Geflügelzüchter in Mülheim müssen wegen Zeitmangels umdenken

Die Geflügelzüchter Dieter Bergenthun (l.) und Ernst Stricker möchten jüngere Mitglieder dafür gewinnen, sich mehr an der Vorbereitung für große Ausstellungen zu beteiligen.
Die Geflügelzüchter Dieter Bergenthun (l.) und Ernst Stricker möchten jüngere Mitglieder dafür gewinnen, sich mehr an der Vorbereitung für große Ausstellungen zu beteiligen.
Foto: Herbert Höltgen
Weil die Älteren nicht mehr anpacken können und die Jüngeren beruflich zu eingespannt sind, finden keine großen Ausstellungen mehr statt.

Mülheim.. „Wenn die Henne mit ihren Küken über die Wiese läuft, dann ist das ein Bild für Götter“, sagt Ernst Stricker im Brustton der Überzeugung. Mindestens genauso rührt es den 76-Jährigen, wenn Hermann, der bildhübsche Hahn, ihm tief in die Augen blickt. „Zu erleben, wie die Tiere auf mich reagieren, ist toll“, sagt der Heißener Geflügelzüchter.

Weil er seine Tiere liebt und zudem das Kulturgut des Züchtens pflegen will, ist der pensionierte Polizeibeamte seit über zehn Jahren Mitglied im Rassegeflügelzuchtverein Mülheim-Saarn (RGZV). Der hat aktuell 45 Mitglieder – Altersdurchschnitt 60 plus. Was den Verein wie andere auch vor Probleme stellt: „Viele von uns können nicht mehr so anpacken, haben mittlerweile Gebrechen“, sagt der erste Vorsitzende Dieter Bergenthun.

Keine Ausstellungen mehr beim Rassegeflügelzuchtverein Mülheim-Saarn

Die Folge: Der Rassegeflügelzuchtverein Mülheim-Saarn, der seit 1902 besteht, wird keine Ausstellungen mehr machen. „Wir können es nicht mehr“, bedauert Bergenthun. Zwar seien auch einige jüngere Mitglieder im Verein, über Nachwuchsmangel könne er sich nicht beklagen. Denn es habe sich der Trend entwickelt, eigene Hühner zu halten, um immer frische Eier („Wirklich komplett bio“, so Stricker) zu haben. „Doch die Jüngeren, die im Verein dazu stoßen, sind beruflich alle so eingespannt, dass sie keine Zeit haben, die aufwendige Aufbauarbeit und umfangreiche Vorbereitung für die großen Ausstellungen zu leisten.“

Früher, erinnert sich Bergenthun, der mit 13 Jahren in den Verein eintrat, sei es kein Problem gewesen, bei der Arbeit drei, vier Tage frei zu nehmen, um die Rassegeflügel-Schau, die jahrelang beim Rennverein Raffelberg und zuletzt im Vereinsheim des SV Raadt stattfanden, vorzubereiten.

Diese Flexibilität finde man heute so gut wie gar nicht mehr. Außerdem, fügt Ernst Stricker hinzu: „Es gibt heute auch nicht mehr so die Bereitschaft, mitzuhelfen.“ Der Gedanke, sich ganz aus dem Verein zurückzuziehen, sei ihm schon gekommen, räumt Dieter Bergenthun ein, aber: „Was mache ich dann? Ich mache es ja gerne, es ist fast wie eine Berufung.“ Zumindest die Funktion als Zuchtwart hat der 78-Jährige mittlerweile abgegeben.

Neue Heimat für Repräsentationsschau

Was die Herren des RGZV aber in keinem Fall aufgeben wollen, ist ihre Repräsentationsschau, die jahrelang auf dem Saarner Marktplatz stattfand. „Die Veranstaltung ist immer gut bei den Besuchern angekommen“, berichtet Bergenthun nicht ohne Stolz. Gerade Kinder hätten großen Spaß am Hähnewettkrähen oder daran, zu beobachten, wie Küken schlüpfen.

Seitdem aber auf dem Saarner Marktplatz auch samstags wieder ein Wochenmarkt stattfindet, musste sich der Rassegeflügelzuchtverein eine neue Heimat für seine Repräsentationsschau suchen – und ist seitdem beim Heimwerker-Markt Menzen in Saarn untergekommen. „Dort können wir jetzt ein Mal im Jahr unsere Veranstaltung abhalten“, freut sich Bergenthun. Aber auch diese Schau vorzubereiten, bedeute Organisation. „Alles, was man anpackt, ist erstmal Arbeit“, sagt Dieter Bergenthun. Wenn er dann aber die Reaktion der Kinder sieht, die mit großen Augen vor den Brutkästen mit den schlüpfenden Küken stehen, weiß er, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

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