Gebühren-Änderung - Mülheimer Lotto-Filialen bangen um ihre Existenz

Lotto-Annahmestellen sollen höhere Gebühren an die Bezirksregierung zahlen. Peter Ackermann (Bild) sieht darin ein wirtschaftliches Problem.
Lotto-Annahmestellen sollen höhere Gebühren an die Bezirksregierung zahlen. Peter Ackermann (Bild) sieht darin ein wirtschaftliches Problem.
Foto: WAZ FotoPool
Die Bezirksregierung hat die Gebühren für die Lotto-Annahmestellen um das Zwölffache erhöht. Bis zum ersten Oktober mussten 100 Euro für eine Fünf-Jahres-Lizenz gezahlt werden - nun 1250 Euro. Kleine Geschäfte können das kaum stemmen, sagen Mülheimer Inhaber. Die Filialen bangen um ihre Existenz.

Mülheim.. Judith Borgmeier ist verunsichert. Die Inhaberin einer Lotto-Annahmestelle auf der Heimaterde hat von der drastischen Lizenzerhöhung nur durch die Presse erfahren. „Ob ich davon betroffen bin, weiß ich gar nicht“, sagt Borgmeier, die seit dreieinhalb Jahren ihr Geschäft führt. Durch eine Überschreibung des Geschäfts hat sie noch vor kurzem die bis dato fälligen Kosten von 100 Euro für eine Fünf-Jahres-Lizenz gezahlt. Seit dem 1. Oktober sind nun mehr 1250 Euro fällig.

Also mehr als das Zwölffache – und das im Voraus, auf einen Schlag. Weder von der Bezirksregierung noch von Lotto selbst ist Judith Borgmeier nach eigener Darstellung informiert worden. „Für Geschäfte, die groß sind und größtenteils mit anderen Waren Umsatz machen, ist die Erhöhung vielleicht noch zu stemmen“, so Borgmeier. „Wir kleinen Annahmestellen müssen dann überlegen: Schließen? Ja oder nein?“

Abwärtstrend seit Jahren

Bis zum 30. September belief sich die Erlaubnisgebühr für den Betrieb einer Annahmestelle auf 100 Euro. Zu wenig, wie die Bezirksregierungen in NRW nach einer Prüfung beanstandeten und das neue Gebührenmodell ins Leben riefen.

Von Westlotto selbst heißt es, man habe „erst im August 2014 von dem Änderungsvorhaben erfahren“ und in zahlreichen Gesprächen mit den Verantwortlichen versucht, die Sache abzuwenden. Vergeblich. Tobias Buller, Vorstandsmitglied vom Lottoverband NRW, befürchtet, dass viele kleine Annahmestellen jetzt vor dem Aus stehen. „Wir beobachten schon seit Jahren einen Abwärtstrend, immer mehr Lottogeschäfte machen dicht“, so Buller. „Die Gebührenerhöhung macht die Sache jetzt nicht einfacher.“

An Lottopreisen ist nicht zu rütteln

Vor allem, dass die Inhaber die 1250 Euro im Voraus zahlen müssen und im Falle einer vorzeitigen Schließung keinen Cent zurückerhalten, empfindet Tobias Buller als ungerecht.

Auch Peter Ackermann, der seit 20 Jahren in Mülheim im Lottogeschäft ist, stößt die Erhöhung sauer auf. „Die Provision, die wir durch Lotto bekommen, ist so gering, da brauchen wir etliche Monate, bis wir die neue Lizenzgebühr abgestottert haben“, sagt der 59-Jährige, der nun seit elf Jahren an der Schloßstraße hinterm Verkaufstresen steht.

„Auf unsere Kunden können wir das auch nicht umlegen, denn wir haben von Lotto vorgeschriebene Preise, da gibts nichts dran zu rütteln.“ Da auch fast alle anderen Artikel seines Sortiments – wie etwa Tabakwaren oder Zeitschriften – preisgebunden sind, muss Peter Ackermann aus der eigenen Tasche draufzahlen.

 
 

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