Mülheim

Nach Gruppenvergewaltigung in Mülheim: Nachbarin des Anführers (14): „Ich habe Angst“

Die Jugendlichen sollen die Frau ins Gebüsch gelockt haben.
Die Jugendlichen sollen die Frau ins Gebüsch gelockt haben.
Foto: Justin Brosch

Mülheim. Dieses Verbrechen beschäftigt aktuell ganz Deutschland: In Mülheim sollen fünf Jugendliche und Kinder ein 18 Jahre altes, leicht geistigbehindertes Mädchen vergewaltigt haben.

Die schreckliche Tat in Mülheim hat längst eine Debatte über das Jugendstrafrecht losgetreten. Denn in Deutschland sind Jugendliche unter dem Alter von 14 Jahren nicht strafmündig, können also nicht strafrechtlich belangt werden. Die mutmaßlichen Täter kommen aus Bulgarien, leben mit ihren Familien aber in Mülheim.

Mülheim: Fünf 12 bis 14-Jährige sollen eine junge Frau vergewaltigt haben

Die fünf Verdächtigen sollen die junge Frau geschlagen und sexuell missbraucht haben. Sie ist traumatisiert und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Polizei ermittelt wegen eines schweren Sexualdelikts.

Die Aufarbeitung des Falls ist komplex: Immerhin sind zwei der Verdächtigen nicht einmal strafmündig.

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Vergewaltigung in Mülheim - die Fakten in Kürze:

  • Am Freitagabend wurde eine junge Frau in Mülheim sexuell missbraucht
  • Sie ist traumatisiert und wurde in ein Krankenhaus gebracht
  • Dringend tatverdächtig sind fünf Jungen im Alter von 12 bis 14 Jahren
  • Alle fünf stammen aus Bulgarien und sind wohnhaft in Mülheim
  • Die Familien der mutmaßlichen Täter leben seit mehreren Jahren in Deutschland
  • Zwei der Familien waren dem Jugendamt bereits bekannt
  • Ein 14-jähriger Verdächtiger sitzt in Untersuchungshaft
  • Verdächtiger ist schon zweimal wegen sexueller Belästigung aufgefallen

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Alle Informationen zur Gruppenvergewaltigung in Mülheim im Newsblog:

Dienstag, 16. Juli:

Am Montag (15. Juli) fanden sich sieben Frauen und ein Mann in Gelbwesten vor dem Mülheimer Rathaus ein. Sie sind wütend, wie sie gegenüber der NRZ erzählen.

Wütend über die Zustände in Mülheim, wütend über dem Umgang mit den 12 bis 14 Jahre alten bulgarischen Tatverdächtigen.

Die Frauen geben gegenüber der Zeitung an, dass sie aus den Stadtteilen Heißen, Saarn und Styrum kämen. Sie wollen nicht in die rechte Ecke geschoben werden, nur weil sie fordern, dass straffällig gewordene Migranten samt ihrer Familien abgeschoben werden sollten.

Eine alleinerziehende Mutter gibt an, dass sie direkt gegenüber des Rädelführers der Vergewaltiger-Truppe wohnt. „Ich geh’ um halb fünf morgens raus, da hab ich Angst“, sagt sie der NRZ.

Eine andere Styrumerin berichtet von Pöbeleien und frauenfeindlichen Sprüchen, die sie regelmäßig zu hören bekommt. Der Vorwurf der Frauen an die Stadtverwaltung: Seit Jahren wird nichts unternommen, um der Verrohung in ihrem Viertel Einhalt zu gebieten.

>> Den ganzen Artikel kannst du bei der NRZ lesen.

Samstag, 13.Juli:

Die Mutter eines Verdächtigen hat mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gesprochen. Darin beteuert sie die Unschuld des 12-Jährigen: „Mein Sohn ist noch ein Kind, wie soll so etwas denn gehen?“ Und weiter: „Ich glaube ihm, dass er nichts Schlimmes getan hat.“

Freitag, 12. Juli

17.36 Uhr: Die Stadt Mülheim hat eine Ausweisung der Familien der Verdächtigen nach Bulgarien geprüft. Doch wie der WDR jetzt berichtet, ist es nach EU-Recht nicht möglich, sie in ihr Heimatland zurückzuführen. Da die bulgarischen Familien Jobs in Deutschland nachweisen können, gebe es keine Handhabe.

Schwerkriminelle EU-Bürger können grundsätzlich jedoch schon ausgewiesen werden. Da es sich in dem konkreten Fall jedoch um Minderjährige handelt, die ohne Eltern nicht des Landes verwiesen werden können, können die Familien nicht einfach rückgeführt werden, heißt es weiter.

