Teilnehmerin ausdrückte, „dass die Verwaltung für unsere Sorgen sensibilisiert ist und sie ernst nimmt.“ Seitdem haben die Händler an der Idee gefeilt, den „Autopapst“ Gerd Dudenhöfer um Rat gebeten und ihr Konzept variiert und konkretisiert, worüber dann auch mehrere Male berichtet wurde.

Passiert ist nichts, außer dass die Oberbürgermeisterin den Brief an die Fraktionen weitergeleitet hat. Also doch: Kein Interesse der Politik an der Innenstadt?

Einige Ratsvertreter, die wir befragten, bestreiten das, natürlich. Mehr noch: Sie halten den Vorschlag sogar für eine gute oder zumindest für eine prüfenswerte Idee. „Wir begrüßen alle Ideen, die die Unannehmlichkeiten, die mit den Baustellen in Verbindung stehen, mindern“, sagt Claus Schindler, planungspolitischer Sprecher der SPD. „Die Idee hat eine Chance verdient“, findet Tim Giesbert, Fraktionschef der Grünen. Wie seine Kollegen will Schindler den Vorwurf nicht unwidersprochen im Raum stehen lassen. Er habe schon versucht, mit dem Center-Manager des Forums Kontakt aufzunehmen. Auch Peter Beitz, Fraktionschef der FDP, beteuert, dass die Kaufmannschaft für seine Partei höchste Priorität habe. Er sagt aber auch: „Wenn man mich nicht fragt, dann antworte ich auch nicht.“

Finanzierungsmodell entwickelt

Mehr oder weniger direkt geben alle zu verstehen, dass sie gehandelt hätten, wenn das Anliegen direkt an sie und nicht an das Planungsdezernat oder die OB herangetragen worden wäre. „Mit mir hat die Kaufmannschaft noch nicht gesprochen“, sagt auch CDU-Fraktionschef Wolfgang Michels. Ob die Auswirkungen der Baustelle gravierend sein werden, da hat er Zweifel. „Das wird nicht so tragisch.“ Dass viele in einen Pendelbus steigen, bezweifelt er. Er hält die Verkehrsführung insgesamt für eine Katastrophe, durch Optimierungen sei es aber gelungen, die Probleme zu mindern. Und: „Wenn ich helfen kann, dann gerne.“

Die Politik müsste vor allem auf Parkeinnahmen verzichten und mit den Händlern und der MVG ein Finanzierungsmodell entwickeln. „Es wäre abwegig, zugunsten von Parkgebühren die Pleite von Geschäften hinzunehmen“, meint Tim Giesbert. Beitz will darüber in der kommenden Woche in der Fraktion beraten. „Wenn es gewollt wird, dann kann es schnell gehen“, zeigt er sich zuversichtlich.

Hermann Pogge, Vorsitzender der WGI hatte bereits im April die Schwerfälligkeit der Politik beklagt, der der Ernst der Situation offenbar nicht bewusst sei.

 
 

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