Förderpreis für das Theater

Seit 16 Jahren wird inzwischen vom Integrationsrat der Förderpreis für ein gedeihliches Miteinander und gegenseitige Integration vergeben. Er hat eher symbolische Wirkung, ist er doch lediglich mit 400 Euro dotiert. So zählten in der Vergangenheit neben Einzelpersonen wie etwa Klaus Wichmann, Lisa Pongias und Ingrid Kohlbrei, die inzwischen alle verstorben sind, Alfred Beyer, Dagmar van Emmerich und Ingrid Just auch Schulen und Kitas zu den Preisträgern. Ziel ist es, Engagement zu würdigen, dass ansonsten nicht berücksichtigt und nicht gewürdigt bliebe. Wird ein ehrenamtliches Engagement gewürdigt, so soll das auch immer beispielgebenden Charakter haben, der Devise folgend: „Tue Gutes und rede darüber.“

In diesem Jahr ist die Situation etwas paradox. Die vielen Flüchtlinge in der Stadt haben eine Welle der Hilfsbereitschaft in Gang gesetzt. Zahlreiche kleine und große Initiativen haben sich gebildet. Die Fülle des Angebots ist kaum noch zu überblicken und reicht von der WiM über die Arbeit von Sportvereinen bis zu Einzelinitiativen in den Unterkünften, die vom CBE koordiniert werden. Doch Vorschläge für den Preis sind beim Integrationsrat kaum eingegangen. „Wir hatten nur halb so viele wie im Vorjahr“, sagt Emine Arslan, die Vorsitzende des Integrationsrates und sieht sich vor einem Rätsel. Zeitpunkt und Dauer der Bewerbungsfrist waren nicht anders als im Vorjahr und der Preis ja eigentlich etabliert.

Ausgezeichnet wird mit dem Theater an der Ruhr für das das gedeihliche Miteinander ein Teil seiner Identität ist, regelrecht ein Bestandteil seiner DNA. Dieses Prinzip wird schon durch die Person seines Gründers Roberto Ciulli verkörpert. Für seinen unermüdlichen, jahrzehntelangen Einsatz um die Verständigung zwischen den Kulturen ist der 81-Jährige vor zwei Jahren von der Ministerpräsidentin mit dem Staatspreis NRW, der höchsten Auszeichnung des Landes ausgezeichnet worden. So wirkt die Entscheidung des Integrationsrates wie ein Trumpf, der in der Not aus dem Ärmel gezogen wurde, was nicht heißen soll, dass der Preis unverdient wäre.

Was Arslan nun für besonders beispielhaft hält, ist, dass hier nicht nur Theater für, sondern auch mit Migranten und Flüchtlingen gemacht wird. Sie erinnert daran, dass von Beginn an Migranten zum Team gehörten (unvergessen die Schauspielerin Gordana Kosanovic), dem Romatheater Pralipe, dem hier über zehn Jahre Asyl gewährt wurde, und unter der Federführung von Adem Köstereli, Wanja van Suntum und Jonas Tinius die Ruhrorter-Trilogie entstand. Ort der Auseinandersetzung war zuletzt das ehemalige Frauengefängnis, das zeitweise als Abschiebeknast diente. Dieses beispielhafte Projekt wurde bereits mit dem Integrationspreis der Freddy-Fischer-Stiftung ausgezeichnet. Der Förderpreis des Integrationsrates wird am Montag um 19 Uhr vor geladenen Gästen in Schloß Broich verliehen.

 
 

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