15.40 Uhr: In den sozialen Medien taucht derzeit immer wieder ein Video auf, dass angeblich einen der mutmaßlichen Täter zeigt. Hunderte Male ist der Clip bereits geteilt worden.

Zu sehen ist eine Gruppe von Jungs in einer Art Hinterhof oder Toreinfahrt, vieles deutet darauf hin, dass die Szene in Mülheim aufgenommen worden ist.

Einer der Jungs rappt in die Kamera, die Wörter sind Teilweise nicht klar zu verstehen: „Was ist mit dir Alter, ich habe gerade die (unverständliches Wort) auf Bank gefickt, und dann ich komme deine Mutter ficken, geh mal weg“, lautet etwa eine „Textzeile“.

Unter anderem bei Facebook wird behauptet, bei dem Jungen handle es sich um einen der mutmaßlichen Täter, die in Mülheim eine junge Frau vergewaltigt haben sollen. Angeblich prahle der Junge mit seiner Tat, heißt es.

Gruppenvergewaltigung in Mülheim: Polizei kennt das Video

Die Essener Polizei und die Staatsanwaltschaft Duisburg haben Kenntnis von dem Clip. „Es ist allerdings älter und lange vor der Tat aufgenommen worden“, so ein Sprecher der Polizei Essen. Einen direkten Bezug zu der Gruppenvergewaltigung von Mülheim gebe es nicht.

Ob der Junge,der im Video zu sehen ist, tatsächlich in einem Zusammenhang mit der Tat in Mülheim steht, konnte die Polizei weder bestätigen noch ausschließen.

Woher das Video ursprünglich stammt, ist unklar.

12.24 Uhr: Die Mutter eines Verdächtigen (12) hat sich jetzt gegenüber Spiegel Online zu Wort gemeldet. Dort verteidigt sie ihren Jungen. Sie glaube an seine Unschuld, heißt es da. „Mein Sohn ist noch ein Kind, wie soll so etwas denn gehen?“, sagte sie dem Online-Portal. Er sei ganz verängstigt und liege nur noch im Bett.

Sollte jedoch herauskommen, dass doch alles stimmt, dann tut es ihr leid. Dann wolle sie „bei dem Mädchen und ihrer Familie tausendmal um Entschuldigung bitten."

11.39 Uhr: Zwei der Tatverdächtigen der Gruppenvergewaltigung sind Cousins. Das bestätigte Stadtsprecher Volker Wiebels auf Nachfrage von DER WESTEN. Alle Verdächtigen seien außerdem miteinander befreundet und leben in der gleichen Straße.

Donnerstag, 11. Juli

20.20 Uhr: Der Fall um die Gruppenvergewaltigung trifft eine weitere Person besonders hart, ruft Erinnerungen ins Gedächtnis. Die Bild (Bezahlinhalt) hat mit der 52-jährigen Irene M. gesprochen. Ihre Tochter soll vor 10 Monaten von Georgi S. und seinen Freunden auf einem Spielplatz sexuell belästigt worden sein. Die damals 14-jährige Tochter von Irene war im September mit einer Freundin auf einem Spielplatz.

Plötzlich tauchte eine Gruppe von Jungen auf und fragten die Mädchen nach Zigaretten. Als Irenes Tochter verneint, zieht die Gruppe wieder ab – nur um wenig später von hinten aufzutauchen. Die 14-Jährige wurde festgehalten, begrapscht und gegen ihren Willen auf den Mund geküsst. Zuhause wusch sie sich den Mund mit Orangensaft aus.

Den mutmaßlichen Täter konnten sie identifizieren: Geori S.. Doch das Verfahren wurde eingestellt. Der mutmaßliche Täter war damals erst 13 Jahre alt und damit strafunmündig.

Als sich nun der Fall in Mülheim ereignete, war es für Irenes Tochter ein Schlag ins Gesicht. Und als wäre das noch nicht genug, wurde sie am Sonntag von fünf Jugendlichen erneut sexuell belästigt. (hier die Details). Ihre Mutter macht sich durch den erneuten Vorfall umso mehr Sorgen. BILD sagte sie: „Erst die Sache mit Georgi S. im letzten Jahr und am Sonntag wird Janine (Name geändert) erneut überfallen und sexuell belästigt. Irgendwann wird alles zu viel. Im letzten Jahr ist mein Kind viermal zusammengebrochen. Sie musste ins Krankenhaus, war in psychologischer Behandlung. Ich habe große Angst um sie. Das hätte vielleicht alles verhindert werden können.“

