Mülheim

Gruppenvergewaltigung in Mülheim: Prozessauftakt startet mit Paukenschlag! So geht es dem Opfer jetzt

Mülheim: Prozessauftakt nach mutmaßlicher Gruppenvergewaltigung
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Mülheim. Diese Tat in Mülheim hatte im vergangenen Sommer ganz Deutschland schockiert – und schon der Prozessauftakt am Dienstag beginnt mit einem Paukenschlag!

In Mülheim sollen fünf Kinder und Jugendliche ein 18 Jahre alte Frau in ein Waldstück gelockt, geschlagen und brutal vergewaltigt haben. Die mutmaßlichen Täter waren zur Tat zwischen zwölf und 14 Jahren alt. Am Dienstag hat vor dem Landgericht in Duisburg der Prozess gegen drei Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren begonnen.

Gruppenvergewaltigung in Mülheim: Angeklagter sagt, Sex sei einvernehmlich gewesen

Vor Gericht schwiegen die drei Angeklagten. Doch das Schweigen sei als ein Bestreiten der Vorwürfe zu deuten, so Verteidiger Marc Decker. Er vertritt den angeklagten Dzehm R. (14).

Decker sagte DER WESTEN: „Es gab eine Begegnung mit der Zeugin. Mein Mandant sieht das so, dass es zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gekommen ist.“ Es habe vorher schon einmal ein Treffen zwischen dem Mädchen und den Jungs gegeben und man habe immer wieder über WhatsApp in Kontakt gestanden, so Decker.

Opfer in psychologischer Betreuung

Der Verteidiger will deshalb auf Freispruch plädieren.

+++Gruppenvergewaltigung in Mülheim: Ein Detail sorgt besonders für Entsetzen+++

„Meine Mandantin wird das anders schildern“, entgegnete Opfervertreterin Kirsten Etzbach. „Ihr geht es nicht gut, sie ist traumatisiert und muss stabilisiert werden.“ Die junge Frau befindet sich in psychologischer Behandlung. Sie soll zu einem späteren Zeitpunkt im Prozess aussagen.

Die Tat soll sich in der Nähe eines Spielplatzes in Mülheim zugetragen haben. Ein Hund von Anwohnern hatte angeschlagen, woraufhin diese im Gebüsch nachgesehen hatten. Als sie die Frau hilflos vorfanden, hatten sie den Notruf gewählt. Wenig später trafen Polizisten eine Gruppe von fünf Jugendlichen an, auf die die Beschreibung passte.

Angeblich soll das Geschehen auch gefilmt worden sein. Die Aufnahmen sollen vor Gericht gezeigt werden, so Anwalt Decker.

Angeklagten betreten verhüllt den Gerichtssaal

Dzehm R. ist wie ein weiterer Angeklagter auf freiem Fuß. Er kam zu Beginn des Prozesstages in dicker lila Winterjacke, ein Schal bedeckte sein Gesicht. „Mein Mandant ist wie ein ganz normaler 14-jähriger Jugendlicher. Er zeigt keinerlei Auffälligkeiten und ist absolut umgänglich“, so Anwalt Decker über den Angeklagten.

Decker sagt über den Zustand seines Mandanten: „Er ist schockiert darüber, dass es ein Verfahren und eine Anklage gibt und eine hohe Strafe droht und er leidet auch darunter, keine Frage.“

Hauptangeklagter sitzt in U-Haft

Der zweite Mitangeklagte versteckte sich unter der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze seines weißen Pullis. Der Hauptangeklagte Georgi S. (15) sitzt seit der Tat in U-Haft. Er wurde am Dienstagmorgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Gerichtssaal 157 geführt. Ihm wird eine weitere Vergewaltigung desselben Opfers vorgeworfen. Hinten im Gerichtssaal nahmen die Familien der Jugendlichen im Zuschauerraum Platz. Auch sie hatten sich verhüllt, niemand sollte sie erkennen.

Der Prozess am Duisburger Landgericht findet aufgrund des Alters der Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Den drei Angeklagten droht im Falle einer Verurteilung eine Jugendgefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren“, so Duisburgs Gerichtssprecherin Sarah Bader.

Mülheim: Gruppenvergewaltigung erschüttert im Sommer

Das Verfahren gegen zwei ebenfalls beteiligte Zwölfjährige wurde inzwischen eingestellt. Sie sind aufgrund ihres Alters strafunmündig.

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Die mutmaßlichen Gruppenvergewaltiger stammen aus Bulgarien, leben mit ihren Familien in Mülheim. Die Familie des Hauptangeklagten sollte im Herbst 2019 Deutschland verlassen. Grund: Die Eltern hatten keinen gültigen Arbeitsvertrag, wie sich bei einer Überprüfung gezeigt hatte. Ein vom Vater vorgelegter Vertrag bei einem Imbiss stellte sich als Fälschung heraus.

Familie des Hauptangeklagten sollte ausgewiesen werden

Kurz bevor im November eine Frist zur Ausreise der Familie auslief, präsentierte die Mutter einen neuen Kontrakt als Putzkraft. Die Abschiebung war damit ausgesetzt. Inzwischen ist die Familie aus Mülheim weggezogen, so Stadtsprecher Volker Wiebels auf DER WESTEN-Nachfrage. Wohin, ist unklar.

Für das Verfahren vor dem Duisburger Landgericht sind zehn Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil soll am 5. März fallen.

 
 

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