Gastspiele im Theater an der Ruhr als Vorboten der Mülheimer Stücke

In den turbulenten Zeiten kurz vor der Jury-Sitzung hat Stücke-Chef Udo Balzer-Reher die Ruhe weg. Er organisiert auch die Gastspiel-Reihe mit. Foto : Andreas Köhring
In den turbulenten Zeiten kurz vor der Jury-Sitzung hat Stücke-Chef Udo Balzer-Reher die Ruhe weg. Er organisiert auch die Gastspiel-Reihe mit. Foto : Andreas Köhring
Foto: Andreas Köhring

Mülheim.. Das Geheimnis um die nominierten Autoren und ihre Stücke für die Mülheimer Theatertage 2012 wird am Freitag gelüftet. Als Brücke dazu sind ab Mittwoch wieder Gastspiele im Theater an der Ruhr zu sehen. Darunter zwei von Dramatikerpreisträgern. Über die Austausch-Gastspiele spricht Udo Balzer-Reher, Stücke-Chef und Leiter des Theaterbüros vom Kulturbetrieb.

Seit wann gibt es den Gastspiel-Austausch mit anderen Häusern und Städten?

Udo Balzer-Reher: Oh, den gibt es schon ganz viele Jahre und er hat eigentlich mit der Gründung des Theater an der Ruhr angefangen. Es sind die Orte, wo das Theater an der Ruhr spielt. Die Verabredung ist, dass beispielsweise das Theater an der Ruhr in Göttingen spielt und Göttingen spielt dann bei uns.

Es sind u.a. Stücke von Roland Schimmelpfennig und Franz Xaver Kroetz dabei. Beide wurden schon mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet. Wer wählt die hier zu sehenden Gastspiele denn aus?

Balzer-Reher: Das mache ich zusammen mit Sven Schlötcke (Mitglied der Künstlerischen Leitung Theater an der Ruhr).

Was waren die Kriterien, gerade diese Inszenierungen einzuladen?

Balzer-Reher: Es gibt da immer viele „Wenn“ und „Aber“. Die Spielpläne für die kommenden Spielzeit kommen meist im März/April heraus. Wenn wir das Label „Neue Stücke“ suchen und weiterverfolgen wollen, dann sind ja viele Produktionen gar nicht möglich. Das heißt, es bleiben zwei, drei von jedem Haus übrig, aus denen man auswählen kann. Und dann gibt es natürlich auch praktische Dinge. Man versucht, sie möglichst dicht zu machen, versucht, möglichst neue Produktionen zu zeigen wie die von Schimmelpfennig, die ja erst gerade in Heidelberg herausgekommen ist. Und bestimmte Dinge zwingen sich auf. Wenn man die Chance hat, von Franz Xaver Kroetz ein Stück zu bekommen, das heute nicht mehr so häufig gespielt wird, dann ist das für Mülheim attraktiv, einen „alten Preisträger“ zu zeigen, der sich im Laufe der Jahre sehr verändert hat.

Also Stücke von angesagten neuen Autoren und Stoffen.

Balzer-Reher: Ja, aber nicht so päpstlich wie bei den „Stücken“, da rutscht auch schon mal eine Punktion durch, die nicht von einem deutschsprachigen Autor ist. Aber eben neue Stücke.

An welches Publikum richten sich die Aufführungen?

Balzer-Reher: Also „Sweetie“ (nach dem Film von Jane Campion) läuft im Theater Göttingen ab 16 Jahren, also im Jugendbereich. Und die anderen beiden Aufführungen richten sich an Erwachsene. Dabei geht es natürlich um Themen, die auch Jugendliche interessieren.

Die Gastspiele waren immer in der Stadthalle zu sehen. Wie kommt der Wechsel ins Theater an der Ruhr?

Balzer-Reher: Das hat einfache Gründe, zum Beispiel, dass die Theater, die hier gastieren, gerne im Theater an der Ruhr spielen. Die Produktionen passen gut dort hinein. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die eine oder andere Aufführung in der Stadthalle gemacht wird. Es hat einfach auch mit der Größe der Stücke zu tun.

Hat sich Konzept der Austausch-Gastspiele im Laufe der Zeit verändert?

Balzer-Reher: Ja, wir haben verschiedenes versucht, wir hatten mal eine ganze Serie im Herbst, dann haben wir sie geteilt. Diesmal haben wir sie wieder geteilt, zeigen eine Serie im Frühjahr und machen im Herbst/Winter den zweiten Aufschlag. In den letzten Jahren haben wir versucht, eine neue Linie ­reinzubringen, indem wir neue Produktionen zeigen – schon ausgehend von den „Stücken“. Es war zwar nicht so geplant, aber dass jetzt diese Aufführungen rund um die „Stücke-Nominierungen“ hier gastieren, ist natürlich sehr schön.

Das Programm:

  • 7. März: „Sweetie“ nach dem Film von Jane Campion, Deutsches Theater Göttingen.
  • 10. März: „Furcht und Hoffnung in Deutschland“ von Franz Xaver Kroetz (Mülheimer Dramatikerpreis 1976), Theater Heidelberg.
  • 17. März: „Die vier Himmelsrichtungen“ von Schimmelpfenning (MH Dramatikerpreis 2010), Theater Heidelberg.
  • Die Aufführungen sind jeweils um 19.30 Uhr im Theater an der Ruhr zu sehen. Karten: 18 €/erm.8 €, Vvk-Stellen. Der Austausch ist eine Kooperation zwischen Theater an der Ruhr, den beteiligten Häusern und dem Theaterbüro.

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