18.18 Uhr: Was treibt Kinder an, eine solche brutale Vergewaltigung zu tun? „Es geht hier um eine Form von Gewalt, in wenigen Fällen um sexuelle Lust“, sagt der Duisburger Sexualtherapeut Carsten Müller. „Hier haben wir es mit einer Gewalt als Teil von Machtausübung zu tun, die in einer Gruppe exorbitant steigt. Und Sexualität ist die größtmögliche Form von Gewalt.“

Er hat daher eine klare Forderung: „Kinder kommen inzwischen immer früher mit Sexualität in Berührung. Pornografie ist immer einfacher verfügbar. Und wenn dann niemand das in ein ausgeglichenes Verhältnis bringt - Eltern, Lehrer - dann passieren solche Übergriffe. Oft heißt es ja, wir brauchen heute keine Aufklärung mehr, die Kinder sind aufgeklärt genug. Aber ich sage genau das Gegenteil. Wir brauchen mehr Aufklärung denn je.“ (hier das ganze Interview)

14.29 Uhr: Nach der Vergewaltigung einer jungen Frau in Mülheim, prüft die Stadt, ob die Kinder samt ihrer Familien zurück nach Bulgarien geführt werden können. „Wir prüfen, ob wir die Freizügigkeit dieser Familien einschränken können und eine Rückführung in ihr Herkunftsland möglich ist“, sagte Volker Wiebels, Pressesprecher der Stadt Mülheim der „Neuen Westfälischen“.

Grundsätzliche stehe auch im Raum, die Kinder aus ihren Familien zu nehmen. Die Familien würden in sehr enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt betreut, so Wiebels.

Dem Jugendamt ständen „viele Instrumente zur Verfügung. Sie müssen aber genau prüfen, welche jetzt zur Anwendung kommen.“ Ein 14-jähriger Tatverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft.

11.24 Uhr: Weitere grausame Details in dem Fall kommen ans Licht: Wie mehrere Medien berichten, soll es sich bei dem Opfer um eine junge Frau handeln, die leichte geistige Behinderungen haben soll. Sie war laut WDR nach dem Vorfall am Freitag in psychologischer Behandlung. Zwischenzeitig war sie im Krankenhaus, konnte dies jedoch wieder verlassen.

Sowohl die Staatsanwaltschaft Duisburg, als auch die Stadt Mülheim wollen aus Gründen des Opferschutzes gegenüber DER WESTEN keine weiteren zu einer möglichen geistigen Behinderung des Mädchens machen.

06.40 Uhr: Nun hat sich auch CDU-Politiker Elmar Brok zu dem Fall aus Mülheim geäußert. Er kritisiert, dass Länder und Kommunen im Ungang mit verwahrlosten Familien geltendes Recht nicht streng genug anwenden.

In der Bild konkretisiert er seine Forderungen. So habe die EU in ihrer Freizügigkeitsrichtlinie 2004 festgelegt, dass nur Selbständige und Arbeitnehmer ein Recht haben, sich in Deutschland mit ihrer Familie anzusiedeln. Viele Familien würden sich aber durch einen Gewerbeschein einen Aufenthaltstitel erschleichen.

Brok: „Hier vergeben die Kommunen seit Jahren viel zu leichtfertig den Gewerbeschein. Die Folge: Ghettobildung, ganze Wohnblocks, in denen Kinder verwahrlost aufwachsen, nicht mehr integrierbar sind, gewalttätig werden – und in manchen Fällen solche Taten begehen wie jetzt in Mülheim.“

Seine Forderung: „Wer keinen Job vorweisen kann und keine Sozialversicherung zahlt, darf nicht hier wohnen, schon gar nicht der ganzen Familie, mit Kindergeldanspruch und Sozialhilfe!“

Mittwoch, 10. Juli

17.20 Uhr: Der inhaftierte 14-Jährige im Fall der mutmaßlichen Vergewaltigung in Mülheim an der Ruhr hat laut Stadtverwaltung schon länger an einer Präventivmaßnahme teilgenommen. Der Tatverdächtige befinde sich in der Maßnahme „Kurve kriegen“, „um ihn aus dem Strudel einer Intensivtäterschaft herauszuholen“, sagte Stadtsprecher Volker Wiebels am Mittwoch.

Als der Tatverdächtige 12 Jahre alt war, wurde er als Intensivtäter eingestuft. In einem „runden Tisch aus Polizei, Jugendamt und Schule“ sei dann beschlossen worden, dass er an Präventivmaßnahmen des NRW-Innenministeriums teilnehmen soll, das den Namen „Kurve kriegen“ trägt.

