Gestank in Styrum beunruhigt

Von Aktionismus der Behörden kann im Styrumer Fall nicht die Rede sein.
Von Aktionismus der Behörden kann im Styrumer Fall nicht die Rede sein.
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim. Wenn zwei keine Einigung finden, sind manchmal Dritte die Leidtragenden: Rund um die Dr.-Türk-Straße in Styrum klagen Anwohner über regelmäßige Belästigungen durch penetranten Gestank, doch die Umweltbehörden in Düsseldorf und Mülheim streiten um Zuständigkeiten. Ein ungelöster Fall, der Anwohner erst am Montag wieder die Nasen hat rümpfen lassen.

Die Mülheimer Bürgerinitiativen hatten die Klage einer Anwohnerin öffentlich gemacht und die Stadtverwaltung im letzten Umweltausschuss zur Stellungnahme aufgefordert. Bürgerin Sabine Barde ist beunruhigt über einen zwar nicht permanenten, aber seit Jahren doch regelmäßig auftretenden Gestank in ihrem Wohnumfeld. Am 4. September hatte die Styrumerin, „weil es so derbe roch“, zunächst die Feuerwehr alarmiert, sich später – wie drei andere Bürger – an die Stadtentwässerungsgesellschaft SEM gewandt. Liegt der Ursprung der Geruchsbelästigung in den Kanälen?

Kein Greuch aus dem Kanal

Die SEM kennt die Beschwerden aus dem Bereich, auch dieses Mal rückte sie aus, um erneut festzustellen: Aus dem Kanal entweicht der Gestank nicht. Für Barde riecht es nach faulen Eiern, nach Öl und Teer, „sehr intensiv“. Und immer wieder trete der Geruch wohl am Monatsanfang auf. Im Juli sei das so gewesen, im September – und auch an diesem Montagabend wieder. Im September wandte sie sich an das Mülheimer Umweltamt.

Dort heißt es nun, der nahe ­Betrieb von Vallourec & Mannesmann sei „als örtlich relevanter Emittent ausgemacht“. Begründet wird dies mit einer „Schwachwind-Situation“ am 4. September. Damit sei der Verursacher nur im Umkreis von 500 Metern um die Dr.-Türk-Straße zu vermuten. Die zuständige Immissionsschutzbehörde für V&M sei die Bezirksregierung. Die winkt aber ab: Beim „Ausschlussverfahren“, mit dem die Stadt V&M als vermeintlichen Emittenten ausgemacht habe, handele es sich nicht um eine „juristisch verwertbare Bezeichnung“. Es habe nur eine „bedingte Aussagekraft“. Außerdem ­gebe es ja nur eine Beschwerde.

"Ich fühle mich nicht ernst genommen"

Eine umfassende Untersuchung schließt die Bezirksregierung aus. Sie hat Sabine Barde empfohlen, bei neuerlicher Geruchsbelästigung Kontakt mit dem Umweltbeauftragten von V&M aufzunehmen, damit dieser unverzüglich auf dem Werksgelände ausmachen könne, ob dort eine Quelle für den Gestank zu verorten sei. Mit dieser Vereinbarung vom 12. September sei die Nachbarbeschwerde bei der Bezirksregierung als „ruhend“ gekennzeichnet. Eine V&M-Sprecherin sagte noch Mitte letzter Woche, dass der Werksleitung und dem Umweltbeauftragten „nichts bekannt“ sei ob einer Beschwerde . . .

„Ich fühle mich nicht ernst genommen“, sagt Bürgerin Sabine Barde. Sie will, da der Gestank auch Kopfschmerzen verursache, wissen: „Was ist das, was ich da einatme?“

 
 

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