Gräber erzählen Geschichten

Familienforscherin Bärbel Essers.
Familienforscherin Bärbel Essers.
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool
Die Familienforscherin Bärbel Essers erinnert in ihrem neuen Buch „Der Altstadtfriedhof“ an viele Mülheimer Persönlichkeiten.

Mülheim. Die Familienforscherin Bärbel Essers kennt sich auf dem Altstadtfriedhof aus wie kaum ein anderer Mülheimer Bürger, sie hat viele Gräber dokumentiert. Der denkmalgeschützte Ort ist nicht nur ein Hort der Stadtgeschichte, sondern auch vieler Geschichten und Geschichtchen, und so war es nur eine Frage der Zeit, dass die akribisch zusammengetragenen Forschungsergebnisse der 53-jährigen Mülheimerin in Buchform erschienen. „Der Altstadtfriedhof – Ein Spaziergang durch die Mülheimer Stadtgeschichte“ liegt nun seit der letzten Woche vor – und ein Buchhändler musste bereits nach zwei Tagen nachbestellen.

Die eigene Familiengeschichte, die sie in Mülheim mütterlicherseits auf 400 Jahre zurückverfolgen kann, brachte Bärbel Essers einst zur Familienforschung. Nur die einfachen Daten im Familienstammbaum waren der Bilanzbuchhalterin aber nicht genug – sie interessierte sich auch für die Geschichten hinter der Geschichte, für das persönliche, oft tragische Schicksal einzelner Menschen, von denen auf dem über 200 Jahre alten Friedhof oft noch ein Grab oder ein Gedenkstein mit Inschrift zeugt. „Es fing an mit einer Datenbank“, erinnert sich die Autorin. Inzwischen hat sie gut 7000 Namen im PC gespeichert – alle bestattet auf dem Altstadtfriedhof, wo nicht nur so bekannte Familien wie die Thyssens oder die Stinnes’ liegen. Sondern auch viele heute weitgehend unbekannte Mülheimer, deren Grabsteine oft von ihren Schicksalen berichten.

Einblick in das Leben und Arbeiten der Menschen in ihrer Zeit

Reich bebildert und 122 Seiten stark gibt das Buch anhand von knapp 50 Biografien beispielhaft einen Einblick in das Leben und Arbeiten der Menschen in ihrer Zeit und weckt das Interesse an einem Spaziergang durch die parkähnliche Anlage. Eine Karte im Buch hilft dabei, sich auf dem Altstadtfriedhof zurechtzufinden.

Bärbel Essers stellt Bürgermeister, Beamte, Unternehmer und Pioniere aus Bergbau, Schifffahrt, Handel, Gewerbe sowie Kulturschaffende exemplarisch (mit den Gräbern) vor. Rund 700 historische Grabsteine sind noch vorhanden, nicht alle Bestatteten hatten ihre Wurzeln an der Ruhr. So wie der Kunstreiter Adolf Kolzer, von dessen Unfalltod mit nur 16 Jahren in Mülheim (am 26. Januar 1893) bis heute ein Grabstein erzählt.

Bei der Auswertung der ersten vollständigen Volkszählung Mülheims aus dem Jahr 1861 fand Bärbel Essers nicht nur Familienzusammenhänge, sondern auch viele Fakten und Anekdoten. Von „Puzzleteilchen“ spricht Bärbel Essers, die sich später zum Bild zusammenfügen. „Die Sache ist nicht abgeschlossen. Es kommt immer was dazu.“ Mal findet sie bei ihrer Arbeit in den Archiven eine aussagekräftige Todesanzeige, mal kommen in Gesprächen neue Querverbindungen ans Licht.

 
 

EURE FAVORITEN