Seit Herbst 2018 wird die ganze Familie durch „Plan B“ betreut.

„Kurve kriegen“ wurde 2011 ins Leben gerufen. Die Initiative soll mehrfach tatverdächtige Kinder und junge Jugendliche helfen, Wege aus der Kriminalität zu finden. Zielgruppe sind auffällige Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 15. Bei der Maßnahme arbeiten pädagogische Fachkräfte mit der Polizei zusammen.

15.41 Uhr: Nachdem eine der Familien eines Zwölfjährigen, der an der schrecklichen Gruppenvergewaltigung beteiligt gewesen sein soll, die Hilfe des Jugendamtes am Dienstag abgelehnt hatte, nimmt sie sie nun doch an. Das bestätigt ein Pressesprecher der Stadt Mülheim auf Nachfrage von DER WESTEN.

„Unsere Kollegen bemerkten, dass es keine Verweigerungshaltung der Familie war, sondern ein Fall von Irritation.“ Diese sei durch die mutmaßliche Tat und das rege Interesse der Presse ausgelöst worden.

Nun steht das Jugendamt aber mit allen fünf Familien in Kontakt. Diese zeigen sich laut Stadsprecher kooperativ.

7.30 Uhr: Nach dem Deutschen Richterbund lehnt auch Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) die Absenkung des Strafmündigkeitsalters ab.

Bei der mutmaßlichen Vergewaltigung einer 18-Jährigen sollen auch Kinder unter 14 Jahren, und damit strafunmündige Täter beteiligt gewesen sein. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hatte gefordert, das Alter für die Strafmündigkeit von 14 auf 12 Jahre herabzusetzen.

„Strafrechtliche Verantwortung setzt einen bestimmten Entwicklungsstand voraus, der bei Kindern unter 14 Jahren regelmäßig nicht gegeben ist“, sagte Lambrecht der „Augsburger Allgemeinen“

„Der Staat hat die Mittel in der Hand, um auch auf Straftaten von Kindern konsequent und angemessen reagieren zu können“, sagte die Ministerin. „Als äußerste Mittel sind dabei auch die Entziehung des Sorgerechts oder die Unterbringung in einem Heim oder in einer Pflegefamilie möglich.“

Dienstag, 9. Juli

20.08 Uhr: Nächste Schreckensnachricht: Am Sonntag, zwei Tage nach der mutmaßlichen Vergewaltigung, sollen fünf Kinder und Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren ein Mädchen in Mülheim umzingelt und dann sexuell belästigt haben. Mehr dazu hier>>>

16.53 Uhr: Mülheims Oberbürgermeister Urlich Scholten wird bei Social Media heftig kritisiert. Bereits seit Samstag berichten Medien von der mutmaßlichen Vergewaltigung, Scholten äußerte sich erst am Montag zur mutmaßlichen Gruppentat und postete am Sonntag auf seiner Facebook-Seite ein Bild von einem Picknick. OB Scholten schrieb dazu: „Guten Morgen liebe Mülheimerinnen und Mülheimer, ich mache mich jetzt auf den Weg zum Sommerpicknick in der Freilichtbühne und würde mich freuen, wenn Sie sich spontan dazu entschließen, vorbeizuschauen.“

Nutzer beschweren sich unter dem Post. Eine Auswahl an Kommentaren:

  • „Picknicken oder überhaupt Aufenthalte in der Natur erscheinen mir als Frau im sichersten NRW aller Zeiten nicht mehr empfehlenswert.“
  • „Interessiert den feinen Herrn doch 0, was in Mülheim so passiert...“
  • „Warum schweigen Sie zu dem schlimmen Geschehen in Ihrer Stadt?“

Wie die „NRZ“ berichtete, soll Scholten erst am Sonntag am Rande des Picknicks von der mutmaßlichen Vergewaltigung erfahren haben. Am Montag äußerte er sich erstmals. Ebenfalls bei Facebook schrieb er: „Ich bin immer noch fassungslos darüber, dass eine junge Frau aus unserer Stadt missbraucht und verletzt wurde. Meine Gedanken sind bei ihr.“

Und weiter: „Ich werde weiterhin mit Hochdruck an dem Fall arbeiten und meine Aufmerksamkeit und Kraft stattdessen nicht haarsträubenden Kommentaren und Drohungen, wie jenen auf meiner Facebookseite, widmen.“ Hier geht's zur kompletten Stellungnahme.

