Große Aufregung in kleiner Thusneldastraße

Marie-Luise Bueschken und Kerstin Lendzian-Peylo (v.l.) haben einen Brief an die OB geschrieben.
Marie-Luise Bueschken und Kerstin Lendzian-Peylo (v.l.) haben einen Brief an die OB geschrieben.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo

Mülheim. Anwohner der kleinen Thusnelda­straße in Broich sind in großer Aufregung: Ab Montag wird dort die Fahrbahn erneuert. Bei den umfangreichen Asphaltarbeiten wird die Fahrbahndecke zwölf Zentimeter tief abgefräst, zeitweise wird eine Vollsperrung eingerichtet, eine Zufahrt wird teils nicht möglich sein.

Am Dienstag fanden die 37 Anlieger ein Infoblatt der Stadt über den Ablauf der Maßnahme, die vom 27. August bis 14. September dauern soll, in ihren Briefkästen. Kerstin Lendzian-Peylo und ihre Nachbarn werfen der Stadtverwaltung mangelhafte Information der Anwohner vor.

Kosten gehen über eine Instandsetzung hinaus

Denn erst am vergangenen Samstag, so Kerstin Lendzian-Peylo, hätte man das erste offizielle Schreiben der Verwaltung (Datum 17. August) mit der Post erhalten. Und erstmalig seien da auch die Kosten beziffert worden.

Da die Kosten über eine Instandsetzung hinausgehen, schreibt das Amt für Verkehrswesen und Tiefbau, ist etwa die junge Familie Peylo voraussichtlich mit 2300 € Beteiligung dabei. Frau Lendzian-Peylo weiß von Nachbarn, die rund 9000 € bezahlen sollen. Das ist viel Geld, vor allem, wenn man die Ausgabe vorher nicht eingeplant hatte. Und es auch nicht einsieht: In den Augen der Peylos und ihrer Nachbarschaft ist ihre Straße noch gut in Schuss. Andere, etwa die nahe Ulmenallee, seien viel stärker angriffen, wird argumentiert.

Familie wurde mit Vorhaben aufgeschreckt

Planen habe man für eine solche Ausgabe nicht können, sagen die Peylos. Hätten nicht Anfang Juni RWW-Mitarbeiter in der Thusneldastraße zufällig über die für den Herbst geplante Baumaßnahme gesprochen, hätten Anwohner nichts erfahren, so die Meinung nicht nur der Familie Peylo, die damit aufgeschreckt wurde. Erst ein Anruf bei der Verwaltung hätte ihnen Gewissheit gebracht: Ja, die Maßnahmen kommen, ja die geplante doppelte Asphaltschicht für die Straße ist beitragspflichtig für die Anwohner.

Ein Schreiben an die Verwaltung wurde unter anderem mit einer Einladung in die nächste Sitzung der zuständigen Bezirkvertretung 3 (BV 3) beantwortet. Die tagt, erstmals nach den Ferien, am 6. September. „Wir dachten alle, wir hätten noch bis dahin Zeit“, sagt Kerstin Lendzian-Peylo. Doch am vergangenen Freitag wurde schon ausgemessen und markiert, besorgte Nachfragen ergaben: Am Montag geht es los. „Und das in einer Stadt, die sich immer als besonders bürgerfreundlich ansieht“, kommentiert Marie-Luise Büschken vom Haus nebenan.

Am Montag geht es los 

Andreas Pape, Abteilungsleiter „Bau und Betrieb von Straßen“ sagt zum Zustand der Thusneldastraße: „Die Decke hat viele Risse.“ Deshalb sei die Straße schon seit 2008 auf der Vormerkliste, trage gar den Vermerk rot für „mangelhaft“. Schon 2008 war die 1963 fertiggestellte Straße Thema in der BV 3, fiel der Planungsbeschluss. Der Baubeschluss stammt von Ende 2011.

Seit 2006, sagt Pape, sei das Procedere – in Absprache mit den Politikern der Bezirksvertretungen – bei Straßenbaumaßnahmen stets wie folgt: Sowohl nach dem Planungs-, als auch nach dem Baubeschluss würden die lokalen Medien informiert, zudem gebe es Infos auf der Homepage der Stadt und beim Servicecenter Bauen im Technischen Rathaus. Aus Sicht der Stadt ist die Öffentlichkeit damit informiert.

"Das Verfahren ist immer gleich"

„Das Verfahren“, so Stadtsprecher Volker Wiebels, „ist immer gleich“. Es gebe keine gesetzliche Verpflichtung, betroffene Anwohner lange vor der geplanten Baumaßnahme schriftlich zu informieren. Auch sei man personell dazu in der Verwaltung nicht in der Lage.

Die BV 3 wird das Thema am 6. September auf ihrer Agenda haben. Bezirksbürgermeister Gerhard Allzeit (CDU) hat unter anderem die Anfrage an die Verwaltung gestellt, wann die betroffenen Bürger in der Thusneldastraße genau informiert worden sind.

102.000 Euro wurden veranschlagt

Wenn ein Änderungsbedarf in der Informationspraxis bestehe, müsse man darüber sprechen, sagt der Politiker. Bürger, die nach dem KAG, dem Kommunalabgabegesetz, Gebührenbescheide bekämen, seien doch ohnehin schon in einer Adresskartei erfasst.

Die geplante Baumaßnahme an der Thusneldastraße zwischen Hermann- und Maxstraße wird – nach der Ausschreibung – mit 102.000 € veranschlagt. Anlieger müssen für die als Haupterschließungsstraße eingeordnete Straße 55%, also rund 56.000 €, tragen. Die Beitragssatzung sei zum 1. August hin geändert worden, sagt Amtsleiter Pape. Bis zum 30. August hätten die Anwohner noch mit 60% beteiligt werden können. Ein schwacher Trost.

 
 

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