16.01 Uhr: Die Familie eines tatverdächtigen Zwölfjährigen hat die Hilfe des Jugendamtes abgelehnt. Das bestätigt Stadtsprecher Volker Wiebels.

Da das Kindeswohl nicht gefährdet ist, wie die Polizei bereits festgestellt hatte, kann das Jugendamt „nur Hilfe, Unterstützung und Rat anbieten“, erklärt er DER WESTEN. „Wird das nicht in Anspruch genommen, dann können wir die Familie nicht dazu zwingen.“

Ob die Familie des zweiten Zwölfjährigen die Hilfe angenommen hat, kann Wiebel derzeit „noch nicht sagen“.

Auf Nachfrage bestätigt er, dass die „Familie des ein oder anderen Beschuldigten“ vor der mutmaßlichen Vergewaltigung bereits in Kontakt mit dem Jugendamt gestanden habe. Er stellt aber klar: „Es war nichts Dramatisches.“

15.19 Uhr:

Gegenüber RTL hat sich die Mutter eines Verdächtigen 12-Jährigen geäußert. Die gab gegenüber dem Reporter erstaunlicherweise an, dass ihr Sohn in der Schule sei - obwohl die Bezirksregierung eigentlich gesagt hatte, alle Verdächtigen würden bis zu den Ferien nicht mehr in die Schule gehen. Ihr Sohn werde aber zu Unrecht verdächtig so die Mutter des 12-Jährigen. Er sei erst später zur Vergewaltigung hinzugekommen.

14.30 Uhr:

Die juristische Aufarbeitung des Falls einer Gruppenvergewaltigung in Mülheim ist komplex. Denn die Tatverdächtigen sind noch sehr jung - zwei von ihnen sind nicht einmal strafmündig.

Ein möglicher Prozess ist noch in weiter Ferne, doch schon ist eine Debatte über die Herabsenkung der Strafmündigkeit entbrannt: Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hatte gefordert, das Alter für die Strafmündigkeit in Deutschland auf 12 Jahre herabzusetzen.

Der Deutsche Richterbund hat sich gegen eine Absenkung des Alters für Strafmündigkeit bei Kindern ausgesprochen. „Die Gleichung mehr Strafrecht gleich weniger Kriminalität geht bei den Jugendlichen nicht auf“, so der Vorsitzende Jens Gnisa.

Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:

  • Welche Sanktionen können bei einem 12-jährigen Straftäter überhaupt greifen?
  • „Hier enthält des SGB VIII einen umfangreichen Katalog an Maßnahmen beginnend mit Erziehungshilfen bis hin zu Möglichkeiten der Herausnahme von Kindern aus Familien und ihre Unterbringung etwa in Heimen oder Pflegefamilien“, so Gnisa gegenüber DER WESTEN. Ziel dieser Maßnahmen sei aber stets eine bessere Erziehung, es handele sich um keine Sanktion im eigentlichen Sinn. Zuständig seien die Jugendämter und gegebenenfalls das Familiengericht.
  • Und welche Strafe droht einem 14-Jährigen im Fall einer Verurteilung wegen Vergewaltigung?
  • „Das Jungendstrafrecht ist vom Erziehungsgedanken getragen. Deshalb ist es sehr flexibel ausgestaltet und sieht auch völlig andere Möglichkeiten der Reaktion auf eine Straftat durch einen Richter vor als im Erwachsenenstrafrecht“, erklärt Jens Gnisa. So gebe es als Maßnahme etwa Weisungen zur Lebensführung, die Auflage, Arbeitsleistungen zu erbringen - oder eine Jugendstrafe. „Unabhängig von der Beurteilung im Einzelfall kann bei einer Vergewaltigung von einem Strafrahmen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren ausgegangen werden.
  • Alle Tatverdächtigen stammen aus Bulgarien. Können EU-Bürger ausgewiesen werden, auch wenn sie minderjährig sind?
  • „Ja. Der Gesetzgeber hat die Möglichkeiten zur Ausweisung von Ausländern – auch EU-Bürgern – erweitert“, erläutert Jens Gnisa. „Bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung kann im Regelfall ausgewiesen werden, wenn der Täter zu einer Freiheits- oder Jugendstrafe von mehr als einem Jahr verurteilt worden ist.“ Des gelte auch dann, wenn die Tat zur Bewährung ausgesetzt worden sein sollte.

14.15 Uhr:

Der Essener Psychotherapeut Christian Lüdke fordert „deutlichere Strafen“ für Kinder und Jugendliche, die schwere Verbrechen begangen haben.

Von einer Herabsetzung der Strafmündigkeit halte er nichts, sagte der im Gespräch mit DER WESTEN. Aber in besonderen Einzelfällen müsse es Möglichkeiten für Ausnahmeregelungen geben. >> Hier das ganze Gespräch nachlesen

10.40 Uhr:

Im Fall der Vergewaltigung einer Frau in Mülheim an der Ruhr mit fünf minderjährigen Verdächtigen besprechen Polizei und Stadt am Dienstagmittag ihr weiteres Vorgehen.

Es gehe darum, sich gegenseitig zu informieren und nachvollziehen zu können, wer welche Aufgaben übernimmt, hatte Sozialdezernent Marc Buchholz am Montag angekündigt. An dem Gespräch nehmen nach seinen Angaben unter anderem Oberbürgermeister Ulrich Scholten (SPD), Vertreter des Jugendamts und Vertreter der Polizei teil.

Die Frau war am Freitagabend vergewaltigt worden. Verdächtig sind drei 14-Jährige und zwei 12-Jährige. Am Montag hatte die Staatsanwaltschaft Duisburg wegen Wiederholungsgefahr einen Haftbefehl gegen einen der drei 14-Jährigen erwirkt.

6.30 Uhr:

Nach der Vergewaltigung einer jungen Frau in Mülheim an der Ruhr sind drei 14-Jährige und zwei Zwölfjährige immer noch dringend tatverdächtig.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hatte gefordert, das Alter für die Strafmündigkeit in Deutschland auf 12 Jahre herabzusetzen. Kinder unter 14 Jahren sind in Deutschland generell nicht strafmündig, können also nicht vor Gericht gestellt werden.

Der Deutsche Richterbund hat sich gegen eine Absenkung des Alters für Strafmündigkeit bei Kindern ausgesprochen. „Die Gleichung mehr Strafrecht gleich weniger Kriminalität geht bei den Jugendlichen nicht auf“, teilte der Vorsitzende Jens Gnisa der Deutschen Presse-Agentur mit. Das Jugendstrafrecht habe sich im Grundsatz bewährt. „Es hat durch den darin niedergelegten Erziehungsauftrag zu einem deutlichen Rückgang der Jugendkriminalität geführt“, so Gnisa. Man sehe daher auch keine Notwendigkeit, das Alter für Strafmündigkeit von 14 auf 12 Jahre herabzusetzen.

Auch der Deutsche Kinderschutzbund spricht sich auf Anfrage deutlich gegen einen solchen Schritt aus. Vielmehr sei das Jugendamt gefordert, zu reagieren und sich die Ursachen für das Verhalten des Kindes im Einzelfall anzuschauen, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin Martina Huxoll-von Ahn auf dpa-Anfrage.

Auch Richterbund-Chef Gnisa bekräftigte, der Staat habe in solchen Fällen heute schon über die Jugendämter und die Familiengerichte die Möglichkeit einzuschreiten.

6 Uhr:

Am Dienstag soll der nächste Termin mit dem Jugendamt, der Stadt und der Polizei stattfinden. Der Oberbürgermeister von Mülheim, Ulrich Scholten, sagte: „Für eine solche Tat gilt in unserer Stadt: Nulltoleranz!“

Montag, 8. Juli

19 Uhr:

Wie die Staatsanwaltschaft am Montagabend mitteilt, ist einer der Beschuldigten schon in der Vergangenheit zweimal wegen sexueller Belästigung aufgefallen.

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Weil er zu diesem Zeitpunkt noch strafunmündig war, hat die Staatsanwaltschaft Duisburg diese Verfahren eingestellt. Wegen der aktuellen Umstände hat die Staatsanwaltschaft am Montag einen Haftbefehl wegen Wiederholungsgefahr gegen den Tatverdächtigen beantragt. Das Amtsgericht hat diesen erlassen.

Polizisten haben den Beschuldigten am Montag wegen des Haftbefehls festgenommen. Der 14-Jährige sitzt in Untersuchungshaft.

15 Uhr:

Nach der Vergewaltigung der jungen Frau in Mülheim sollen die fünf tatverdächtigen Jugendlichen vor den Sommerferien nicht mehr zur Schule gehen.

„Entsprechende Verfügungen werden derzeit vorbereitet“, erklärte die Bezirksregierung Düsseldorf am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Die Polizei hatte zwei zwölfjährigen und drei 14-jährige Schüler als Tatverdächtige ermittelt. Alle sind auf freiem Fuß. Sie besuchten Schulen in Mülheim, erklärte die Bezirksregierung.

Die Verantwortlichen nähmen die Sorgen der Eltern der Mitschüler sehr ernst, hieß es zur Begründung. Der erste offizielle Tag der Sommerferien ist der 15. Juli.

14 Uhr:

Auch die Stadt Mülheim äußert sich am Montag zur Vergewaltigung in der Stadt. Oberbürgermeister Ulrich Scholten und Sozialdezernent Marc Buchholz sagten gegenüber der Presse: „Wir sind in Gedanken bei der jungen Frau. Wir setzen alles daran, in Zusammenarbeit mit der Polizei, diese schreckliche Tat aufzuklären. Alle beteiligten Kräfte arbeiten mit Hochdruck daran.“

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Man habe den Eltern der Beschuldigten geraten, ihre Kinder bis zum Beginn der Sommerferien nicht in die Schule zu schicken. Man stehe im engen Austausch mit dem Jugendamt.

13.30 Uhr:

Nach Angaben von Oberbürgermeister Ulrich Scholten sind vier der fünf Tatverdächtigen in Mülheim gemeldet. Bei dem fünften Verdächtigen, einem 14- oder 15-Jährigen, werde der Wohnort noch ermittelt.

Bei zwei der vier Mülheimer Tatverdächtigen sei das Jugendamt vor der Tat in den Familien bereits aktiv gewesen. „Was Gegenstand der Tätigkeit war, muss noch recherchiert werden. Da sind wir dabei, das aufzubereiten.“ Er machte keine Angaben darüber, welches Alter diese beiden Personen haben. Auch der Name des Opfers sei dem Jugendamt bekannt gewesen.

Buchholz sagte, dass er am Montagvormittag das Jugendamt gebeten habe, auch mit den Familien der Tatverdächtigen Kontakt aufzunehmen.

13 Uhr:

Die junge Frau, die in Mülheim vergewaltigt wurde, ist nach der Tat traumatisiert, so Polizeisprecher Peter Elke gegenüber DER WESTEN. „Die Tat hat Nachwirkungen.“ Aus Gründen des Opferschutzes will sich die Polizei nicht weiter zu der Frau äußern. Nur so viel: Es handle sich bei ihr um eine „junge Erwachsene“.

10 Uhr:

Am Montagmorgen ist es ruhig in dem Mülheimer Wohngebiet. Ab und an fährt ein Auto vorbei, Spaziergänger gehen mit ihren Hunden Gassi. Vögel singen leise, Rasenmäher dröhnen entfernt. Doch wirklich belebt ist die Straße Eppinghofer Bruch mit einem kleinen Waldstück auf der einen und den Bahngleisen nebst Radschnellweg nicht.

„Nachts hab ich hier schon allein Bammel“

„Abends gehe ich hier nicht ohne Begleitung raus. Da habe ich schon Bammel“, sagt Lisa (17) aus Mülheim, die nur ihren Vornamen veröffentlicht sehen will. Es sei eine unbelebte Gegend, meint sie. „Schon jetzt am hellichten Tag geht hier niemand lang, da will ich gar nicht wissen, wie es abends aussieht“, sagt die Mülheimerin. Auch könne man dort keine Hilfe holen. „Hier gibt es auch keine Notruf-Button an den Parkbänken“.

Von dem schrecklichen Sexualdelikt hat sie nichts mitbekommen. Auch andere Passanten haben nichts gesehen und sind schockiert. „Das ist ja kein schlechtes soziales Umfeld“, erzählt Herbert (74), der seinen Nachnamen ebenfalls nicht öffentlich machen möchte. „Aber dass die Täter 12 bis 14 Jahre alt sein sollen, kann ich gar nicht fassen“. Sie seien ja noch gar nicht strafmündig. Auch eine andere Anwohnerin, die lieber anonym bleiben möchte, ist einfach nur geschockt. „Schlimm, einfach schlimm. Das ist krank“, sagt sie nur.

Zwei Anwohner wohnen direkt an dem Spielplatz, an dem möglicherweise die Tat geschah, haben auch an dem Abend nichts bemerkt. „Wir hätten doch eigentlich Schreie hören müssen. Hier ist es ja so ruhig, dass man es hört. Auch sind die Nachbarn mit den Hunden noch abends unterwegs“, sagt eine Frau verwundert.

9.30 Uhr:

Am Montag nach der Tat werden die Kinder und Jugendlichen voraussichtlich ganz normal zur Schule gehen, während die Ermittlungen der Polizei weiterlaufen.

„Es gibt keine Begleitung für die drei 14-Jährigen“, sagte ein Polizeisprecher. Die Jugendlichen seien am Samstag offiziell befragt und dann wieder ihren Eltern übergeben worden. Für sie gelte weiter die Schulpflicht.

Bei den Familien der beiden zwölfjährigen Verdächtigen werde sich am Montagvormittag das Jugendamt einschalten und Hilfe anbieten, sagte ein Stadtsprecher.

Die Kinder dürften dann aber längst in der Schule sein, sagte er. Falls die Mitarbeiter den Eindruck gewännen, dass die Familien mit der Situation nicht fertig werden, sei bei den Zwölfjährigen generell auch ein aktives Eingreifen bis hin zur Entnahme der Kinder aus den Familien möglich.

Sonntag, 7. Juli

Nach Informationen von DER WESTEN soll die junge Frau zunächst mit den Kindern und Jugendlichen auf einem Spielplatz gewesen sein, von dort aus ist die Gruppe später in das Waldstück gelangt. Ob die Frau von den Kindern gedrängt oder unter einem Vorwand dorthin gelockt wurde, ist noch unklar.

Samstag, 6. Juli

12 Uhr:

Anwohner eines Hauses an der Straße Steinkuhle waren am Freitag gegen 22.15 Uhr aufmerksam geworden, als ihre Hunde plötzlich zu bellen begannen.

Mülheim: Junge Frau wird missbraucht - mutmaßliche Täter sind noch Kinder

Im Grünen hinter ihrem Garten entdeckten sie dann eine junge Frau und zwei männliche Personen. Sie riefen die Polizei, während die mutmaßlichen Täter über den nahen Radschnellweg flüchteten.

Polizei entdeckt mutmaßliche Täter in der Altstadt

Die Ermittler machten sich am Samstag mit Polizeihunden und mehreren Polizisten in Zivil auf die Suche nach den Tatverdächtigen. In der Altstadt an der Heißener Straße entdeckte die Polizei die Gruppe, die aus fünf Jugendlichen und Kindern besteht.

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Polizei ermittelt wegen eines schweren Sexualdeliktes gegen fünf Personen

Nachdem sie die mutmaßlichen Täter vor Ort gestellt hatte, bestätigte sich ihr Verdacht.

Die Polizei ermittelt jetzt gegen die drei männlichen 14-jährigen Jungen und zwei weitere 12-jährige Kinder. Die verletzte junge Frau musste ins Krankenhaus eingeliefert werden und wird nach der medizinischer Versorgung weiterhin polizeilich unterstützt.

Vergewaltigung in Mülheim: Familien der Verdächtigen leben seit einigen Jahren hier

All fünf Tatverdächtigen stammen aus Bulgarien und wohnen in Mülheim. Ihre Familien leben seit mehreren Jahren in Deutschland.

Ob es sich bei dem schweren Sexualdelikt um eine Vergewaltigung gehandelt hat, kann die Polizei Essen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einordnen.

Polizei Essen: „Gehen von sehr schwerem Sexualdelikt aus“

„Wir nehmen derzeit noch keine Klassifizierung der Straftat vor, wir gehen aber von einem sehr schweren Sexualdelikt aus“, so Polizeisprecher Peter Elke.

Laut Gesetz gilt der Terminus „schweres Sexualdelikt dann“, wenn der Beischlaf vollzogen oder die Tat gemeinschaftlich begangen wurde. Alle Verdächtigen haben die bulgarische Nationalität. Sie gelten laut Polizei als „dringend tatverdächtig“. Die jeweilige Rolle bei dem Verbrechen ist noch Gegenstand der Ermittlungen.

Alle fünf Kinder und Jugendliche sind tatverdächtig

Tatverdächtig seien aber alle fünf Personen. Man werde jede Möglichkeit nutzen, die Verdächtigen gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten zur Rechenschaft zu ziehen.

Medienberichten zufolge sei es möglich, dass die Tatverdächtigen die Tat gefilmt haben könnten. Auf Nachfrage von DER WESTEN wollte die Polizei das nicht bestätigen.

Der Fall in Mülheim lässt Assoziationen zu ähnlichen Vorfällen zu: In den letzten Jahren ist es immer wieder zu Fällen von Gruppenvergewaltigungen gekommen.

Auch in NRW: In Essen wurden im vergangenen Jahr fünf junge Männer zu Freiheitsstrafen verurteilt, weil sie mehrfach Mädchen sexuell missbraucht und vergewaltigt hatten. Und in Velbert hatten acht bulgarischstämmige Jugendliche eine 13 Jahre altes Mädchen vergewaltigt, sie wurden ebenfalls später zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. (mj/pen/js/cs/db/dpa)

 
 

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